Ein Umbau, der großen Spaß macht Quakenbrücker Bahnhof verwandelt sich in ein Bürohaus

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Quakenbrück. Architekten und Handwerker wissen es nur zu gut: Wer einen Altbau saniert, muss damit rechnen, manche Macken erst auf den zweiten Blick zu entdecken. Hinter scheinbar stabilen Wänden lauern Schimmelpilz und Feuchtschäden. Wie soll es dann erst dem Eigentümer des Quakenbrücker Bahnhofs gehen? Das unter Denkmalschutz stehende Jugendstilgebäude ist immerhin 104 Jahre alt und wird gerade aufgemöbelt. „Sanierung und Umbau machen großen Spaß“, sagt Helmut Hettwer.

Der Architekt aus Ankum, der im April 2013 mit seinem Nutzungskonzept für den Bahnhof den Stadtrat überzeugte, hat vor wenigen Wochen mit dem Umbau begonnen. Er will den einstigen Prachtbau Quakenbrücks aus Kaisers Zeiten wieder zu einem Schmuckstück machen, auf das die Burgmannstadt stolz sein kann. Vor allem will er es wieder mit Leben füllen und zu einem Treffpunkt machen. Für Bahnzwecke wird das einstige, sehr repräsentativ geplante Empfangsgebäude längst nicht mehr gebraucht. Bahnfahrer können auch künftig darin auf die Züge warten, der Rest wird zu Büroräumen umgestaltet.

Die Bahn hatte die Immobilie schon vor Jahren abgestoßen, und die Stadt hatte zugegriffen. Sie wollte das 62 Meter lange Gebäude mit der imposanten Empfangshalle und dem 15 Meter hohen Gewölbe zum Kulturbahnhof machen. Doch diese Pläne hätten die Stadtfinanzen ziemlich strapaziert. Ende 2012 trieb der Rat stattdessen die Vermarktung voran und suchte einen Investor. Helmut Hettwer und sein Sohn Andreas entwarfen die Idee des Bürobahnhofs – erst Office Station, dann Office Center genannt – und bekamen dafür viel Beifall.

Inzwischen sind die Verhandlungen zwischen Stadt, Sanierungsträger und Land Niedersachsen abgeschlossen. Kauf- und Modernisierungsvertrag, ziemlich komplizierte Vereinbarungen im Juristendeutsch, sind unterzeichnet, schließlich fließen in den Umbau auch Mittel der Stadtsanierung. Eigentümerin des Gebäudes ist die Office Center Quakenbrück (OCQ) GmbH & Co. KG.

Handwerker sind nun damit beschäftigt, aus Helmut Hettwers Plänen Realität werden zu lassen. Der Bauherr und Planer schaut mindestens zweimal täglich auf der Baustelle vorbei. Denn jeder Tag bringt den Eigentümer seinem Ziel, aus dem Bahnhof ein Bürohaus zu machen, sichtbar näher.

„Wir haben das Gebäude zunächst entkernt“, erläutert der Architekt. Die früheren Wartesäle zur Rechten und zur Linken der Empfangshalle waren bereits bei einer Umbauaktion, die nie zu Ende geführt wurde, teilweise mit Trockenbauelementen zu Büros umgebaut worden. Übrig geblieben ist davon nichts. Die neuen Büros sind auf die Bedürfnisse und Ansprüche der künftigen Mieter zugeschnitten.

Doch bei aller Neuerung will Helmut Hettwer an die ursprüngliche Nutzung des Jugendstilgebäudes erinnern und die historische Bauweise aufnehmen. Wer durch die Flure des Rohbaus geht, dem fallen die hohen Decken auf, während die angrenzenden Büros Zimmerdecken mit normaler Höhe haben. „Ich möchte den Charme der Wartesäle auf alle Fälle erhalten“, so Hettwer. Die kennt er übrigens aus eigenem Erleben. Während seiner Schulzeit führte ihn der Weg oft in den Quakenbrücker Bahnhof.

Drinnen und draußen staubte es in den vergangenen Wochen ziemlich oft und heftig. Während die Handwerker mit dem Dampfstrahler die rote Klinkerfassade reinigten und mit dem Winkelschleifer den Mörtel zwischen den Steinen zu entfernen, um den Spalt später heller verfugen zu können, zogen Maurer im Inneren eine Wand mit wärmedämmenden Spezialsteinen hoch. „Die bildet sozusagen eine eigene Schale“, so der Architekt. Nur so erfülle das Gebäude künftig die geltende Energiesparverordnung. Auch Brechstangen nahmen die Bauarbeiter zur Hand und spielten im wahrsten Wortsinn Türöffner: Einst zugemauerte und zu Fenstern umfunktionierte Rundbogeneingänge dienen künftig wieder ihrem ursprünglichem Zweck.

Bei allem aber gilt: Beim Umbau muss Helmut Hettwer Rücksicht auf den Denkmalschutz nehmen. Der aber muss letztlich auch mit der neuen Nutzung und geltenden Vorschriften vereinbar sein. Holztreppen, die in die oberen Stockwerke führen, haben zwar ihren Charme, sind aber für den Brandschutz alles andere als optimal. „Da gilt es, Kompromisse zu machen“, erklärte der Diplom-Ingenieur. Bisher sei es stets gelungen, mit dem Denkmalschutz zu einer für alle Seiten zufriedenstellenden Lösung zu kommen.

Inzwischen haben sich die Baufirmen bis in den Dachstuhl vorgearbeitet. Teilweise sind die dunkelblauen Dachziegel entfernt worden, auch altes Gebälk wird durch neues Holz ergänzt. Hinterher, wenn alles wieder dicht ist und auf der Rückseite sogenannte Fluchtbalkone eingebaut sind, wird das Dach mit roten Ziegeln eingedeckt, so wie es früher einmal aussah.

Bis zum Jahresende möchte Helmut Hettwer den Umbau des Quakenbrücker Bahnhofsgebäudes abgeschlossen haben. So wie die Arbeiten bisher vorangekommen sind, stehen die Chancen gut.


Wer seit dem Beginn der Umbau- und Sanierungsarbeiten mehrfach die Lust verspürte, einen Blick in das Gebäude zu werfen, sollte sich den 27. Juli notieren. An diesem Sonntag ab 13 Uhr gibt es einen Tag der offenen Tür. Diesen Termin hat die Office Center Quakenbrück GmbH & Co. KG mitgeteilt. Sie ist Eigentümerin des Bahnhofs und hat nach eigenen Angaben den Großteil der neuen Büroflächen bereits vermietet. Angetan vom Charme des Gebäudes sind auch die künftigen Mieter, wie eine Nachfrage des „Bersenbrücker Kreisblattes“ ergab. Dazu gehört die DB-Agentur Quakenbrück von Nadine Brackmann, die dort nagelneue Geschäftsräume beziehen wird. Von Essen i.O. in den Quakenbrücker Bahnhof zieht Kommunikationstrainerin Kirsten Germann, die „auf ideale Räume in einer außergewöhnlichen Location“ aufmerksam geworden war. Auch das Quakenbrücker Steuerberatungsbüro Zinn und Schuster entschied sich auf der Suche nach größeren Räumen für den Bürobahnhof. Weitere Mieter sind die Psychotherapeutische Praxis Hobbjes und Schmees und die Firma Curryfuxx Systemgastronomie, die von Matthias Kaufmann geführt wird.

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