Ein Blick ins Fotoalbum Artländer Kandidaten im Porträt: Claus Peter Poppe

Von Christian Geers


Quakenbrück. Amerika gilt in den 1950er- und 1960er-Jahren als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Auch auf Claus Peter Poppe üben die USA eine gewisse Faszination aus. Zweimal ist er in seiner Jugend dort zu Gast: 1964/65 als Austauschschüler, Anfang der 1970er-Jahre noch einmal als Student. Doch seine Sicht auf die Vereinigten Staaten ändert sich.

Lohne ist in den 1950er-Jahren ein beschauliches Städtchen im Oldenburger Münsterland. In diesem Landstrich im Nordwesten Niedersachsens hat die CDU eine Hochburg, die Mehrheit der Menschen ist katholisch. Hier wächst Claus Peter Poppe mit seinem Bruder und den Eltern auf. Die Familie wohnt „mitten in Lohne, direkt im Schatten von St. Gertrud“ über der Filiale der Landessparkasse zu Oldenburg, die sein Vater leitet.

An seine Kindheit erinnert sich Poppe gerne. Streng katholisch geht es in der Knabenschule zu. 40 Jungen müssen vom Lehrer gebändigt werden. Poppe ist einer der kleineren Schüler in der Klasse. Doch unter die Räder kommt er deshalb keineswegs, er weiß sich durchzusetzen. „Ich hab mir immer starke Freunde gesucht“, sagt er. Nach der Schule sind die Gärten, der Burgwald und die Töffelbahn, die den Torf aus dem Moor zur Fabrik transportiert, beliebte Spielplätze. Hier gibt es viele Abenteuer zu bestehen. Mit Vorliebe spielen Claus Peter Poppe und seine Freunde „Cowboy und Indianer“. Was die erleben, hat er längst in den Romanen von Karl May gelesen und begierig aufgesogen. Überhaupt: Das Lesen entwickelt sich zur Leidenschaft. Mit vier Jahren begeistert sich Poppe für den Sport im TuS Blau-Weiß Lohne. Ein Vertriebener versteht es, den Spaß am Turnsport zu wecken. Später kommen Handball und Fußball dazu.

Als Gymnasiast hat Claus Peter Poppe 1964 die Chance, für ein Jahr als Austauschschüler in die USA zu gehen. Es ist die Zeit großer Amerika-Begeisterung in Deutschland. „Das Land galt damals als demokratisches Vorbild.“ Nicht zuletzt ist es der Besuch John F. Kennedys in Berlin, der Poppe begeistert. „Lässigkeit und Großzügigkeit der Amerikaner“ fallen ihm bei seinem ersten Amerika-Aufenthalt auf.

Nach seiner Rückkehr macht Poppe in Vechta das Abitur, geht zum Studium nach Göttingen. Seine Vorliebe für Deutsch und Sport macht er zum Beruf und wird Lehrer. In Deutschland sorgt die „68er-Bewegung“ für Schlagzeilen, und Claus Peter Poppe ist als Student in der Universitätsstadt mittendrin. „Das war eine wilde Zeit“, blickt er auf die vielen Proteste von Studenten und Bürgerrechtsbewegungen zurück. „Aber sie war notwendig, um sich von der Adenauer-Ära abzunabeln.“ Zu den „besinnungslosen Revoluzzern“ gehört der Student aus Lohne nicht. Vielmehr entwickelt sich ein differenzierter Blick auf die Welt – und auch auf Amerika.

1970/71 zieht es Claus Peter Poppe wieder in die USA. In Austin/Texas absolviert er ein Studienjahr. Doch sein Urteil über den großen Bruder Amerika fällt nicht mehr so begeistert aus. Kritisch blickt er auf die US-Intervention in Vietnam. Mit seinen Mitstudenten versteht er sich aber prächtig, mit einem Fußballteam geht er als texanischer Meister in die Chronik der Universität ein. Dennoch: „Ich konnte mir nicht vorstellen, dort auf Dauer zu leben.“ Die Beziehung zu Amerika reißt – trotz aller Distanz – bis heute nicht ab.

Zurück in Deutschland, unterstützt Poppe die Politik von Willy Brandt, der SPD-Kanzler begeistert ihn, 1975 wird er Parteimitglied. Poppes politische Position bleibt daheim in Lohne nicht unentdeckt. „Ich habe mich da mit Bart und bunten Hemden wie ein Exot gefühlt“, sagt Poppe. Doch Kirche und SPD sind kein Widerspruch: Ums Soziale geht es schließlich in beiden Institutionen. „Es hat mich gereizt, solche Scheingegensätze zu überwinden.“

Zurück in Lohne, unterrichtet Claus Peter Poppe , inzwischen Studienrat, am Gymnasium. 1975 beginnt er dann mit 27 Jahren seine kommunalpolitische Laufbahn.


Am 25. Mai wählen die Einwohner der Samtgemeinde Artland einen neuen Bürgermeister. Der bisherige Amtsinhaber Reinhard Scholz (CDU) will Bürgermeister der Stadt Melle werden.