Erinnerung an jüdisches Leben 20 weitere Stolpersteine in Quakenbrück verlegt

Von Alexandra Lüders

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Quakenbrück. Der Kölner Künstler Gunter Demnig war zum zweiten Mal zu Gast in der Burgmannsstadt, um 20 Stolpersteine vor sechs Häusern zu verlegen. Sie erinnern an jüdische Mitbürger, die während der NS-Zeit Opfer von Vertreibung und Flucht geworden sind und die in diesen Häusern ihren letzten selbstbestimmten Wohnort hatten.

Bei der Verlegung waren neben den Paten der Steine – heutige Hausbewohner – Vertreter der Stadt sowie Schüler des Artland-Gymnasiums vor Ort. 2011 sind bereits 19 Steine vor sieben Häusern installiert worden.

Es ist noch kalt, als Gunter Demnig in Quakenbrück an der Gartenstraße eintrifft. Hier wartet Klaus Blonske vom städtischen Bauhof bereits mit den Arbeitsmaterialien auf ihn. Die Aktion kann am Haus von Karen und Hans-Peter Mielke beginnen. „Wir wissen aus eigenen Recherchen und von Nachbarn, dass unser Haus früher der sechsköpfigen Familie Hirsch gehört hat. Wir sind froh, dass alle überlebt haben“, erzählt Karen Mielke, die angesichts der Namensgleichheit von Ruth Hirsch und ihrer Mutter gerührt ist. Sie kniet nieder, um die Daten der Familie Hirsch zu betrachten.

Mit dem Auflassen von zehn weißen Tauben will auch ihr Mann Hans-Peter ein symbolisches Zeichen für die Familie Hirsch setzen, die 1927 ihr Haus hier erbaut hat. Weitere Stolpersteine aus Messing werden für die Familien Reinsberg an der Bahnhofstraße 38, Kosses an der Wilhelmstraße 28, Hirschberg an der Kreuzstraße 4, Cohen an der Farwicker Straße 20 und für Benno Frank an der Goldstraße 16 verlegt. Große Anteilnahme zeigte auch der 78-jährige Fritz Cohen, der 1938 mit seiner Familie nach Holland geflohen war, dort versteckt den Krieg überlebt hatte und nun extra zur Aktion angereist war.

„Wir wollen in Quakenbrück nicht vergessen, dass es hier eine lange jüdische Tradition gab. Ich möchte allen ans Herz legen, sich mit dem Schicksal der Familien auseinanderzusetzen“, erklärte Bürgermeister Claus Peter Poppe. Mit der Steinverlegung sei der Erinnerungsprozess aber noch nicht beendet. Die Stadt wolle ein Infoblatt vorbereiten, damit Einwohner und Besucher die Steine besser finden und verstehen könnten. „Dass so viele Paten die Kosten für die Stolpersteine übernommen haben, ist für uns ein Zeichen dafür, dass die Bevölkerung die Aktionen gut angenommen hat“, so Bürgermeister Claus Peter Poppe in seiner Ansprache, in der er auch Renate Rengermann und Peter Hohnhorst für ihr Engagement dankte.

„Alle Menschen, für die heute verlegt Steine verlegt werden, haben Flucht und Vertreibung überlebt. Sie konnten ihren Verfolgern gegen zum Teil hohe Summen nach Südafrika, USA und Palästina entfliehen“, so Renate Rengermann. Auf besonderen Wunsch informierte sie zudem über die familiären Hintergründe. An der Bahnhofstraße 38 erinnerte die Autorin des Buches „Sag mir, wo die Juden sind“ an einen früheren Davidstern über dem Eingang. Vor den jeweiligen Häusern verlasen zudem Schüler der Klassen 10b/c Biografien der jüdischen Familien. „Das Schicksal der jüdischen Einwohner ist für uns durch die Stolpersteine gut nachvollziehbar. Man darf es auf keinen Fall vergessen oder verdrängen“, so die Jugendlichen.


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