Vortrag an der Artland-Akademie Antworten auf Fragen des Friedens in Quakenbrück

Keine Freundin von leichtfertigen Schlussfolgerungen: Siegrid Westphal erklärte, dass sich ein Friede schwer mit einem anderen vergleichen lässt. Foto: Ulrike HavermeyerKeine Freundin von leichtfertigen Schlussfolgerungen: Siegrid Westphal erklärte, dass sich ein Friede schwer mit einem anderen vergleichen lässt. Foto: Ulrike Havermeyer

Quakenbrück. Nein, eine Freundin oberflächlicher Vereinfachungen ist sie nicht. Gern hätten ihre Zuhörer ein universelles Patentrezept für den schnellen Frieden zwischendurch mit nach Hause genommen, aber Professor Siegrid Westphal, Dozentin für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Uni Osnabrück, erläuterte den Gästen der Artland Akademie Quakenbrück, wie schwer sich ein Frieden mit dem anderen vergleichen lässt. Jede Verständigung hat ihre eigenen Gesetze. Am Beispiel des „Westfälischen Friedens“ zeigte die Historikerin, welche Umstände vor mehr als 350 Jahren dazu beigetragen haben, einen langen Krieg zu beenden.

30 Jahre lang – von 1618 bis 1648 – kämpften Katholiken und Protestanten von Schweden bis Österreich, von Spanien bis Böhmen erbittert gegeneinander. Es ging dabei nicht allein um die richtige Religion, sondern auch um die politische Vorherrschaft in Europa. „Die Gemengelage der Kriegsmächte und ihrer Verbündeten ist kompliziert und komplex“, erklärte Siegrid Westphal ihren Zuhörern. Außerdem lassen sich das Machtverständnis von Kaiser und Reichsständen, Fürsten, Kurfürsten und Grafen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, die Befindlichkeiten der Soldaten und Söldner sowie die Lebensumstände der Untertanen mit dem modernen Denken von heute kaum noch erfassen.

Rund fünf Jahre lang – während auf den Schlachtfeldern weiter gekämpft wurde – verhandelten die kriegsführenden Mächte in Osnabrück und Münster, bis sie schließlich den lang ersehnten „Westfälischen Frieden“ beschlossen. Was bereits die Zeitgenossen im 17. Jahrhundert als „Weltwunder von Westfalen“ bezeichneten, taugt auch heute noch für Rekorde: „Die Gespräche, die zum Westfälischen Frieden führten, gelten bis heute als die längsten ununterbrochenen Friedensverhandlungen“, erläutert Siegrid Westphal den Gästen der Artland Akademie . Wegen der unterschiedlichen miteinander verzahnten Konflikte, für die es Lösungen zu finden galt, bezeichnen die Forscher das Ereignis noch immer als den „Kongress der Superlative“.

Doch welchen glücklichen Umständen verdankten die Menschen damals den Frieden? Und könnte man nicht doch – ganz vorsichtig und unter Vorbehalt – zumindest einige dieser Faktoren auf den ein oder anderen aktuellen Konflikt übertragen? Siegrid Westphal ist Wissenschaftlerin – und als solche ist sie vor allem eines: skeptisch. Sie präsentiert das Bildnis eines dunkel gelockten Mannes mit strengem Blick. „Könnten Sie sagen, wer das ist?“ Ausweichendes Gemurmel im Saale. „Sehen Sie – das ist zum Beispiel so ein Punkt: Da müssen wir umdenken.“ Denn einen Feldherrn wie Wallenstein kenne fast jeder – einen überaus einfluss- wie auch erfolgreichen Friedensverhandler wie den Kaiserlichen Gesandten Graf Maximilian von Trauttmansdorf und Weinsberg aber, über den wisse man gemeinhin viel zu wenig. So viel zu den Prioritäten unserer Wahrnehmung.

Doch um dem Publikum keine Antwort schuldig zu bleiben, verriet die Referentin den Gästen der Artland Akademie natürlich doch noch, was zumindest vor rund 350 Jahren das Friedenschließen in Europa begünstigt hat: Erstens: „Der Frieden wurde auch damals von allen als Grundnorm zwischen den Staaten und im Staat selbst angesehen“, führte Westphal aus. „Der Krieg war ein Ausnahmezustand mit dem Ziel, wieder einen Frieden herzustellen.“ Zweitens: „Es gab Friedensmodelle wie den Augsburger Religionsfrieden, die als Maßstab und Orientierung galten und auf deren fundamentale Regelungen man zurückgreifen konnte.“ Drittens: „Die Macher des Friedens gehörten zur politischen und gelehrten Elite ihrer Zeit, die gemeinsame Wertvorstellungen vertraten und nationale Stereotype überwinden konnten.“ Viertens: „Vielleicht der wichtigste Faktor: der unbedingte Wille zum Frieden.“ Denn in der Schlussphase der Verhandlungen war den Beteiligten wohl klar, dass sie nicht alle bestehenden Konflikte würden lösen können. Die Sehnsucht nach Frieden und die Erschöpfung vom Krieg überwogen schließlich.


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