Wichtig für Hochwasserschutz Artländer Melioration erneuert Schleuse in der Hase

Von Christian Geers


Quakenbrück. Die Tage der „Roten Schleuse“, auch Schleuse 3 genannt, nahe dem Bootshaus an der Hase sind gezählt: Noch vor Weihnachten soll das Hasewasser durch ein neues Schleusenbauwerk strömen, an dem zurzeit gebaut wird. Dazu sind die drei tonnenschweren Betonteile im Hasebett versenkt worden.

Als ein Autokran die drei Betonteile binnen zwei Stunden nach und nach an den Haken nimmt und im trockengelegten Hasebett absetzt, blicken nicht nur Henner Wierper, Verbandsvorsteher der Artländer Melioration, und Georg Lucks, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes (U97) „Mittlere Hase“, zufrieden in die Baugrube. Nach Jahren der Planung gibt es nun endlich einen Ersatz für die Schleuse, „die für den Hochwasserschutz der Stadt Quakenbrück unverzichtbar ist“, wie Lucks betont. Das 1910 in Dienst gestellte Bauwerk ist in einem Zustand, den der Diplom-Ingenieur mit „bedenklich und sanierungsbedürftig“ beschreibt. Einem Hochwasser würde es wohl kaum mehr standhalten können, weiß er.

Bis aber die Bauarbeiter endlich anrücken konnten, vergingen einige Jahre. Auch ein Landesminister schaute sich hier unweit des Hase-Überfalls um. Für Letzteren ist inzwischen mit der Sohlengleite eine Lösung gefunden worden. Aber für besagte „Rote Schleuse“ gestaltete sich die Angelegenheit etwas schwieriger, wie Lucks anmerkt. „Wir haben mehrere Varianten durchgespielt. Die günstigste Lösung ist ein Neubau.“

Während das Land Niedersachsen den Bau der Sohlengleite finanzierte, muss die Artländer Melioration diese rund 200000 Euro teure Investition alleine stemmen. „Um Landesmittel haben wir uns vergeblich bemüht“, bedauert der Geschäftsführer. Finanzielle Unterstützung erhält die Artländer Melioration aber von der Stadt Quakenbrück, die an einem funktionierenden Hochwasserschutz ein großes Interesse hat: Nasse Füße sollen die Städter schließlich nicht bekommen: Im Hochwasserfall sollen maximal fünf Kubikmeter Hasewasser pro Sekunde durch das Stadtgebiet geleitet werden, 55 Kubikmeter pro Sekunde aber von der „Gehobenen Hase“ in die „Kleine Hase“ gelenkt werden.

Immerhin, das lobt auch Henner Wierper, Vorsitzender der Artländer Melioration, sei es gelungen, gleich nach Fertigstellung der Sohlengleite mit dem Schleusenneubau zu beginnen. „Wir haben Synergieeffekte genutzt“, sagt er: Die Planung übernahm der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), um den fachgerechten Einbau der 30 bis 40 Tonnen schweren Bauteile kümmerte sich die Firma Peters aus Vrees, die auch die Sohlengleite baute.

Die neue Schleuse unterscheidet sich in der Bauweise von ihrem Vorgängerbau, der gut 50 Meter entfernt steht: Das Wehr ist vor hundert Jahren aus Beton und Backsteinen gebaut worden, die neue Konstruktion besteht aus reinem Beton. Während die Tore der alten Schleuse von Hand bedient werden mussten, werden die Klappen des Neubaus direkt von der NLWKN-Betriebsstätte am Alfsee ferngesteuert: Ein Knopfdruck reicht aus.

Noch vor Weihnachten soll der Neubau fertig sein. „Dann wird auch die ‚Rote Schleuse‘ abgerissen“, kündigt Georg Lucks an.


Die Artländer Melioration ist ein Wasser- und Bodenverband. Der Zusammenschluss der Grundstückseigentümer legte seit der Wende zum 20. Jahrhundert landwirtschaftliche Flächen im sumpfreichen Artland trocken und kümmerte sich um den Schutz vor Hochwässern aus der Hase. Die Artländer Melioration schuf dazu ein aufwendiges System vom Kanälen, Gräben und Schleusen zur Be- und Entwässerung, in Spitzenzeiten hielten bis zu 70 Schleusenwärter dieses System in Gang. Mittlerweile ist das System weitgehend zurückgefahren. Wie andere Wasser- und Bodenverbände beschränkt sich die Melioration darauf, die Entwässerung für die Verbandsflächen durch sogenannte Gewässer III. Ordnung sicherzustellen.