Freitagabend Pastor plant Gothic-Gottesdienst in Nortrup

Von

Zu einem Gottesdienst für die Gothic-Szene lädt Jugendpastor Uwe Brand am Freitag, 8. November, in Nortrup ein. Foto: Archiv/Michael HehmannZu einem Gottesdienst für die Gothic-Szene lädt Jugendpastor Uwe Brand am Freitag, 8. November, in Nortrup ein. Foto: Archiv/Michael Hehmann

epd/ms Nortrup. Erstmals in Norddeutschland lädt ein Pastor die Gothic-Szene in einen Gottesdienst ein. Berufsschulpastor Uwe Brand wird ihn am Freitag, 8. November, in der Dorotheen-Kirche in Nortrup-Loxten leiten.

Es werde eine eigens installierte Lichtshow, Musikvideos, Gedichtlesungen, kurze Theaterszenen, aber auch eine Predigt geben, sagte Brand. Er sei durch Zufall auf die Gothic-Szene gestoßen und habe festgestellt, dass sie häufig verkannt werde: „Das sind Menschen, die Antworten suchen auf religiöse Fragen. Damit haben sie ein Recht, in unserer Kirche vorzukommen.“

Die Gothic-Kultur ist Anfang der 1980er Jahre aus der Punk- und Wave-Szene hervorgegangen. Ihre meist schwarz gekleideten und weiß geschminkten Anhänger mit Piercings oder besonderer Haartracht mögen spezielle Musik, den Gothic Rock, und beschäftigen sich mit Tod und Vergänglichkeit.

Die vorherrschenden Farben im Gottesdienst werden schwarz und weiß sein, wie es in der Szene üblich sei, sagte Brand. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn werde Orgelmusik einsetzen, die später durch Bandmusik von der DVD abgelöst werde. Nebel werde über den Fußboden wabern. Grableuchten wiesen den Weg in die Bänke und zum Altar. Den schmückten weiße Lilien. „Das ist der ungewöhnlichste Gottesdienst, den ich bisher geplant habe, und das bisher größte Experiment“, sagte Brand. In der Nortruper Kirche habe er aber schon Heavy-Metal- oder Rock-Gottesdienste gefeiert. Der Kirchenvorstand habe den Gothic-Gottesdienst einstimmig genehmigt. Superintendent Hans Hentschel unterstütze das Projekt.

Ein Schüler der Berufsbildenden Schulen Bersenbrück habe ihn auf die Idee gebracht, erläuterte der Pastor weiter. Er habe auf eigene Initiative im Religionsunterricht ein Referat gehalten über die Szene, der er selbst angehöre. „Danach musste ich meine eigenen Ansichten revidieren“, gab Brand zu.

Die Szene werde häufig fälschlicherweise mit Satanismus und Exorzismus in Verbindung gebracht. Die Anhänger seien aber oft sehr romantisch, legten viel Wert auf ihre Kleidung mit Rüschen, Korsagen, altertümlichen Hüten und Jacken. Sie lehnten die Konsum- und Spaßgesellschaft ab und suchten nach Alternativen. „Viele sind religiös, lehnen aber die Kirche erst mal ab.“

Bei seinen Recherchen ist der evangelische Theologe nach eigenen Angaben auf ähnliche Projekte in Leipzig und München gestoßen. Er könne sich vorstellen, demnächst einmal pro Jahr einen solchen Gottesdienst anzubieten.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN