Noch ist nicht alles optimal Integrationshelferin in Kettenkamp

Von Cristina Schwietert

<em>Integrationshelferin Isabelle Heyer</em>, hier im Bild mit Eva, sorgt dafür, dass ihr Schützlinge gut durch den Schulalltag kommen. Foto: Cristina SchwietertIntegrationshelferin Isabelle Heyer, hier im Bild mit Eva, sorgt dafür, dass ihr Schützlinge gut durch den Schulalltag kommen. Foto: Cristina Schwietert

Kettenkamp. Isabelle Heyer ist eine schlanke junge Frau in gelben Jeans und schwarzem Pulli. Wir sind in der Kettenkamper Keding-Grundschule. Vierte Stunde - Sport für die 1a. Dreizehn Schülerinnen und Schüler füllen die Halle mit ihrem fröhlichen Lärm, die meisten davon Jungs. Fußball ist angesagt und Isabelle Heyer legt los.

Es gibt großes Fußball-Kino in der kleinen Turnhalle der Kettenkamper Schule. Unter lautem Geschrei der Erstklässler dribbelt die junge Frau den Ball mit atemberaubender Geschwindigkeit zwischen all den kleinen Beinen hindurch zum Tor. Auch Arne, Eva und Lucas versuchen mitzuhalten, lachen, schreien wie die anderen und laufen so gut es geht mit. Sie sind glücklich.

Mit Arne und Eva ist Isabelle Heyer eine Viertelstunde früher aus dem Deutschunterricht über den Schulhof in die Turnhalle gegangen. „Sie sollen lernen sich alleine umzuziehen - das dauert eben länger als bei ihren Mitschülern“, erklärt sie mir. Denn Eva, Arne und auch Lucas sind in ihrer geistigen Entwicklung zurückgeblieben. Die drei sind auf Wunsch ihrer Eltern in der 1a der Kettenkamper Keding-Grundschule. Zusammen mit ihrer Klasenlehrerin, Claudia Rottmann, bilden die dreizehn Kinder eine Integrationsklasse, sozusagen den Vorläufer der Inklusion, die im kommenden Schuljahr in ganz Niedersachsen eingeführt werden wird.

Isabelle Heyer, die Integrationshelferin, begleitet die drei in ihrem Schulalltag, holt Arne morgens von zu Hause ab und bringt ihn wieder hin - kurzum sie sorgt dafür, dass ihre Schützlinge den Morgen gut überstehen. Fachlich werden Eva, Arne und Lucas begleitet von Sandra Bohnert, Förderschullehrerin der Hasetalschule aus Quakenbrück. Fünfzehn Stunden pro Woche verbringt sie in der 1a und ist so in der Lage, Arne, Eva und Lucas individuell zu fördern und differenziert zu unterrichten. Im Deutschunterricht zum Beispiel gibt es für alle die gleiche Kost, aber auf unterschiedlichem Niveau. Die zehn Regelschüler arbeiten an ihrem Wochenplan und üben Lesen, auch die drei anderen üben Lesen mit Sandra Bohnert, der Förderschullehrerin, unterstützt von Isabelle Heyer. Sie sind mächtig stolz, dass Eva seit dieser Woche schon zweisilbige Wörter lesen kann.

Die drei haben ihre Lernsequenz geschafft, sie gehen zurück an ihr Tische und zu ihren Nachbarn. Nun soll auf einem Arbeitsblatt mit vielen Buchstaben das ‚L‘ eingekreist werden, von allen Kindern. Arne kann das nach anfänglicher Unterstützung ganz gut alleine. „Der macht ja das Gleiche wie wir“, ruft sein Tischnachbar Niklas. In der folgenden Mathematikstunde hilft er Arne bereitwillig, ohne dass ihn jemand darum bitten muss.

„Für Niklas ist der Schulalltag mit Arne und den beiden anderen völlig normal“, sagt Claudia, seine Mutter. Schon im Kettenkamper Kindergarten seien sie zusammen gewesen. „Das hier ist soziales Lernen, ohne dass es großer Maßnahmen bedarf“, lautet ihr positives Fazit.

Es herrscht ein für eine erste Klasse erstaunlich positives Klassenklima. Das Miteinander zwischen den Kindern mit Beeinträchtigungen und denen ohne klappt im Schulalltag gut. Das stellt auch Arnes Vater Jörg fest, der dafür gekämpft hat, dass sein Sohn an der Kettenkamper Keding Grundschule lernen kann. „Wir wollten, dass er sein vertrautes Umfeld behält. Arne ist hier im Kindergarten auch schon in der Integrationsgruppe gewesen. Alle kennen ihn – er ist beliebt. Außerdem wäre er in der Förderschule den ganzen Tag weg –das wollen wir nicht.“

Das soziale Miteinander und – in Grenzen – gemeinsames Lernen, das geht gut in der 1a. Doch kommt in den Augen der Lehrerinnen für die drei behinderten Kinder auch einiges zu kurz im Schulalltag: „In der Grundschule gibt es kaum Zeit zum Erlernen lebenspraktischer Fähigkeiten, da der Unterricht sehr viel kürzer ist (20 Unterrichtsstunden, statt 36)“, sagt Förderschullehrerin Sandra Bohnert und fügt hinzu, die Rahmenbedingungen seien noch nicht optimal für alle Kinder - das müsse sich erst noch einspielen.