Aufführung des Kulturringes „Romeo und Julia“ ziehen Quakenbrücker Publikum in ihren Bann

Von Bernard Middendorf

Beichtvater und Verbündeter: Der Mönch Lorenzo beschafft Julia den Schlaftrunk. Foto: Bernard MiddendorfBeichtvater und Verbündeter: Der Mönch Lorenzo beschafft Julia den Schlaftrunk. Foto: Bernard Middendorf

Quakenbrück . Da hat der Kulturring Quakenbrück ins Schwarze getroffen – mitten in Herz und Gefühl des Publikums. Ein Klassiker aus dem 16. Jahrhundert in neuzeitlicher Fassung, vertraute Protagonisten in modernem Outfit – kann das gutgehen? Und ob: Dank mitreißender Schauspielkunst wurde das Ensemble Persona aus München mit dem unsterblichen Liebespaar aus Shakespeares’ Drama „Romeo und Julia“ mit Beifall überschüttet.

  Die Handlung dürfte den meisten in der Aula des Artland-Gymnasiums bekannt gewesen sein, aber das „Neue“ weckte Neugier. Wer erwartet hatte, dass auch die Texte aktualisiert wurden, sah sich angenehm enttäuscht. Regisseur Tobias Maehler – der auch Julias Vater spielte – verstand es, vertraute Dramaturgie und ungewöhnliche Darstellungsformen bis zu Verfremdungseffekten miteinander zu verknüpfen. Nur die bei Shakespeare unvermeidlichen Zoten hätte man vielleicht nicht ausgerechnet in ordinäre Blondinenwitze umsetzen müssen.  

So starteten die Schauspieler häufig aus dem Dunkel zwischen den Tribünen, holten die „Komparsen wider Willen“ dort ab und zogen sie geschickt mit in die Handlung hinein. Das ließ das Publikum mitfiebern und führte zu ständiger Bewegung sowohl im Parkett als auch auf und vor der Bühne. Zehn zuvor handverlesene Freiwillige, die später für eine Feierszene die Kulisse bilden sollten, trugen dazu bei, dass zeitweise gar heitere Stimmung aufkam in dieser tödlich endenden Tragödie.

Dichte und Intensität nimmt zu

Die schauspielerischen Leistungen nahezu aller Darsteller waren faszinierend. Das Geschehen auf der Bühne nahm an Dichte und Intensität immer mehr zu. Romeo und Julia selbst – obwohl sehr kurzfristig eingesprungen – spielten ihre Rollen ebenso hinreißend wie der arrogante Nebenbuhler, Julias Vater als überstrenges, ja unerbittliches Familienoberhaupt oder der gutmütige Bruder Lorenzo als Beichtvater und Verbündeter. Für gelegentliches Lachen sorgten nur die Amme mit ihrem losen Mundwerk und ein brillanter „Hofnarr“.

Dass die Spannungskurve im Parkett permanent anstieg, war förmlich spürbar. „So mucksmäuschenstill war es noch nie“ machte ein Stammbesucher hinterher dem Ensemble ein großes Kompliment. Das Publikum verfolgte erschüttert, wie Romeo aus Verzweiflung über die scheinbar tote Geliebte das Giftfläschchen leert. So mancher hätte sich vielleicht gewünscht, dass die Regie ausnahmsweise Gnade walten und Julia rechtzeitig erwachen lässt. „Ich bin noch ganz aufgewühlt““, sagte eine ältere Zuschauerin lange nach dem letzten von vielen Vorhängen.


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