1,4 Millionen Euro vom Land DIL in Quakenbrück forscht zu Mikroplastik in Lebensmitteln

Bislang ist noch wenig darüber bekannt, wie Mikroplastik in Lebensmittel gelangen und welche gesundheitlichen Auswirkungen es hat. Symbolfoto: dpaBislang ist noch wenig darüber bekannt, wie Mikroplastik in Lebensmittel gelangen und welche gesundheitlichen Auswirkungen es hat. Symbolfoto: dpa

Quakenbrück. Mit einer Summe von 1,4 Millionen Euro fördert das Land Niedersachsen im Etat 2020 ein Forschungsprojekt am Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) in Quakenbrück. Das haben die Landtagsabgeordneten Christian Calderone (CDU) und Guido Pott (SPD) mitgeteilt.

Quakenbrück 

Wie Calderone in einer Pressemitteilung erklärt, werde mit der Forschungssumme, die über den Haushalt des Umweltministeriums aus Beschluss des Landtages bereit gestellt wird, die Erforschung von Mikroplastik in Lebensmitteln finanziert. Calderone hat gemeinsam mit Martin Bäumer, Umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, das DIL besucht und die gute Nachricht, persönlich überbracht.

Foto: Wahlkreisbüro Calderone

Das Thema Mikroplastik begleite seine Fraktion schon seit Jahren, so Calderone. „Durch die neue Forschungsmaßnahme, die beim DIL sehr gut platziert ist, kann nun Licht in die Frage gebracht werden, durch welche Prozesse möglicherweise Mikroplastik in Lebensmitteln gelangt.“ Ziel sei es, basierend auf den Forschungsergebnissen, den Eintrag von Mikroplastik zu minimieren.

Guido Pott informierte sich gemeinsam mit Samtgemeindebürgermeister Claus Peter Poppe in einem Gespräch mit Dr. Andreas Juadjur, Leiter des Bereichs Chemische Analytik des DIL, über die Pläne zur Verwendung der Fördermittel und bekam Einblicke in die Forschungsmethik. „Dr. Juadjur hat uns hier und heute bestätigt, was auch im Zuge der parlamentarischen Beratungen bereits deutlich geworden ist: Es fehlt an ausrei-chenden und gesicherten wissenschaftlichen Daten über die gesundheitlichen Folgen von Mikroplastik in Lebensmitteln. Deshalb ist es ganz entscheidend, dass wir mit der vereinbarten Förderung des DIL - im Sinne der Gesundheit der Menschen - einen Beitrag dazu leisten, die bestehenden Forschungslücken schnellstmöglich zu schließen und damit eine Grundlage zur Risikobewertung schaffen“, erläutert der SPD-Abgeordnete. in einer Pressemitteilung.

Wie Clemens Hollah vom DIL im Gespräch mit Calderone und Bäumer hervorhob, sei das Thema brandaktuell. Es bewegen laut einer aktuellen Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung. Aus einer ungeklärten Datenlage insbesondere aufgrund fehlender Diagnostik gebe es aktuell keine Aufklärung und Beseitigung ungeklärter Kontaminationswege. „In dieses Daten- und Forschungslücke kann das DIL aufgrund der Landesförderung nun vordringen und für Verbraucher und Industrie Aufklärungsarbeit betreiben.“

Als Mikroplastik werden feste und unlösliche synthetische Polymere (Kunststoffe) bezeichnet, die kleiner als fünf Milimeter sind. Generell werden dabei zwei Arten von Mikroplastik unterschieden. Als primäres Mikroplastik werden feine Kunststoffpartikel bezeichnet, die von der Industrie extra zum Zweck der Weiterverarbeitung hergestellt werden und sich unter anderem in Kosmetikprodukten oder Waschmitteln befinden. Sekundäres Mikroplastik wiederum entsteht durch den Zerfall größerer Kunststoffteile durch Alterungs- und Zerfallsprozesse. Laut einer Studie des Frauenhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik werden in Deutschland jährlich pro Kopf durchschnittlich rund 5,4 Kilogramm Mikroplastik freigesetzt.

Von Dr. Ute Bindrich, DIL-Leiter Dr. Volker Heinz und Dr. Andreas Juadjur ließen sich Guido Pott und Claus Peter Poppe (von links) vor dem PC von Frank Herkenhoff (vorne) erklären, wie die Landesmittel für das Forschungsprojekt eingesetzt werden sollen. Foto: Büro Pott

„Mikroplastik gelangt nicht nur in unsere Abwässer, sondern wird auch von uns Menschen über die Nahrung aufgenommen“, erklärte Guido Pott. „mit der Förderung des DIL leisten wir in Niedersachsen einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der Forschung über die Wirkung und Folgen von Mikroplastik für den menschlichen Organismus und sorgen für eine wissenschaftlich fundierte Handlungsgrundlage für weitere Maßnahmen auf der politischen Ebene. Ich bin stolz darauf mit dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik einen Leuchtturm der Forschungslandschaft in der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft in unserer Region zu wissen, dessen hohes Renommee weit über die Grenzen des Landkreises Osnabrück hinausgeht.“

Christian Calderone freute sich als örtlicher Landtagsabgeordneter und Aufsichtsratsmitglied des DIL über die Landesmittel. Das Land signalisiere mit der Förderzusage auch seine grundsätzliche Unterstützung für den Forschungsstandort Quakenbrück. Der Quakenbrücker hob auch die positive Rolle des Landes bei der Errichtung eines Studienganges zur Lebensmittelforschung am DIL hervor. Hier sei bei einem Besuches von Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) eine sehr gute Kooperationsvereinbarung mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Universität und Hochschule Osnabrück und der Uni Vechta erarbeitet worden. „Quakenbrück und die gesamte Region können sich freuen auf den Beginn des Studienganges im Artland.“ Dies stärke auch die Bedeutung Westniedersachsens als Zentrum der Lebensmittelproduktion und -verarbeitung.“


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