Im Zweifel für den Hund Hundeprofi Martin Rütter fordert "Freispruch" in Quakenbrück

Von Bjoern Thienenkamp

Rütters Hündin Emma ist bei der Show stets dabei – zumindest eine menschengroße Puppe des Mischlings aus Terrier und Australian Shepherd. Foto: Björn ThienenkampRütters Hündin Emma ist bei der Show stets dabei – zumindest eine menschengroße Puppe des Mischlings aus Terrier und Australian Shepherd. Foto: Björn Thienenkamp

Quakenbrück. „Freispruch“ hatte der Hundeprofi Martin Rütter sein Programm überschrieben, das er am Freitagabend in der Artland Arena in Quakenbrück präsentierte. Den Freispruch forderte er für alle vermeintlich angeklagten Hunde, weil – wenngleich die Anschuldigungen zwar berechtigt waren – die Ursache dafür dann aber doch eher beim Menschen zu suchen war. Und so urteilte das Publikum in seiner Rolle als Geschworene dann auch – im Zweifel für den Hund.

Ein Vorfilm im Stil eines Krimis führte in das Geschehen ein: Die Kamera blieb auf dem Kriminalkommissar, der im Verhörraum auf den Verdächtigten einredete und nicht zuletzt hinsichtlich der Beweise ein Geständnis forderte. Erst als die Kamera sein Gegenüber zeigt, wurde klar, warum das keinen Mucks sagte: Es war Rütters Hündin Emma. 

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In dem Bühnenbild mit einer fast zehn Meter großen Justitia mit Emma in Menschengröße in der einen Waagschale, einem Ordnungshammer in der Größe eines Weinfasses und vier Meter hohen Paragraphenzeichen griff Rütter immer wieder zu einem ebenfalls überdimensionierten Buch, aus dem er die Anklageschrift verlas, den Namen des Hundes, Alter, Rasse und Gewicht sowie Tatvorwurf. Wie ein Anwalt der Tiere brachte Rütter den Geschworenen dann Verhaltenspsychologie näher, damit diese angemessen über „Freispruch oder Tierheim?“ urteilen konnten.

Damit ein Hund nicht etwa durch zu frühzeitiges Kramen in der Hosentasche verleitet werde, einem Rückruf zu folgen, solle erst nach dem Leckerchen gesucht werden, wenn der Hund auch wirklich „hier“ sei. Das Leckerchen sei ein Jackpot, das gezielt eingesetzt werden solle. „Männer kaufen Frauen ja auch nur deshalb selten Blumen, damit es sich nicht so abnutzt“, war das für den Dozenten klar. „Streicheln unterwegs macht keinen Sinn, das nervt nur“, empfahl Rütter, schmusen auf daheim zu beschränken. 

„Das ist Territorialaggression“, erklärte Rütter das Problem mit dem Postboten. „Der Hund hat einen Menschen gebissen“, hob er einen gravierenden Vorgang hervor, unter dem nicht nur der Postbote zu leiden habe. „Etwa 1800 Postboten werden jährlich gebissen und sind dann durchschnittlich 13 Tage lang arbeitsunfähig – das ergibt einen Schaden von elf Millionen Euro“, berichtete der Hundeprofi aus seinem Beratungsgespräch mit der Deutschen Post.

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„Die Begleithundeprüfung ist Comedy pur“, urteile Rütter, angefangen bei der diagonal zu tragenden Hundeleine. „Irgendwann kommt heraus, dass sich das Hape Kerkeling ausgedacht hat“, mutmaßte er. Ein guter Trick, damit ein Hund bei Fuß bleibe, sei eine alte Cordhose – da passe viel Leberwurst in die Rippen.

In seiner Heimatstadt fertige Rütter auch Gerichtsgutachten an, habe dann aber mal ein Schreiben erhalten, wonach ihm ja selber der Hundeführerschein fehle. Einen Fragebogen habe er mit dem Hinweis zurückgeschickt, der Leinenruck dürfe nicht als richtig anzukreuzen sein, weil er doch gegen den Tierschutz verstoße. 18 Monate später habe er die Mitteilung erhalten, bestanden zu haben. Seinen Kampf gegen Paragraphenreiter wolle er jetzt bei RTL mit seiner neuen Sendung „Rütter reicht’s!“ fortführen.

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„Schwanzwedeln bedeutet Erregung, nicht immer Freude und Freundlichkeit“, warnte Rütter. „Beim Explorationsverhalten sind alle Kommandos gelöscht“, verglich er die auch bei Hunden auftretende Pubertät mit der seines Sohnes Marvin. Junghundegruppen würden hier nichts bringen. „Vier Monate lang keinen Hund treffen“, empfahl der Experte.

„Die Hundesprache ist international gültig“, sagte er zur Vergesellschaftung, bei der Deutscher Schäferhund und Afghane zusammen träfen: „Papua-Neuguinea trifft Quakenbrück.“ Und einen letzten Appell richtete er an seine Besucher: „Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke!“


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