Wenn der Schuh drückt Gute Aussichten für Podologen nicht nur in Quakenbrück

Von Cristina Schwietert

Anja Meyborg begutachtet als angehende Podologin den Fuß einer Patientin in der hauseigenen Ambulanz. Foto: Cristina SchwietertAnja Meyborg begutachtet als angehende Podologin den Fuß einer Patientin in der hauseigenen Ambulanz. Foto: Cristina Schwietert

Quakenbrück. Anja Meyborg aus Lindern ist 25 Jahre alt und Schülerin des ersten Ausbildungsjahres im Institut für Podologie am Christlichen Krankenhaus Quakenbrück (CKQ).

Für Meyborg ist dies nicht die erste berufliche Station. In Cloppenburg und Löningen absolvierte sie nach ihrem erweiterten Realschulabschluss bereits eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin.

Doch nach einigen Jahren im Beruf entschied sie sich, umzusatteln. „Ich habe die Krankenpflege geliebt, aber die schlechten Arbeitsbedingungen wollte ich nicht mehr mittragen. Es gab viel zu wenig Zeit für den Patienten und einen eklatanten Personalmangel, der einem das Arbeiten schwer machte.“

Anbindung der Schule an das CKQ

Nun also Podologie, die medizinische Fußpflege. Anja Meyborg gefällt die Umschulung: „Unsere Ausbildung ist doch anspruchsvoller, als ich zuerst dachte. Das habe ich trotz meiner Vorbildung unterschätzt“, gibt sie freimütig zu. „Wir Podologen sehen nicht nur die Füße des Menschen, sondern den Menschen als Ganzes, mit seiner Körperstatik, seinen Fehlstellungen und Lebensgewohnheiten – die Füße sind dabei immer im Fokus – sie müssen uns ein Leben lang tragen.“ Das unterschätzten viele Patienten.

Die Podologieausbildung läuft als schulische Ausbildung in wechselnden theoretischen und praktischen Sequenzen. „Wir bekommen Lernsituationen, zum Beispiel in Fächern wie Anatomie, Arzneimittellehre, Biomechanik, Dermatologie, Physiologie, Hygiene und vieles mehr. Praktisch arbeiten wir am Patienten in Verbindung zu diesen Lernsituationen, in denen wir Erkrankungen am Fuß ausarbeiten und das Wissen in Prüfungen unter Beweis stellen.“ Zugute kommt den angehenden Podologen die Anbindung der Schule an das CKQ mit seinem Diabetes-Zentrum.

Prüfung mit umfangreichem praktischen Teil

Bei Anja Meyborg steht in einigen Wochen die Zwischenprüfung an, die auch aus einem umfangreichen praktischen Teil bestehen wird. Ihre Berufsaussichten sind blendend: „Wir werden sozusagen aus der Ausbildung weggesaugt.“

Burkhard Bläsi ist Leiter des Instituts für Podologie sowie der dazugehörigen Ambulanz am Christlichen Krankenhaus Quakenbrück. Zurzeit befinden sich sieben Schülerinnen und Schüler in der Ausbildung zum Podologen. Sieben weitere Mitarbeiter komplettieren das Team. Das zertifizierte Institut für Podologie in Quakenbrück ist eine von vier Podologie-Schulen in Niedersachsen. Ihr großes Plus ist zudem die praktische Anbindung an das Krankenhaus samt Diabetiker-Zentrum.

„Unser Beruf ist total spannend“

„Das ist in Niedersachsen einzigartig. Bundesweit gibt es diese Konstruktion tatsächlich nur noch zweimal“, erklärt Schulleiter Bläsi. Seine Absolventen seien dann gerade in der Praxis exzellent ausgebildet. „Wer als Podologe arbeiten möchte, sollte einen offenen Charakter haben, kontaktfreudig sein, fingerfertig und geduldig. Ein Podologe sollte ein gutes Auge für die möglichen Probleme an den Füßen haben. Viele Fußprobleme sind tatsächlich auf ungünstige Lebensgewohnheiten zurückzuführen. Unser Beruf ist total spannend, wir bekommen ein direktes Feedback, wenn der Patient vom Behandlungsstuhl steigt: Manch einer kann auf einmal wieder beschwerdefrei laufen.“

Podologen haben nach den Worten des Schulleiters „sehr gute Berufsaussichten“. Es gebe einen Mangel, denn der Bedarf an podologischen Leistungen steige mit der alternden Gesellschaft ständig, und viele alteingesessene Praxen fänden keinen Nachfolger.

Das Ausbildungsjahr an der Fachschule beginnt jeweils im April und Oktober. Infos unter podologie@ckq-gmbh.de 05431/15-1911


Der Ausbildungsberuf: Daten und Fakten

Podologe wird man entweder in einer zweijährigen Voll- oder dreijährigen Teilzeitausbildung. Voraussetzung ist ein Realschulabschluss. Die Ausbildung zum Podologen erfolgt an einer Berufsfachschule. Zudem gibt es Praxisblöcke. Am Ende steht eine staatliche Prüfung.

Bislang ist Schulgeld für die schulische Ausbildung in unterschiedlicher Höhe zu zahlen, eine Ausbildungsvergütung gibt es noch nicht. Schulgeldfreiheit steht jedoch für alle nicht ärztlichen Gesundheitsberufe auf der politischen Agenda der Landesregierung in Niedersachsen.

Weitere Infos unter www.berufenet.arbeitsagentur.de

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