Sterben in Würde Wie der Hospizverein Quakenbrück Sterbende begleitet

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Der Quakenbrücker Hospizverein "Leben bis zuletzt" hat sich zum Ziel gesetzt, schwerkranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen zu begleiten. Symbolfoto: dpaDer Quakenbrücker Hospizverein "Leben bis zuletzt" hat sich zum Ziel gesetzt, schwerkranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen zu begleiten. Symbolfoto: dpa

Quakenbrück. Der Quakenbrücker Hospizverein "Leben bis zuletzt" hat sich zum Ziel gesetzt, schwerkranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen zu begleiten. Wer denkt, die Helfer werden dabei bloß mit Trauer und Kummer konfrontiert, irrt. Sie können vielmehr auch sehr positive Erfahrungen berichten.

Der Tod gehört zum Leben dazu – was auf den ersten Blick wie eine Phrase erscheint, ist beim genaueren Betrachten gar nicht so selbstverständlich. In einer Gesellschaft, in der das Sterben weitgehend tabuisiert wird und mit großen Ängsten belegt ist, wird dieser Fakt gerne beiseite geschoben und ignoriert. Die Mitglieder des Quakenbrücker Hospizvereins "Leben bis zuletzt" haben dagegen täglich mit dem Tod zu tun. Ihr Ziel ist es, sterbenden Menschen die letzte Zeit ihres Daseins so angenehm wie möglich zu gestalten.

Selbstreflexion im Vordergrund

Im Jahr 2000 entstanden, zählt der Verein mittlerweile 150 Mitglieder. 25 davon sind ausgebildete Hospizbegleiter, die Menschen begleiten, die kurz vor dem Ende ihres Lebens stehen. Auch Eva-Maria Blanke und Stephanie Lübbe haben diese spezielle Ausbildung absolviert, die rund ein halbes Jahr dauert und in der Zeit verschiedene Workshops und Seminare umfasst. 

Dabei wird den Teilnehmern nicht nur vermittelt, wie sie den Sterbenden die letzten Züge ihres Lebens so angenehm wie möglich gestalten können. Vielmehr geht es auch um Selbstreflexion. "Man setzt sich damit auseinander, wie man selbst mit Trauer und Abschied umgeht. Das ist oftmals nicht ganz einfach und kann auch sehr emotional werden", sagt Eva-Maria Blanke. Die 72-Jährige war früher Krankenschwester, ihre Erfahrungen in dem Beruf hätten sie dazu gebracht, Hospizbegleiterin zu werden. "Ich habe gesehen, wie Menschen zum Sterben praktisch abgeschoben wurden", sagt sie. Erst ab den 1980er Jahren hat sich die Hospiz-Idee hierzulande nach und nach durchgesetzt. 

Wollen den Sterbenden die restliche Zeit so angenehm wie möglich gestalten: (v.l.) Stephanie Lübbe, Eva-Maria Blanke und Anne Bröring. Foto: Lang

Seit einigen Monaten ist Anne Bröring die neue Koordinatorin des Vereins. Zuvor war sie als Krankenschwester im stationären und ambulanten Bereich sowie als Fachkraft im Palliativstützpunkt Damme tätig. Zudem hat sie viele Jahre nahe Angehörige zuhause gepflegt. Das ist mittlerweile nicht mehr alltäglich. Wie die Koordinatorin erzählt, sei das Sterben in den vergangenen Jahren zunehmend anonymer geworden. "Früherstarb man in der Familie, heutzutage ist das nicht mehr so. Oftmals wohnen die Angehörigen auch gar nicht in der Nähe", so Bröring. 

In den Pflegeeinrichtungen könne zudem das Personal oftmals gar nicht genügend Zeit aufbringen, um die Sterbenden lange zu begleiten. Deshalb versuchen die Mitarbeiter des Hospizvereins, die Menschen in Krankenhäusern, Alten- oder Behindertenheimen oder zu Hause in ihren letzten Wochen, Tagen und Stunden zu unterstützen. Mitarbeiter, Angehörige und Sterbende seien sehr glücklich über das Angebot und die Hilfe. "Es herrscht ein gutes Miteinander. Auch mit anderen Hospizvereinen aus der Umgebung haben wir einen guten Draht. Uns wird sehr viel Vertrauen entgegengebracht", so Bröring.

Vorbereitungskurs für Hospizhelfer

Im Herbst beginnt wieder ein Vorbereitungskurs für Hospizhelfer. Interessierte melden sich per Mail unter info@leben-bis-zuletzt.de.

Doch wie funktioniert das? "Die Sterbenden geben die Richtung vor. Dem haben wir Folge zu leisten", sagt Stephanie Lübbe. Jeder Mitarbeiter begleitet eine Person. Sollte diese sterben, ist eine Pause für den Hospizbegleiter vorgesehen – auch um das Vergangene zu verarbeiten. Trauern sei ausdrücklich erlaubt. Auch für erfahrene Helfer können einige Situationen sehr belastend sein. 

"Es ist vor allem schwierig, wenn die Menschen große Schmerzen haben. Das auszuhalten, ist auch für die umstehende Person hart", sagt Eva-Maria Blanke. In solchen Situationen sei sie froh, wenn "es vorbei ist" und der Sterbende nicht mehr leiden muss.

Die eigenen Gefühle reflektieren

Generell sei es nicht immer ganz einfach, eine professionelle Distanz zu wahren. "Wenn ich fühle, dass die zu sehr in die Geschichte hineingezogen werde, bespreche ich mich mit den anderen Helfern", so Stephanie Lübbe. Der regelmäßige Austausch mit den anderen Mitarbeitern sei eine wertvolle Möglichkeit, um die eigenen Gefühle und das eigene Vorgehen zu reflektieren. "Man wird dadurch regelrecht wieder aufgefangen", sagt die 49-Jährige. 

Kontaktmöglichkeiten

Wer sich über die Möglichkeit einer Sterbebegleitung informieren möchte, sollte sich bei Anna Bröring unter 05431 - 92 636 97 oder info@leben-bis-zuletzt.de melden.

Im Grunde genommen überwiegen die positiven Erfahrungen. Die Situationen, mit denen die Helfer vor Ort konfrontiert werden, sind sehr unterschiedlich. Manchmal lesen sie den Patienten aus der Zeitung vor, bei anderen reiche es, die Hand zu halten oder einfach nur anwesend zu sein, wiederum andere würden viel aus ihrem Leben erzählen, sagt Lübbe. 

Dazu zählen manchmal auch demente Personen. "Da ist es besonders schön, wenn sie sich dann noch an Vergangenes erinnern. Manchmal singen sie auch oder zitieren ein Gedicht", so Lübbe weiter. Des Öfteren komme es vor, dass die Sterbenden den Helfern etwas aus ihrem Leben erzählen, was noch nicht einmal die Angehörigen wissen. Die Hospizbegleiter unterliegen der Schweigepflicht und dürfen demnach die Informationen nicht weitertragen – es sei denn, der Patient wünscht sich dies. 

Etwas Gutes tun

Besondere Momente seien es, wenn die Mitarbeiter des Vereins noch etwas Gutes für die Personen tun können, ehe diese ihren letzten Atemzug machen. "Manchmal äußern die Menschen Wünsche, die tief in die Familiengeschichte hineinreichen. Es kam schon vor, dass wir einen verloren gegangenen Kontakt wiederherstellen konnten", berichtet Eva-Maria Blanke.

Es ist ein sehr friedvoller und heiliger Moment – als ob die Welt stehen bleibt.Eva-Maria Blanke

Durch ihre Tätigkeit habe der Tod für sie an Schrecken verloren, sagt sie. Man müsse die Angst vor ihm ablegen, findet Blanke. "Der Tod ist etwas sehr Mystisches. Es herrscht eine unglaubliche Ruhe, es ist ein sehr friedvoller und heiliger Moment – als ob die Welt stehen bleibt", sagt die 72-Jährige. Nicht das Sterben mache ihr Angst, sondern eher die möglichen Leiden, die damit verbunden sind, sagt Stephanie Lübbe und ergänzt: "Das Siechtum ist das, wovor ich mich fürchte."


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