Bebauung der Bahnbrache Quakenbrücks neues Wohnquartier: Rat legt Vorgaben fest

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„Quakenbrücks neue Mitte“: Nördlich des Stellwerks (Mitte) plant die Stadt ein Wohnquartier. Südlich davon soll auch eine neue Kindertagesstätte gebaut werden. Foto: Marcel Brockschmidt„Quakenbrücks neue Mitte“: Nördlich des Stellwerks (Mitte) plant die Stadt ein Wohnquartier. Südlich davon soll auch eine neue Kindertagesstätte gebaut werden. Foto: Marcel Brockschmidt

Quakenbrück. Der Quakenbrücker Stadtrat hat nach intensiver Beratung und Diskussion in den vergangenen Monaten die Kriterien für die Bebauung eines Teils der Bahnbrache festgelegt. Anfang 2019 soll der städtebauliche Ideenwettbewerb starten. Das drei Hektar große Quartier soll ein Aushängeschild werden.

as Votum war deutlich: Einstimmig (bei drei Enthaltungen) hat der Rat der Stadt Quakenbrück den Weg frei gemacht für den städtebaulichen Ideenwettbewerb für das frühere Bahngelände. Nach ausgiebiger Beratung im Ausschuss für Planen und Bauen und in den Fraktionen feilte der Stadtrat noch in der jüngsten Sitzung an den Formulierungen im Auslobungstext. Der gibt den Rahmen vor für die Planungsbüros.

Wettbewerb könnte Ende Januar starten

Nun ist die Stadtverwaltung am Zug, die weiteren Vorbereitungen zu treffen. Der vorläufige Zeitplan sieht vor, dass der städtebauliche Wettbewerb Ende Januar 2019 öffentlich bekannt gemacht wird. Wenn alle Formalien des Verfahrens eingehalten werden, könnten der Öffentlichkeit im Juli die vom Preisgericht prämierten Entwürfe präsentiert werden.

Ratfraktionen wollen vielfältiges Wohnquartier

Die fünf Ratsfraktionen sind sich einig, dass die geografische Mitte Quakenbrücks ein attraktives, innenstadtnahes, energetisch optimiertes und vielfältiges Wohnquartier bekommen soll. Ganz wichtig: Die Häuser sollen trotz der trennenden Bahnlinie Alt- und Neustadt miteinander verbinden. Maximal möglich sein soll eine dreigeschossige Bebauung mit Mehrfamilienhäusern und Hausgruppen für unterschiedliche Nutzer: altersgerechte und barrierearme Wohnungen für Senioren, kleinere Wohneinheiten für die „jungen Alten“ und kleine Wohnungen für Haushaltsgründer oder Studenten. Adäquate Angebote – als Miet- und Eigentumswohnungen – soll es auch für Familien in allen Preissegmenten geben.

Calderone: Das war kein Schnellschuss

„Das war kein Schnellschuss“, würdigte Christian Calderone angesichts der intensiven Beratung den vorliegenden Auslobungstext. Der Stadtrat habe sich seine eigenen Gedanken über eine Bebauung des Bahngeländes gemacht, so der CDU-Fraktionschef. Anstelle des vom Sanierungsträger Baubecon zunächst empfohlenen Investorenauswahlverfahrens – dabei hätte die Stadt das komplette Gelände an einen Investor verkauft, der dann verpflichtet gewesen wäre, die Vorgaben für die Bebauung umzusetzen – habe sich der Rat für den städtebaulichen Ideenwettbewerb entschieden und damit die richtige Wahl getroffen. „Wir wollen die besten Planungsbüros gewinnen, damit aus der Bahnbrache ein gutes Quartier für Quakenbrück entsteht“, sagte Calderone. Um den Wettbewerb attraktiv zu machen, sei das Preisgeld von ursprünglich 35.000 auf 50.000 Euro heraufgesetzt worden, denn bei einer drei Hektar großen Fläche handele es sich nicht unbedingt um ein großes Gebiet.

Gärtner: Es war zäh und kontrovers

„Es war zäh und kontrovers“, beschrieb Paul Gärtner die Beratungen der vergangenen Monate. „Doch das diente der Sache“, sagte der SPD-Ratsherr mit Blick auf die hohen Erwartungen an das neue Wohnquartier. Er lehnte „zu kleinteilige Vorgaben“ für die Architekten und Stadtplaner ab. Er setze auf deren Kompetenz und Erfahrung. Letztlich entscheide ein Preisgericht, welcher Entwurf verwirklicht würde. Auch Andreas Henemann (Bündnis 90/Die Grünen) hielt die vielen Vorgaben für die gewünschte Bebauung im Auslobungstext für hinreichend präzise formuliert.

Letzte Änderungswünsche in Stadtratssitzung

Vor der Abstimmung allerdings hatten CDU- und SPD-Fraktion noch einige Änderungswünsche, die nicht alle eine Mehrheit im Rat fanden. Während die Christdemokraten durchsetzten, dass Flach- und flachgeneigte Dächer begründet werden müssen, setzten die Sozialdemokraten durch, dass auf der Bahnbrache frei stehende Einfamilienhäuser nicht erlaubt sind, wohl aber Einfamilienhäuser als Reihenhaussiedlung.

Rat benennt Sachpreisrichter

Entschieden hat der Stadtrat auch, wer aus seinen Reihen einen Sitz im Preisgericht erhält. Zu den stimmberechtigten Sachpreisrichtern gehören Bürgermeister Matthias Brüggemann (CDU), Christian Calderone (CDU), Paul Gärtner (SPD), Nikolas Boos (Die Linke), Andreas Henemann (Bündnis 90/Die Grünen) und Manfred Neebuhr (FDP). Zu ständig anwesenden stellvertretenden Sachpreisrichtern berief der Stadtrat Jürgen Götting (CDU) und Bob Giddens (SPD).


Auf der Suche nach dem richtigen Weg

In der bisherigen Diskussion rund um die geplante Wohnbebauung auf der Bahnbrache waren verschiedene Verfahren im Gespräch. Eine Übersicht:

Investorenauswahlverfahren: Das bedeutet, dass die Stadt mit dem Gelände an den Markt geht. Sie sucht einen Käufer, der außerdem verpflichtet ist, die Vorgaben der Stadt für die zu bauenden Wohnhöfe umzusetzen. Interessierte Investoren müssen ein Konzept vorlegen, das den städtebaulichen, energetischen und wohnungspolitischen Anforderungen gerecht wird, aber letztlich auch vermarktbar sein muss. Den Zuschlag würde bei diesem Verfahren der Investor erhalten, der das überzeugendste Konzept präsentiert, jedoch nicht derjenige, der den höchsten Verkaufspreis zu zahlen bereit ist.

Architektenwettbewerb: Ein anderes Instrument für die Suche nach dem optimalen und besten Konzept für eine Wohnbebauung wäre ein Architektenwettbewerb. Auslober ist der Bauherr. Er macht detaillierte Vorgaben für die zu bauenden Objekte. Ein Preisgericht entscheidet hinterher und vergibt Preise und Anerkennungen. Die Wettbewerbssumme richtet sich nach der Höhe des Honorars für die Vorplanung. Außerdem erhält der Gewinner die Zusage, dass sein Entwurf umgesetzt wird (Auftragsversprechen). Der Unterschied zum Investorenauswahlverfahren: Der Architekt des preisgekrönten Siegerentwurfs ist höchstwahrscheinlich nicht der Investor.

Städtebaulicher Wettbewerb: Hierbei handelt es sich um einen Planungswettbewerb, bei dem die Stadt Vorgaben macht für die gewünschte Bebauung. Der Auslober erhofft sich eine Vielzahl von Vorschlägen. Auch dieser Wettbewerb kostet Geld. Ein Investor müsste hinterher noch gesucht werden. cg

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