Gedenken an Reichspogromnacht Quakenbrücker Schüler stolpern über die Geschichte

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Quakenbrück. Am 10. November 1938 erreichen Hetze und Gewalt gegen jüdische Mitbürger auch in der Stadt Quakenbrück ihren Höhepunkt. Mitglieder der SA setzen das Bethaus der Gemeinde in Brand. Ein Ereignis, das auch acht Jahrzehnte später nicht vergessen ist.

Einwohner und Schüler haben am Freitagvormittag in einer Gedenkfeier am Synagogenplatz in der Stadt Quakenbrück an die Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 erinnert. Stadtdirektor Claus Peter Poppe sagte, dass Deutschland vor 80 Jahren mit den Ausschreitungen gegen jüdische Mitbürger eine „beispiellose Gewaltnacht“ erlebt habe. Nationalsozialisten zerstörten in jener Nacht jüdische Synagogen, Bethäuser und Geschäfte. „Es war eine weitere Stufe auf dem Weg zum Massenmord an Juden, verübt im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs, der über 46 Millionen Tote forderte, eine unvorstellbare Zahl“, so der Stadtdirektor. Heute lebten die Menschen in Deutschland und Europa seit Jahrzehnten im Frieden: „Das ist Geschenk und Auftrag zugleich.“ Deshalb dürfe nicht Schluss sein mit dem Erinnern an den Massenmord der Juden, so Poppe. Kein Krieg habe mehr Opfer gefordert als der von Deutschland unter der Herrschaft der Nationalsozialisten initiierte Gewaltexzess. Poppe: „Wehret den Anfängen, wenn heute wieder Judenhass gepredigt wird oder andere Bevölkerungsgruppen angefeindet werden.“

Hasetalschüler gestalten Veranstaltung

Die Klassen fünf, sechs und sieben der Hasetalschule Quakenbrück gestalteten den Ablauf der Gedenkveranstaltung unter der Leitung von Katharina Abeln maßgeblich mit. Während Renate Rengermann das Gedicht „Die Wahrheit“ vortrug, sangen die Jungen und Mädchen Lieder und beschäftigten sich mit den Biografien der Familie von Walter und Sonja Neublum und der Schwestern Hella und Ursula Simon. Sie riefen die Ereignisse vom 10. November 1938 in der Stadt Quakenbrück in Erinnerung, als Nationalsozialisten das Bethaus der jüdischen Gemeinde an der Kreuzstraße/Friedrich-Ebert-Straße in Brand gesteckt hatten und Polizei und Feuerwehr nicht eingreifen durften.

40 Stolpersteine im Stadtgebiet

Bereits in den Tagen zuvor hatten die Schüler die 40 im Stadtgebiet verlegten Stolpersteine geputzt. „Wir wollen über Erinnerungen stolpern, damit sich diese Geschichte nicht wiederholt“, sagte Katharina Abeln. Es gelte, offen und tolerant zu sein gegenüber anderen Religionen und gegenüber Menschen mit anderer Herkunft. „Das ist ein wertvoller Dienst des Erinnerns, den ihr leistet“, lobte der Stadtdirektor. Er dankte am Ende der gut halbstündigen Veranstaltung allen an der Gestaltung der Gedenkfeier Beteiligten, unter ihnen waren auch die Zeitzeugen Fritz Cohen und Sonja Minnecker.

Poppe: Schüler stellen sich der Verantwortung

Poppe stellte heraus, dass es in Deutschland eine Erinnerungskultur gebe, „die ohne großen Pomp auskommt“. Es gehe dabei nicht um ein ständiges Wecken von Schuldgefühlen, sondern um Verantwortung für die Zukunft. Dieser Verantwortung stellten sich die Schüler.


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