Auch Freunde haben Fehler Quakenbrücker diskutieren über Verhältnis zu den USA

Von Bernard Middendorf

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USA-Kenner Wolfram Hoppenstedt hielt einen Vortrag vor der Artland-Akademie Quakenbrück. Foto: Bernard MiddendorfUSA-Kenner Wolfram Hoppenstedt hielt einen Vortrag vor der Artland-Akademie Quakenbrück. Foto: Bernard Middendorf

Quakenbrück. Informativ, fesselnd und in weiten Teilen ausgewogen referierte Wolfram Hoppenstedt auf Einladung der Artland-Akademie Quakenbrück vor großem Plenum im Hörsaal des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück.

„Unser Freund Amerika: Persönliche und kritische Anmerkungen eines Historikers“ lautete der Vortrag, der bei anschließenden Diskussionen trotz allgemeiner Anerkennung des Informationsgehalts spüren ließ: Über manche seiner Anmerkungen „zwischen den Zeilen“ gingen die Meinungen weit auseinander.

Helmut Henrichs hatte den Geschäftsführer der Willy-Brandt-Stiftung begrüßt und an die Richtschnur „Woher – wohin“ erinnert. Er passte in „Raster“ und Ziel der AAQ, prominente Referenten aus der Region zu gewinnen. 1965 in Goslar geboren, kam Wolfram Hoppenstedt 1977 „auf der Suche nach Wellpappe“, so die scherzhafte Formulierung, nach Nortrup, besuchte das AGQ, war zwei Jahre „Work Study Assistant“ in der Partnerstadt Conway/USA, studierte und promovierte in Bamberg.

Wie der Politikwissenschaftler und USA-Kenner mit einer Mischung aus Insider-Wissen, historischen Fakten und politischen Anekdoten seine Zuhörer in Atem hielt, war bemerkenswert. Er nahm sie alle mit auf eine Zeit- und Weltreise, machte einen Blick „100 Jahre zurück“ bis zur Ablehnung der USA, 1919 dem Völkerbund beizutreten, schlug einen weiten Bogen vom Gründungsgedanken der Vereinigten Staaten und ihrer Präsidenten quer durch die wechselvolle Geschichte bis in die Gegenwart mit einer schillernden politischen Figur namens Trump.

„Gutes Amerika“ gegen „böses Amerika“

Wenn Hoppenstedt Dan Diners Buch „Feindbild Amerika“ erwähnte oder „Das Unverständnis der Deutschen, aber nicht nur der Deutschen für angelsächsische Traditionen und amerikanische Geschichte“ als Vorwurf der deutsch-amerikanischen jüdischen Publizistin Hannah Arendt an die Wand warf, vergaß er nicht die Gründe, die – ähnlich einer Janus-Münze – das Bild des „bösen Amerika“ geprägt hatten: Die Atombombenabwürfe auf Japan, Harry Trumans „Strategie der Eindämmung“, der Korea- und Vietnamkrieg, der globale „heiße“ Kalte Krieg mit 20 Millionen Toten und die Machtpolitik. Sowjetunion und Kommunismus seien immer Feind Nummer eins der USA gewesen.

Das viel häufigere „gute“ Amerika sei dagegen erkennbar als Schutzmacht der Deutschen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg mit Care-Paketen und Berliner Luftbrücke, dem nuklearen Schutzschirm für Westeuropa, der Zusage Kennedys „Berlin bleibt frei“ und der Akzeptanz der Ostverträge als Konsequenz aus der Politik-Philosophie „Wandel durch Annäherung“ von Willy Brandt.

Einige Aussagen stießen auf Bedenken

Zwar seien die USA in der Arabischen Welt seit dem Irakkrieg nicht mehr der einst angesehene „ehrliche Makler“, zu beklagen sei ein Zerfall der politischen Kultur, aber auch dort gebe es eine Friedensbewegung und prominente Vertreter wie Meryl Streep, Tom Hanks und Steven Spielberg, die sich mit Filmen wie „Die Verlegerin“ öffentlich für Aufklärung, Transparenz und Menschenrechte einsetzten.

Mit seiner Meinung, Trump’sche Argumente seien manchmal „nicht ganz von der Hand zu weisen“, stieß Hoppenstedt auf Bedenken. Auf Einwände, Gesprächsbereitschaft des Westens sei gerade bei einem „gefährlichen“ Diktator wie Putin bitter nötig, gab er ebenso zurückhaltende Antworten wie auf kritische Äußerungen, die Nato und die USA seien Russland trotz der Zusagen an Gorbatschow hautnah „auf die Pelle“ gerückt. „Wir sind und bleiben eine Wertegemeinschaft – und Amerika ist und bleibt unser Freund“, hatte es der Referent geradezu beschwörend formuliert. Diesen gemeinsamen Nenner konnte und wollte niemand ablehnen.


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