Gebäude aus dem 15. Jahrhundert Quakenbrück Ehepaar steckt viel Herzblut in ihr Fachwerkhaus

Von Alexandra Lüders

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Quakenbrück. Anne (52) und Frank Willenborg (55) haben sich vor zwei Jahren an der Kuhstraße 17 in Quakenbrück in ein Zweiständerhaus aus dem Jahre 1462 verliebt. Die Sanierung läuft. Aber: „Der Weg ist das Ziel. Unser Einzug steht deshalb noch in den Sternen“, sagen sie.

Auf der Baustelle an der Kuhstraße hat sich seit Baubeginn mithilfe der Denkmalpflege, der Familie und kompetenter Handwerker eine Menge getan. Vor allem aber hat das Ehepaar selbst sehr viel Hand angelegt, um Haus und Garten aus dem jahrhundertelangen Dornröschenschlaf zu wecken. Denn geradezu märchenhaft schön soll das Fachwerkgebäude (zwölf mal 20 Meter) werden, für viele Generationen bewohnbar und trotzdem authentisch bleiben. Bis ins kleinste Detail investieren Willenborgs Sachverstand und viel Herzblut für die Historie, die dank verschiedener Zeitzeugen, alter Fotos und diverser Funde wieder lebendig geworden ist.

Treppe im Inneren 300 Jahre alt

Richtig spannend finden sie Scherben, Kohlestückchen und Knochen aus dem mehrschichtigen Erdreich des Wohnbereiches. Die Exponate – darunter das Stück eines mittelalterlichen Kugeltopfes – werden derzeit von Archäologen untersucht. Auch andere nostalgische Schätze tun sich im Inneren auf. Wie zum Beispiel eine etwa 300 Jahre alte Treppe, die vermutlich aus einer Kirche stammt. „Es könnte sein, dass der Zimmermann Wilhelm Kehlmann diese Treppe hier eingebaut hat. Denn er hat in den 1920er-Jahren in der Kuhstraße gelebt und ist wohl ein Sohn des letzten Bauern Gustav Kehlmann“, vermutet Anne Willenborg. Überhaupt interessieren sie die Menschen, die damals hier gelebt haben, ebenso wie die heutigen Bewohner der Kuhstraße ganz besonders. Im Umfeld des alten Gemäuers beginnt sie sich schon jetzt wohlzufühlen. Und weil das so ist, hat sie in dem verwilderten Garten Blumen angepflanzt und schmiedet Pläne für den Obst- und Kartoffelanbau. Das Landleben auf dieser alten Hofstelle liegt Willenborgs am Herzen. Als Diplom-Ingenieur für Holztechnik lässt Frank Willenborg sein ganzes Know-how in die Sanierung des Gebäudes an der Kuhstraße 17 einfließen.

Reparatur im Stil des Originals

„Nach den langen Aufräumarbeiten wurde die Dachdeckung abgeschlossen. Derzeit erfolgt die Giebelverschalung im Stil der Originalverzierung. Unser Haus bekommt ein neues Gesicht. Ich bin echt begeistert, weil es jetzt schnell vorangeht.“ Im kommenden Winter könnten die Innenmauern neu aufgebaut und das Fachwerk ausgebessert werden. Im Jahr 2019 würden die Gebäudehülle verdichtet und neue Fenster eingesetzt, freut er sich über die handwerklichen Fortschritte.

Eines der ältesten Häuser in Norddeutschland

„In diesem Jahr haben wir jede freie Minute hier verbracht, weil das Wetter immer mitgespielt hat. Das Besucherinteresse am Tag des offenen Denkmals war dann sehr groß. Das hat uns viel Mut gemacht, diesen historischen Mosaikstein für das Quakenbrücker Stadtbild zu erhalten“, ergänzt seine Frau Anne. Ihre Liebe zu alten Dingen hat sie an ihre Tochter Ann-Kathrin weitergegeben. Die junge Historikerin hat eine Profession daraus gemacht und bei der Sanierung kräftig mit angefasst. Denn das Haus Willenborg gehört zusammen mit dem Haus Abeln und dem Hermann-Bonnus-Geburtshaus vermutlich zu den ältesten Häusern im norddeutschen Raum – also eine Rarität am Himmel von Archäologen, Dendrochronologen und Denkmalpflegern.


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