Stammzellenspende Quakenbrücker Ludger Platzek rettete schmerzfrei ein Leben

Von Bernard Middendorf

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Eine Selbstverständlichkeit war es für den Quakenbrücker Ludger Platzek, sich als Knochenmarkspender zur Verfügung zu stellen. Foto: Bernard MiddendorfEine Selbstverständlichkeit war es für den Quakenbrücker Ludger Platzek, sich als Knochenmarkspender zur Verfügung zu stellen. Foto: Bernard Middendorf

Quakenbrück. Viel Aufhebens macht – und mag – Ludger Platzek nicht, wenn man ihn auf seine Stammzellenspende anspricht. Für ihn war diese Entnahme vor sechs Wochen in einer Kölner Klinik etwas Selbstverständliches. Was ihn allerdings bewegt: „Ich hoffe, dass ich damit ein Leben gerettet habe.“

Vor fast 25 Jahren ließ sich der Quakenbrücker bei einem Aufruf im Emsland bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisieren. So überraschend wie der Anruf der DKMS aus Tübingen war auch der Anlass für die damalige Typisierungsaktion: Die Initiative ging von Bikern aus. „Das muss 1994 gewesen sein“, erinnert sich der 52-Jährige. „Ich hab mich irgendwann 1992 von einem Arbeitskollegen begeistern lassen, bin zum ‚Finten-Club‘ aus Essen (Oldb.) gestoßen. Wir haben viele Touren unternommen.“ Zwei Jahre später folgten dessen Mitglieder einem Aufruf: Vom Vorsitzenden des Loruper Motorrad-Clubs ging die Initiative aus, eine DKMS-Aktion für einen an Leukämie erkrankten Freund aus dem Emsland zu starten.

Am 12. Juni dringende Anfrage des DKMS

Viele Biker ließen sich typisieren. „Damals war ein Piks nötig, jetzt reicht ein Abstrich aus dem Mund. Kann man selber machen.“ Der Kfz-Mechaniker, ausgebildet bei der Firma Brinker, heute in einer Quakenbrücker Autowerkstatt tätig, blieb seiner Leidenschaft treu – mit einer Gruppe, die sich den originellen Namen „Sattelfest“ gab, und mit seiner Lebensgefährtin Gaby Schleid: „Frauen durften allerdings nur manchmal mitfahren“, lacht er.

Der Hausbau und der Motorsport hielten ihn auf Trab. Die Platzeks sind ohnehin eine sportliche Familie – Bruder Michael ist QTSV-Basketballer, Vater Günter Helfer bei den Dragons. 2006 jedoch ein plötzlicher Anruf der DKMS: „Aber meine Werte waren da nicht optimal.“ Das war am 12. Juni 2018 anders: Eine dringende Anfrage der DKMS, er stimmte sofort zu; anderntags die Blutentnahme beim Hausarzt, die Röhrchen wurden von einem DKMS-Kurier abgeholt.

Am 14. August erhielt er die entscheidende SMS. Die Laborergebnisse zeigten: „Sie sind diesmal der ideale Spender. Gerne würden wir eine Stammzellenspende mit Ihnen planen.“ Organisiert von der DKMS: die Voruntersuchung am 27. August in Köln („Da hat man mich auf Herz und Nieren untersucht“); am 12. September die Entnahme. „Alles praktisch schmerzfrei“, sagt er. „Die waren alle total freundlich“, wirft seine Frau ein. Das Blut – durch Injektionen aufbereitet – lief drei Stunden durch eine Maschine. „Dabei wurden die Stammzellen abgeschöpft.“

Empfänger hat Austausch verkraftet

Das klingt nüchtern – und war doch bedeutungsvoll: Der männliche Empfänger in England hat den Austausch gut verkraftet. „Ich kann nur jeden ermuntern, sich typisieren zu lassen: Ob man spendet, kann man immer noch entscheiden. Es ist ein sehr gutes Gefühl, dass ich jemandem mit meinem Blut die Chance geben konnte, zu überleben und vielleicht seine Kinder aufwachsen zu sehen.“ Was wird er später konkret erfahren? „Anonyme Briefkontakte über die DKMS sind nach einer Frist möglich, nach zwei Jahren auch ein persönlicher Austausch, wenn der Empfänger das möchte.“


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