Serie "Wer kocht denn da?" Vom Balkan nach Quakenbrück: Wie dieser Koch eine neue Heimat fand

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Seit drei Jahren arbeitet Dragisa Sremcevic als Koch im Quakenbrücker Steakhouse "Balkan Grill". Bald wird er Küchenchef in der „Sancho & Pancho Tapas-Cocktailbar“. Foto: Sajo DzinicSeit drei Jahren arbeitet Dragisa Sremcevic als Koch im Quakenbrücker Steakhouse "Balkan Grill". Bald wird er Küchenchef in der „Sancho & Pancho Tapas-Cocktailbar“. Foto: Sajo Dzinic

Quakenbrück. Ins Restaurant geht man, um es sich schmecken zu lassen – oder nicht selber kochen zu müssen. Aber kennen Sie eigentlich die Köche, die für Sie die Messer schwingen? Wir stellen in einer Serie Köche aus dem Osnabrücker Nordkreis vor. Im ersten Teil geht es um den Koch aus dem Quakenbrücker Steakhouse "Balkan Grill" – einen gebürtigen Serben, der sich in der Burgmannstadt mittlerweile heimisch fühlt. Nach leichten Anpassungsschwierigkeiten.

Obwohl Dragisa Sremcevic erst 29 Jahre alt ist, hat er in seinem Leben schon einiges erlebt. Seit drei Jahren arbeitet der gebürtige Serbe als Koch im Quakenbrücker Steakhouse "Balkan Grill". Dass er einmal in der Gastronomie tätig ist, stand für den jungen Mann schon früh fest. "Ich habe mir bereits als Kind gewünscht, später einmal Koch zu werden", sagt Sremcevic. Seine Begeisterung für diesen Beruf wurde nicht zuletzt durch internationale Kochsendungen geweckt, die er damals in Serbien regelmäßig verfolgte.

Eine Arbeit für Frauen?

Doch zunächst hatte er mit einigen Widerständen in seiner Heimat zu kämpfen. "Mein Vater war sauer, als er von meinem Traum erfuhr. Er meinte, das sei eine Arbeit für Frauen, aber jetzt ist er stolz auf mich", erzählt der 29-Jährige. Erst nach und nach konnte er seinen Vater überzeugen, ihn bei seiner Berufswahl zu unterstützen. Im Anschluss an seine vierjährige Ausbildung in Serbien startete Dragisa Sremcevic eine gastronomische Reise durch den Balkan.

Es war teilweise eine Akkord-Arbeit.Dragisa Sremcevic


In Restaurants in Montenegro und Bosnien sammelte er wertvolle Erfahrungen als Koch. Doch die Arbeitsbedingungen seien nicht zufriedenstellend gewesen. "Die Bezahlung war nicht gut. Meist musste man ohne Mittagspause durcharbeiten. Es war teilweise eine Akkord-Arbeit", sagt der Koch. Hinzu kam, dass er in den Restaurants nur saisonal beschäftigt wurde. In der Regel arbeitete er sechs bis sieben Monate pro Jahr – und bekam deshalb auch nur für diesen Zeitpunkt ein Gehalt, berichtet der gebürtige Serbe.

Leichte Anpassungsprobleme

Über Facebook sah er vor drei Jahren eine Job-Annonce, die sein Leben verändern und den Mann nach Deutschland bringen sollte. Das Steakhouse "Balkan Grill" hatte eine Stelle als Koch ausgeschrieben, auf die sich Dragisa Sremcevic bewarb – mit Erfolg. Für den jungen Serben bedeutete die neue Stelle ein großes Wagnis. Von Hamburg oder Frankfurt hatte er in seiner Heimat schon etwas gehört – aber Quakenbrück? Von der Burgmannstadt hatte der Koch zunächst nur wenige Vorstellungen.

Nach ein paar Monaten habe ich die Vorteile an Quakenbrück realisiert. Dragisa Sremcevic


Obwohl ihm der neue Job sofort Spaß bereitete, sei die Anfangszeit in der neuen Umgebung durchaus schwierig gewesen, berichtet der 29-Jährige. "Mir war sehr langweilig. Ich wusste nicht, was ich hier machen sollte", sagt er. Auch das Erlernen der deutschen Sprache sei zunächst mit einigen Problemen einhergegangen. Doch der Kulturschock verflog schnell, Sremcevic begann sich nach eigener Aussage recht schnell mit Quakenbrück anzufreunden. "Nach ein paar Monaten habe ich die Vorteile an Quakenbrück realisiert. Die Mieten sind nicht so hoch. Außerdem braucht man keine Straßenbahn, um von A nach B zu kommen, und es ist sehr schön, hier zu leben", so der gebürtige Serbe.

Mit Chef befreundet

Seine Eingewöhnung wurde unter anderem dadurch erleichtert, dass seine Freundin aus Bosnien mit ihm nach Deutschland zog und sein Bruder in Frankfurt wohnt. Auch mit seinem Chef Sajo Dzinic und den anderen Angestellten verstand sich der Koch demnach gleich prächtig. "Wir sind sehr gut befreundet. Ich wurde sofort in alle Entscheidungen mit einbezogen und habe deshalb immer das Gefühl gehabt, ernst genommen zu werden. Es ist wie eine Familie", so der 29-Jährige. Nach knapp drei Jahren in Quakenbrück fällt sein Fazit überaus positiv aus: "Ich fühle mich hier sehr heimisch. Deutschland hat mir eine Perspektive und ein sicheres Leben gegeben."

Neue Aufgabe für den Koch

Dabei passt es auch, dass er in dem Restaurant auch Spezialitäten vom Balkan zubereitet. Somit hat er auch etwas von seiner eigenen Kultur nach Quakenbrück gebracht. Eine besondere Leidenschaft hegt er aber eher für mediterrane Gerichte. "Ich liebe es vor allem, Meeresfrüchte zuzubereiten", sagt er. In Zukunft wird er nun täglich die Gelegenheit haben, seiner Passion für das Mediterrane nachzugehen. Dragisa Sremcevic wird der Küchenchef in der „Sancho & Pancho Tapas-Cocktailbar“, die wie der "Balkan Grill" und der "Beef Chief" von Sajo Dzinic betrieben wird und Ende Oktober eröffnen soll. "Die hervorragende Arbeit, die er bisher geleistet hat, wird damit honoriert", sagt Dzinic. Der Koch freut sich auf die neue Aufgabe – hat für die Zukunft aber noch einen großen Traum. "Ich will irgendwann ein eigenes Restaurant in Deutschland eröffnen. Aber nicht in Quakenbrück – schließlich will ich meinem Chef ja keine Konkurrenz machen", sagt er. 


In der Serie "Wer kocht denn da?" stellen wir Köche aus der Gastronomie im Osnabrücker Nordkreis vor. Wir möchten die Personen zeigen, die das Essen zubereiten, im Alltag aber oft unsichtbar für die Gäste bleiben. Möchten Sie wissen, wer verantwortlich für die Speisen in Restaurant, Imbiss oder Mensa ist? Welchen Küchenchef oder Koch sollen wir mal porträtieren? Schicken Sie uns Ihre Vorschläge per Mail an c.lang@noz.de.

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