Serie "Die Kunden und ich" Badberger Konditorin über Salamibrote in Torten und rührende Nachrichten

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Hochzeitstorten, Cupcakes, Motivkuchen: Die Badberger Konditormeisterin Lena Liere liebt es, die Feiern ihrer Kunden mit süßen Leckereien zu bereichern. Foto:  Martina RoennauHochzeitstorten, Cupcakes, Motivkuchen: Die Badberger Konditormeisterin Lena Liere liebt es, die Feiern ihrer Kunden mit süßen Leckereien zu bereichern. Foto: Martina Roennau

Badbergen. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 20: eine Konditorin.

Hochzeitstorten, Cupcakes, Motivkuchen: Die Badberger Konditormeisterin Lena Liere liebt es, die Feiern ihrer Kunden mit süßen Leckereien zu bereichern. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie sogar im Londoner Luxuskaufhaus "Harrods". Seit einigen Wochen hat die 28-Jährige eine eigene Backstube in der Straße Engelinghorst in Badbergen. Im Interview spricht sie über Salamibrote in Torten, rührende Sprachnachrichten und das Problem bei perfekt aussehenden Kuchen.

Frau Liere, welche Art von Kunden finden Sie besonders anstrengend?

Anstrengende Kunden sind mir bis jetzt noch nicht begegnet. Was es mir schwieriger macht, mit Kunden zu arbeiten ist, wenn sie keine Vorstellung haben, was sie möchten, aber auch unempfänglich für Vorschläge sind. Ich habe dann das Gefühl, jemandem etwas aufschwatzen zu müssen, da es 1000 Möglichkeiten und mehr gibt, wie man eine Torte gestalten kann. Und das ist gar nicht meine Art. Ich versuche dem Kunden Empfehlungen zu geben und ihn mit meiner Tortengalerie zu beraten. Am Ende muss der Kunde aber selbst entscheiden. (Weiterlesen: Hochzeitsfotografin über zerstörte Kleider und Dinosaurier-Bilder)

Wie häufig kommt es vor, dass Kunden gar nicht wissen, was sie eigentlich möchten?

Relativ selten. Häufig haben die Kunden ein Bild dabei und möchten, dass die Torte ungefähr so aussieht. Dabei muss ich immer betonen, dass ich alles versuche, dieses umzusetzen, jeder Konditor aber seine eigene Handschrift hat und dieses berücksichtigt werden muss. Bisher waren meine Kunden aber alle sehr begeistert.

Haben Sie mal einen Wunsch abgelehnt?

Bisher nicht. Wenn ein Wunsch unrealistisch ist, sage ich aber auch, dass es so nicht machbar ist. Häufig geht es um die Füllungen der Torten, die dann nicht passend sind. Um eine perfekte mehrstöckige Torte herstellen zu können, gehört nicht nur das handwerkliche Geschick, sondern auch das Hintergrundwissen dazu, mit dem ich meine Kunden gerne berate.

Tauchen Kunden häufig mit sehr unrealistischen Vorstellungen auf?

Eigentlich nicht. Durch meine Facebook- und Internetseite sowie einer Bildersuche im Internet sind die Kunden sehr gut informiert und wissen, was möglich ist. Ich bin sehr offen für die Wünsche und Anregungen meiner Kunden, wodurch mein Beruf einfach auch sehr abwechslungsreich wird.

Können Sie sich an einen besonders kuriosen Wunsch erinnern?

Ein Paar kam dieses Jahr zu mir und war sich etwas uneins, wie die Hochzeitstorte aussehen soll. Die Braut hatte sich schon genau überlegt, wie die Torte auszusehen hat: in weiß mit Spitze und rosa Blümchen. Das war jetzt aber nicht unbedingt der Geschmack des Mannes. Nachdem ich ihm ein wenig auf den Zahn gefühlt hatte, was er für Interessen in seinem Leben hat, entstand die Idee, die Torte optisch zu teilen und das Thema Angeln auf die Torte zu bringen. So waren beide super zufrieden und schwärmten noch nach der Hochzeit von der Torte. Eine weitere Begebenheit fällt mir auch noch ein. (Weiterlesen: Leiterin der Tourist-Info: Das sind die Geheimtipps in Quakenbrück)

Die Torte wurde optisch geteilt. Foto: Liere


Erzählen Sie...

Eine Braut hat mal eine Hochzeitstorte bestellt, aber dabei erwähnt, dass ihr Zukünftiger eigentlich keine Torten mag. Deshalb wünschte sie sich, dass eine Blume die Torte zieren sollte – und in der Blume sollte ein Salamibrot versteckt sein. Das war schon sehr kurios (lacht). Für ihn war es dann perfekt.

Gibt es zwischen Braut und Bräutigam häufig Konflikte, wenn es um die Hochzeitstorte geht?

Naja, meistens setzt sich schon die Frau durch. Die Brautpaare sind aber generell recht unterschiedlich. Manchmal sitzen Männer hier und interessieren sich eher weniger für die Hochzeitstorte. Sie überlassen den Frauen dann gerne die Entscheidung der Optik. Bei den Geschmacksrichtungen werden dann aber doch noch häufig Einwände in den Raum geworfen. Es gibt aber auch Brautpaare, bei denen die Männer genaue Vorstellungen haben. Das kommt aber zugegebenermaßen eher seltener vor. Einen wirklichen Streit habe ich noch nicht beobachtet. Vielleicht hin und wieder mal ein genervter Blick (lacht). 

Sind Hochzeitstorten in den vergangenen Jahren immer pompöser geworden?

Pompös in Hinsicht auf Verzierungen. Nein, sonst sie sind eher schlichter geworden. Der Trend geht hin zu natürlichen und schlichten Besonderheiten, ohne Fondant, meist mit frischen Blumen oder Früchten belegt. Da ist der sogenannte Naked Cake genau das richtige.  (Weiterlesen: Autoverkäufer über Rabatte, esoterische Kunden und einen Todesfall)

Wie häufig müssen Sie in Backbüchern nachschauen, wenn Sie eine Torte machen?

Mittlerweile ist fast alles Routine geworden bei mir. Ich schlage relativ selten in Kochbüchern nach. Die meisten Rezepte habe ich im Kopf.

Naschen Sie häufig, wenn Sie backen?

In meiner Ausbildung haben sich alle gewundert, wie ich nur so viel essen konnte. Damals habe ich alles in mich rein gestopft (lacht). Zwischendurch wird hin und wieder immer noch genascht. Das ist aber eher selten. Ich favorisiere dann doch häufig Herzhaftes. Wenn jemand in meiner Familie oder meinem Bekanntenkreis etwas backt, esse ich dann natürlich auch gerne mal ein Stück.  (Weiterlesen: Quakenbrücker Juwelierin über Reiseklobürsten und dreistes Feilschen)

Also könnte man Ihnen auch eher mit einem Salamibrot eine Freude machen?

Genau (lacht).

Wenn jemand auf einer Feier Kuchen vom Discounter mitgebracht hat, essen Sie den auch oder sträuben sich bei Ihnen da die Nackenhaare?

Mir schmeckt solch ein Kuchen meistens nicht wirklich. Aus Anstand zum Gastgeber esse ich ihn natürlich trotzdem. Ich weiß einfach, was da alles drin ist – deshalb bin ich von ihnen auch nicht überzeugt. Was mich aber bei solchen Feiern am meisten stört, ist, dass mich jeder anguckt, wenn ich irgendwo etwas probieren soll. In meinem Freundeskreis werde ich halt als Expertin angesehen. Und das nervt mitunter. Ich will dann doch einfach nur in Ruhe Kuchen essen (lacht).

Welchen Backtrend finden Sie schrecklich?

Für mich ist es wichtig, dass die Torte nicht nur schön aussieht, sondern auch gut schmeckt. Das Problem bei den Bildern, die man im Netz sieht, ist, dass es sich häufig um Torten handelt, die zwar perfekt und wunderschön aussehen, aber geschmacklich total der Reinfall sind. Bei manchen anderen Konditoreien wird in erster Linie Wert auf das Aussehen gelegt – und nicht auf den Geschmack. Und das finde ich schade. Eine Torte sollte nicht nur aus festen Böden mit etwas Marmelade bestehen, sondern aus geschmacklich hochwertigen Einzelteilen, wie einer leichten Sahnefüllung oder einer fluffigen Cremefüllung mit saftigen und luftigen Böden sowie frischen Früchten. Es gehört einfach zur Konditorkunst, etwas Schönes mit etwas Leckerem in Einklang zu bringen. Das sollte die Priorität unseres Handwerks sein.

Backen Sie privat auch noch gerne – oder haben Sie darauf gar keine Lust mehr?

Leider fehlt mir die Zeit dazu. Ich hatte kürzlich Geburtstag und habe dafür noch eine große Kuchentafel gemacht. Aber ansonsten backe ich nur noch wenig privat.  (Weiterlesen: Quakenbrücker DJ über Helene Fischer, betrunkene Gäste und coole Küsse)

Was mögen Sie an Ihrem Job?

Dass ich kreativ sein kann. Hinzu kommt, dass es ein sehr abwechslungsreicher Beruf ist. Es ist schön, zu sehen, wie sich die Kunden über die Torten freuen. Das macht mir richtig Spaß.

Und was mögen Sie nicht so gerne?

Das Arbeiten am Wochenende. Aber das war mir auch vorher klar, dass das mit dem Beruf zusammenhängt. Hochzeiten und Taufen finden nun mal in der Regel an Wochenenden statt. An Sonntagen organisiere ich zudem des Öfteren auch noch Back-Workshops.  Wenn man dabei aber auch noch Spaß hat, kann man über so etwas hinweg sehen. 

Wie viel Zeit benötigen Sie für eine Hochzeitstorte?

Das kann man nicht genau beziffern, aber drei bis fünf Stunden brauche ich schon.

Was ist das Nervigste am Backen?

Ich glaube Mürbeteig ausrollen ist das Nervigste (lacht). Da habe ich eigentlich nie Lust drauf.

Haben Sie einen besonders rührenden Moment in Erinnerung?

Ein Kunde hat mir mal eine Sprachnachricht von seiner siebenjährigen Tochter geschickt. Sie hat sich bei mir bedankt für die Torte, die ich für ihren Geburtstag angefertigt hatte. Sie meinte, sie hätte sogar Tränen in den Augen gehabt. Das war schon ein sehr schöner Moment.



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