Ein Unfall veränderte sein Leben Quakenbrücker Michael Elling ist immer noch Sportler – und Kämpfer

Von Bernard Middendorf

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Michael Elling ist Angler bei Wettbewerben, Radfahrer, Basketballanhänger – aber der Tag hat nur 24 Stunden. Foto: EllingMichael Elling ist Angler bei Wettbewerben, Radfahrer, Basketballanhänger – aber der Tag hat nur 24 Stunden. Foto: Elling

Quakenbrück. „Sportler bleibst du dein ganzes Leben lang“, sagt Michael Elling, und man nimmt es ihm ab. Der Quakenbrücker war ein talentierter Fußballer und Basketballer, ein Energiebündel, und er ist es geblieben, obwohl es vor 15 Jahren eine Sekunde gab, die sein Leben radikal veränderte: Der Motorradfahrer stürzte in Spanien mit seiner Enduro und zog sich eine Wirbelsäulenfraktur zu, die einen Alltag ohne Rollstuhl unmöglich macht.

Geboren in Wesenstedt, aber aufgewachsen in der Burgmannstadt, eingeschult in der früheren Gemeinschaftsschule, später der Wechsel zur Realschule – der Quakenbrücker verlebte eine glückliche Kindheit, schaffte bei Old Quokenbrügge sogar einmal den Königsschuss. Besonders gut erinnert er sich an den Umzug zur Hohen Straße mit Naschmöglichkeit: „In der Backstube nebenan beim Geschäft Vater sind wir als Kinder ein- und ausgegangen.“

Ein begeisterter Tor- und Korbjäger

Der Sport bestimmte seine Freizeit, vor allem das Bolzen. Sämtliche VfR-Nachwuchs-Mannschaften durchlief Michael – bis zur A-Jugend. „Wir schnitten meistens gut ab. Ich wurde auch einmal zum Sichtungslehrgang eingeladen – ich glaube, in die Kreisauswahl.“ Als Realschüler spielte er Volleyball beim Lehrersport, ging danach oft noch mit den Lehrern auf Korbjagd. „Da habe ich Blut geleckt.“ Er fing beim QTSV an, spielte aber parallel weiter Fußball – an Sonntagen oft beides. Irgendwann gab es für ihn nur noch den Basketball. Kein Wunder, denn erste Erfolge stellten sich ein, vordere Plätze bei den Niedersachsenmeisterschaften der B- und A-Jugend. „Wir hatten ein starkes Team mit Eckhard Potratz, Thomas Rump, Michael Platzek, Gerd Hauertmann und Nimo Niemeyer.“ Sein Wunsch, Polizist zu werden, erfüllte sich für den 16-jährigen nicht, eine Lehre als Werkzeugmacher bei Nosag schloss er erfolgreich ab.

„Ich hörte den Knacks, als mein Rückgrat brach“

Nach etlichen Berufsjahren im Artland reifte ein Entschluss: Er fühlte sich zwar wohl in seinem Kotten in Anten, aber: „Ich wollte das Ausland kennenlernen. Mein Vater war Seemann, von ihm habe ich bestimmt das Fernweh geerbt.“ Er zog 1999 nach Ibiza, fand einen großen Freundeskreis, machte Motorradtouren, plante, sich selbstständig zu machen, bis der Unfall ihn traf – aus heiterem Himmel. „Ich kam mit der Enduro von der Arbeit. In einer Kurve lag Schotter, ich schleuderte gegen einen Baum und hörte den Knacks, als mein Rückgrat brach.“

Starke Schmerzen, aber er resignierte nie

Ersten langwierigen Operationen in Ibiza-Stadt folgten weitere in Toledo; die Stabilisierung der Wirbelsäule scheiterte mehrmals. „Die Ärzte haben mir gesagt, ich müsste im Rollstuhl bleiben und könnte nie wieder einen Meter gehen, aber ich war immer ein Kämpfer.“ Direkt aus der Reha ließ er sich zu Neurologie-Experten ins Krupp-Krankenhaus nach Essen fliegen und wurde in den folgenden Jahren auch in der Charité in Berlin mehrfach operiert. Starke Schmerzschübe begleiten ihn bis heute, aber er resignierte nie, motivierte selbst andere Betroffene, so auch eine Bekannte in Spanien, die bei einem Segelflugzeugabsturz eine Querschnittslähmung erlitt.

Den Lebensmut nie verloren

Michael Elling behielt seinen Lebensmut, kehrte nach Quakenbrück zurück, besucht aber weiter gute Freunde auf Ibiza. Mobil, ja dynamisch ist er mehr als mancher andere, hält sich gerne in der Natur auf. Mit dem Rollstuhl, mit seinem schnittigen Dreirad oder einem Spezial-Zegway fährt er zum Angeln, trifft frühere Sportkameraden, ist ein Fan der Artland Dragons: „Wenn ich zuschaue, reizt es mich immer noch. Aber ich sehe mein Schicksal nicht negativ. Es hat alles seinen Sinn im Leben.“ Nur vom Staat in Deutschland fühle er sich im Stich gelassen, weil er seit dem Unfall, der alles veränderte, fast keine Unterstützung bekam.


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