Hauptsache Musik Rock oder Rap, Gitarre oder Schlagzeug: Die WG-Band in Quakenbrück

Von Bernard Middendorf

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Im „Rostigen Nagel“ vibriert der Fußboden, wenn Patrick, Oli, Jogi (vorne, von links) und Johannes als Drummer ihre Fans auf Touren bringen. Foto: Bernard MiddendorfIm „Rostigen Nagel“ vibriert der Fußboden, wenn Patrick, Oli, Jogi (vorne, von links) und Johannes als Drummer ihre Fans auf Touren bringen. Foto: Bernard Middendorf

Quakenbrück. Ein Sommer vor zwei Jahren, ein paar Musik-Freaks – und kein Platz zum Üben. Also musste eine Bude her, am liebsten schalldicht. Eine WG aus Studenten, Handwerkern, Schreibtischtätern – und das in Quakenbrück? Sehr verdächtig für eine Kleinstadt. Das Rätselraten nahm kein Ende, zumal ständig gedämpfte Gitarren- und Trommelklänge aus dem sanierten Fachwerkhaus am St.-Antoni-Ort in Quakenbrück zu hören waren.

Tatsächlich wollten die WG-Gründer nur eins: Musik machen – zu jeder Tages- und Nachtzeit. „Wir spielen immer nur das, was Bock macht. Manchmal fliegt ein Stück schnell wieder raus. Uns geht’s um ‚intuitives Wohlfühlen‘“. So formuliert es Restaurator Patrick Bertram (27), Sänger, Gitarrist und Leader – wie sie alle.

„Natürlich beherrschen wir alle ein Instrument. Hier können wir uns ausleben. Die Nachbarn sind tolerant“, sagt Johannes Otto-Lübker, Informatik-Kaufmann und Web-Designer. Er betreibt im Erdgeschoss seine kleine Firma. Viele von ihnen haben schon als Mini-Musiker ihre Eltern lautstark genervt – im Keller, auf Dachböden oder gar in Wohnräumen.

Motto: Alles, was Spaß macht

Stefan Diekhaus (32), Feinmechaniker, Fotograf und Tontechniker, startete mit der Gruppe Höllenfahrt. Er habe zu analoger Zeit zentnerschwere Technik geschleppt, schmunzelt er. „Stefan kam in unser Leben wie Zauberer Gunharis“, das kann Jogi Praeck nur bestätigen. „Im Saal, auf der Bühne – du bist mit dem Tablet überall.“ Er habe ihre Qualität um 100 Prozent gesteigert, sagt Patrick. Qualität – das ist das Stichwort. Auf Niveau in Sachen Rock, Pop und Rap legen sie großen Wert, auch der Youngster. Oliver „Oli“ Wissing fand seine Tischlerlehre öde, studiert jetzt am Music-College in Hannover Schlagzeug, Jazz und mehr. „Ich hatte mit acht schon Unterricht bei Carsten Mohring, hab auch bei meinem Vater viel gelernt“, sagt er. Peter Wissing gehörte zur Band Artlantic. „Oliver hat am meisten Feuer unter dem Arsch – und das Knowhow“ wirft Patrick ein. „Du wirst auf jeden Fall Musikpädagoge, Oli – wetten?“, riskiert Johannes Praeck (25) eine Prognose. Seinen Spitznamen kennen viele, den Hausnamen nur wenige. Er ist eben einfach Jogi. Seine Rap-Auftritte auch im Musiker-Forum sind legendär, er singt, spielt Schlagzeug, (Bass-)Gitarre, alles, was Spaß macht – übrigens ein Markenzeichen der ganzen Band.

Kommerzielle Engagements wollen sie nicht

Stefans Bruder Julian Diekhaus (25) liebt Schlag-Instrumente, ist ein starker Drummer. „Er leitet unsere Percussion-Abteilung“, betont Patrick. „Ich finde es gut, wenn man variieren kann“, vertraut Julian auf digitale Technik und Mischkünste seines älteren Bruders.

Eines brennt der gut gelaunten Runde im Wohnraum der Wohngemeinschaft noch auf den Nägeln: „Du musst unbedingt auch über Marco schreiben.“ Marco Guido, Abi am AGQ, Studium in Leeuwarden, alternativer Tourismusmanager, Australien-Freak, spielt drei Instrumente simultan – die Stimmen schwirren durcheinander. Gelernt hat er bei Norbert Lindhorst. „Er beherrscht sogar den Fingerstyle“, schwärmt Patrick. „Der ist einfach mal hier aufgekreuzt und hat mitgemacht. Fand ich gut“, ergänzt Jogi. Einfach aufkreuzen – das darf man gerne am St.- Antoni-Ort, aber nicht in ihrem orientalisch anmutenden Studio, wo Konzentration vorherrscht. Seit ihren ersten Auftritten sind die Jungs gefragt, nur: Kommerzielle Engagements wollen sie nicht. Sie fühlen sich wohl bei Rocksessions in der Theaterwerkstatt oder im „Rostigen Nagel“, wo Pink Floyd oder Joe-Cocker-Songs gefordert werden.

Straßenfeger beim Burgmannsfest

Legendär könnte ihr Auftritt beim jüngsten Burgmannsfest werden: Im Rekordtempo versetzten die WG-Band ihre Zuhörer von 16 bis 60 in Ekstase. Bei „Joline“ sangen bereits alle mit, und der Top-Hit von „Rage against the Machine“ wurde zum Straßenfeger: Musikfans wurden aus allen Richtungen magnetisch angezogen, tanzten, sprangen, bis der Boden an der Ecke bei Rapin bebte.


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