„Industrie 4.0 müssen wir schaffen“ Ex-Siemens-Vorstand Klaus Wucherer in Quakenbrück

Von Susanne Strothmann-Breiwe

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Klaus Wucherer  – hier mit einer „lebenden Statue“ des Firmengründers Werner von Siemens – referiert am 28. September 2018, bei der Artland Akademie Quakenbrück zum Thema „Vierte industrielle Revolution – Chancen und Risiken für Deutschland“. Foto: Hermann Pentermann/ArchivKlaus Wucherer – hier mit einer „lebenden Statue“ des Firmengründers Werner von Siemens – referiert am 28. September 2018, bei der Artland Akademie Quakenbrück zum Thema „Vierte industrielle Revolution – Chancen und Risiken für Deutschland“. Foto: Hermann Pentermann/Archiv

Quakenbrück. Klaus Wucherer hat Ideen für Deutschland, den Mittelstand und die Regionen. Der gebürtige Quakenbrücker und Ex-Siemens-Vorstand spricht am Freitag, 28. September 2018, bei der Artland Akademie Quakenbrück über die Notwendigkeit, die Digitalisierung und Nachwuchsförderung voranzutreiben.

Herr Wucherer, Ihr Terminkalender ist voll. Wie oft finden Sie eigentlich noch die Zeit, Ihre Heimatstadt Quakenbrück zu besuchen?

Einmal im Jahr. Dann komme ich mit meiner Frau, um die Gräber unserer Familien zu besuchen. Wir nehmen dann immer dieselbe Route quer durch die ganze Stadt: Schützenhof, St. Sylvester, Kreuzstraße. Da haben wir damals gewohnt. Auch meine Frau ist übrigens in Quakenbrück geboren. Genauso wie unsere beiden Kinder. Ich schätze die Mentalität der Menschen hier. Das freundliche, hilfsbereite und zugleich zurückhaltende Wesen. Man braucht ein wenig Geduld, um die Norddeutschen aufzuschließen und Freundschaften zu knüpfen. Aber wenn das gelingt, dann hält die Freundschaft ein Leben lang. Das mag ich sehr.

Wie haben Sie Ihre Jugend in Quakenbrück erlebt?

Ich habe nur gute Erinnerungen. Sport war für mich damals das Allerwichtigste. Das verdanke ich meiner Mutter, die mich schon als Kind im Turn- und Sportverein Quakenbrück angemeldet hatte. Mit gerade 16 Jahren habe ich die Leichtathletik-Abteilung geleitet. Diese Erfahrung hat mich übrigens für mein ganzes Leben geprägt. Ich habe im Sport gelernt, mit anderen Menschen und Gleichaltrigen umzugehen und etwas zu organisieren. Ich hatte eine wirklich schöne Jugend in Quakenbrück, bin hier zur Mittelschule, in die Lehre und zur Abendschule gegangen. Später habe ich dann in Osnabrück studiert.

Und haben international Karriere gemacht. Auch im Ruhestand sind Sie in der ganzen Welt unterwegs, unter anderem in Fragen der Digitalisierung. Was treibt Sie an?

Ich sehe die Verantwortung, die Notwendigkeit und zugleich die wirtschaftlichen Perspektiven. Wir haben in Deutschland wichtige Industrien verloren. Zum Beispiel die Kommunikationstechnik. Hier war Deutschland einmal führend. Heute beherrschen die USA und Asien diesen Markt. Deutschland ist fast gänzlich verschwunden. In der Automatisierungstechnik sind wir noch weltweit führend. Um diesen Vorsprung zu halten, müssen wir die Digitalisierung als neue technische Revolution annehmen und meistern. Industrie 4.0 müssen wir schaffen. Unser Problem wird dabei nicht die Technik sein, sondern die Ausbildung. Im Bereich der dualen Ausbildung haben wir Deutschland, Österreich und die Schweiz zum Beispiel einen enormen Vorteil. Andere Länder versuchen, das Modell zu kopieren, aber bisher ohne Erfolg. Diesen Vorsprung dürfen wir auf gar keinen Fall aufgeben. Unter anderem dafür will ich mich einsetzen. Digitalisierung betrifft im übrigen nicht nur die Konzerne. Sie betrifft auch und gerade den Mittelstand, die tragende Säule der Beschäftigung in Deutschland. Darunter gibt es viele Weltmarktführer. Sie alle werden das Thema Digitalisierung angehen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das gilt natürlich auch für die Unternehmen und Fachkräfte in den Regionen. Darüber will ich informieren und aufklären. Dafür setze ich mich gerne auch in meiner Heimatstadt ein.

Wer ist zu Ihrem Vortrag am 28. September in der AAQ eingeladen?

Alle Interessierten sind willkommen. Ich würde mich aber besonders über viele junge Menschen freuen. Das Thema Digitalisierung wird das Zukunfts- und Karrierethema der nächsten Generation werden. In zehn Jahren wird die Welt völlig anders aussehen. Darauf müssen wir junge Menschen vorbereiten. Sie müssen wissen, was in der Welt passiert. Spätestens im Beruf.


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