200 Jahre historisches Rathaus Als König Georg V. die Stadt Quakenbrück besucht

Meine Nachrichten

Um das Thema Samtgemeinde Artland Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Quakenbrück. Im Spätsommer 1862 besucht König Georg V. Quakenbrück. Vier Stunden hält sich der letzte Monarch des Königreichs Hannover in der Stadt an der Grenze zum Großherzogtum Oldenburg auf. An jenem 10. September nimmt Seine Majestät im Rathaus ein Gastmahl ein.

Die Nachricht vom Besuch König Georg V., der seit November 1851 regiert, löst schon Monate vorher eine hektische Betriebsamkeit aus. Das ist dem Bericht von Senator Louis Friedrich, einem Heimatforscher, zu entnehmen. Zuallererst bringen die Quakenbrücker ihr Rathaus innen und außen in Schuss, „an dem seit seiner Erbauung im Jahr 1818 nichts mehr geschehen war“.

Schützen üben für den Parademarsch

Um den König mit höchsten Ehren zu empfangen, engagiert der Magistrat der Stadt eine aus 26 Musikern bestehende Kapelle des in Osnabrück stationierten 7. Infanterie-Regiments. Und der Schützenverein probt wochenlang für den vorgesehenen Parademarsch, was für den Kommandeur, einen ehemaligen Soldaten, ein durchaus schwieriges Unterfangen gewesen sein muss: Die meisten Schützen hatten nämlich nicht gedient, mit zackigen Kommandos dürften sie nichts anzufangen gewusst haben. Dennoch: Mit „heißem Bemühen“ übte der Kommandeur solange, „bis der Parademarsch vor dem König leidlich klappte“.

Bürger schmücken ihre Stadt

Die Bürger schmückten ihre Stadt mit Ehrenpforten, Wimpeln, Flaggen, Wappen und Inschriften. „Es war kein Haus zu klein, das nicht dem Tage des Festes entsprechend geschmückt worden war“, notiert Louis Friedrich. Und auch der Marktplatz, damals wohl nicht mehr als eine Wiese mit ausgetretenen Fußwegen, wurde geräumt, verlor seine „urwüchsige Wildheit“. Wie das geschah, ist nicht überliefert.

Wunsch nach Bahnhof

Am 10. September 1862 reist König Georg V. mit seinem Hofgefolge an. Die Route führt von Osnabrück über Bramsche, Alfhausen, Bersenbrück und Badbergen nach Quakenbrück. 40 Ehrenbögen sollen alleine zwischen Alfhausen und der Burgmannstadt gestanden haben. Überall wird der „geliebte Landesvater“ herzlich begrüßt, so auch in Quakenbrück. An vielen Häusern sind Inschriften angebracht. Darunter befindet sich auch manche Bitte an den König, wie die, dass er der Stadt einen Eisenbahnanschluss gewähren möge und die stark versandete Hase wieder schiffbar mache: „Beschließ, o Herr, in Deinem Rath, Daß Eisenbahn und Wasserfahrt, Bald werden möge dieser Stadt; Nur dies den Handel pflegt und wahrt.“ Daneben empfingen den König viele Sinnsprüche wie „Des hohen Königs gnädiger Blick, Ruh‘ auf sein liebes Quakenbrück“ oder „Fürchte Gott, Ehre den König“.

Seine Majestät verspätet sich

Doch Seine Majestät lässt die Einwohner erst einmal warten. Er frühstückt auf Einladung des Freiherrn von Dincklage „um zwei Uhr mittags“ noch gemütlich auf dessen Gut in Badbergen. Nachmittags um drei Uhr fährt der mit vier Pferde bespannte und von zwei Postillionen geführte Wagen des Königs endlich über die Straße St. Antoniort in die Stadt ein, angeführt von den Schützen Quakenbrücks. Die Städter bringen „ein donnerndes Hoch“ auf „Eure Ehrwürdige Königliche Majestät aus“, für Bürgermeister Heye ist es ein „feierlicher, tiefergreifender Augenblick, in welchem ich vor [...] meinen König und Herrn trete“. Ein tausendstimmiges Hoch erschallt über den Marktplatz. Der König nimmt dort die Parade ab, ehrt zwölf Kämpfer, die in der Schlacht bei Waterloo gegen Napoleon gekämpft hatten und lässt ihnen als Anerkennung jeweils fünf Taler auszahlen. Von der Rathaustreppe überschaut König Georg V. den Marktplatz und soll von einem „prächtigen Anblick“ gesprochen haben. Gesehen hat der König übrigens nichts, seit seinem 14. Lebensjahr ist er erblindet. In Senator Friedrichs‘ Bericht davon aber keine Rede.

Gastmahl im Rathaussaal

Nach dem Gang durch einige Straßen und dem Besuch der St.-Sylvester-Kirche gibt die Stadt zu Ehren des Königs und seiner Familie – anwesend sind neben Kronprinz Ernst-August auch dessen Schwestern Friederike und Marie – im Rathaussaal ein Mittagessen. Dazu hatte der Hofmarschall des Königs Personal und Inventar aus Hannover nach Quakenbrück beordert. Gegen sieben Uhr abends schließlich reist der König, der „geliebte Landesvater“, ab. In Quakenbrück klingt dieser bedeutende Tag in der Stadtgeschichte bei Musik und Tanz in den Gasthäusern aus.

Bild erinnert an den Besuch des Königs

Das Bild, das an den Besuch von König Georg V. von Hannover in der Burgmannstadt erinnert, hängt heute im Sitzungssaal des Rathauses Quakenbrück. Foto: Christian Geers

In seiner Dankesbotschaft an die Stadt, die später veröffentlicht wird, bedauert Georg V. den kurzen Aufenthalt in der Stadt. Am 6. November 1865, drei Jahre nach seinem Besuch und wenige Monate vor der Annexion des Königreichs Hannover durch das Königreich Preußen, die seine Abdankung bedeutete, lässt er als Dankesgeschenk ein Bild nach Quakenbrück bringen. Es zeigt Georg V. als Brustbildnis in Lebensgröße. Der blinde Monarch schaut nach rechts, trägt Uniform und hält in der Hand einen Helm mit Federbusch. Prunkvoll gestaltet ist der Bildrahmen, oben liegt eine Krone auf einem vergoldeten Kissen, unten ist eine Inschrift angebracht: „Zur Erinnerung des von Mir im Rathhause zu Quakenbrück am 10ten September 1862 eingenommenen Gastmahls.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN