Ein Zeugnis echten Bürgersinns Quakenbrücks historisches Rathaus wird 200 Jahre alt

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Quakenbrück. Das Rathaus der Stadt Quakenbrück feiert einen runden Geburtstag. Seit 200 Jahren prägt das im Stil des Klassizismus errichtete Gebäude am Marktplatz ganz maßgeblich das Stadtbild. Sein Erbauer war kein gewöhnlicher Architekt, sondern ein bekannter Landbaumeister.

Als die Quakenbrücker 1818 den Grundstein für ihr neues Rathaus legen, gibt es noch keinen Fotoapparat. Die ersten Bilder vom repräsentativen Verwaltungssitz der Stadt entstehen erst um 1900. Das Stadtarchiv gibt aber Auskunft darüber, dass sich das ursprüngliche Aussehen des Stadtbaus in der bilderlosen Zeit äußerlich nicht veränderte – und das ist bis heute so geblieben, trotz mancher Umbauten im Inneren.

Landbaumeister Georg Heinrich Hollenberg bekommt den Auftrag

Als der Ort an der Hase im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts den Neubau eines Rathauses plant, stehen überwiegend eingeschossige Fachwerkgebäude in den leicht gewundenen Straßen der Stadt. 130 von ihnen sind bis heute erhalten geblieben mit ihren zum Teil malerischen Giebeln. Erst später kommen zweigeschossige Bauten hinzu. Aus Sandstein erbaut sind damals nur die beiden Kirchen, die Stadttore und die Wassermühlen. Auch das neue Rathaus soll ohne Fachwerk auskommen, so plant es jedenfalls Landbaumeister Georg Heinrich Hollenberg (1752 – 1831). Der renommierte Fachmann bekommt im Februar 1817 den Auftrag, den Rathausbau zu entwerfen. Der 64-Jährige ist im Artland durchaus bekannt, war er doch 1783 mit einem Wasserbauprojekt in Menslage befasst. Den Landstrich hatte er der Liebe wegen nicht sofort verlassen, später heiratete er die Tochter eines Quakenbrücker Kaufmanns. Hollenberg, in Osnabrück geboren, hatte erst in der Wollkratzfabrik seiner Eltern gearbeitet, später Mathematik, Physik und Chemie studiert. Zu seinen Förderern gehörten der in Göttingen lehrende Naturwissenschaftlier Georg Christoph Lichtenberg und der in Osnabrück lebende Jurist Justus Möser.

Im Stil des Klassizismus

Landbaumeister Georg Heinrich Hollenberg entwirft ein Rathaus im Stil des Klassizismus: Er will „Häuser ohne Schminke“, zeichnet Bauten mit geraden und strengen Formen, ohne Schnörkel und mit einheitlicher Symmetrie. Er verzichtet auf die bis dato bekannten wuchtigen Stuckverzierungen und ausladenden Fassaden. Der Klassizismus orientiert sich – das ist deutlich zu erkennen – gerade bei bürgerlichen Repräsentationsbauten an antiken Vorbildern. Die Stadt Quakenbrück erhält also einen zweigeschossigen, von außen geputzten Ziegelbau mit rechteckigem Grundriss und Walmdach. Die Fassade zum Marktplatz bekommt in der Mitte einen Risalit, einen hervorspringenden Baukörper mit Dreieckgiebel. Ins Auge aber fällt dem Betrachter damals wie heute die zweiläufige Freitreppe, die gleich in den ersten Stock, die Beletage, führt. Türen und Fenster sind mit Sandsteinbändern eingefasst, ebenfalls die Eckverzahnungen.

„Dem Wohle der Bürgerschaft geweiht“

Über dem Eingangsportal ist zwischen zwei mit goldenen Eichenblättern und einem Medaillon gestalteten Kragsteinen die in Gold gefasste Inschrift „Saluti Civitatis Sacrum“ („Dem Wohle der Bürgerschaft geweiht“) eingelassen. Repräsentativ gestaltet ist auch der aus Sandsteinquadern gestaltete Eingang zur Langen Straße: Unter einem in goldener Farbe erstrahlenden Lorbeerkranz hängt ein Medaillon mit dem Stadtwappen angebracht. Die Zahl 1818 erinnert an das Baujahr.

Altes Rathaus war „höchst baufällig“

Den Grundstein für das neue Rathaus, das den Stolz der Bürgerschaft erkennen lässt, aber nicht als reiner Prunk- oder Protzbau auffällt, setzte die Stadt an der Stelle des alten. Von diesem ist nicht mehr bekannt, als dass es ein Fachwerkbau mit Markthalle war, über Rüstkammer und Gefängnis verfügte und sich optisch nicht von der Größe der übrigen Häuser in Quakenbrück unterschied. Es sei „höchst baufällig und keiner Reparatur empfänglich“ gewesen, stellten der Magistrat der Stadt und Bürgermeister Anthon Schröder im März 1818 fest. Zehn Prozent der Baukosten brachte eine Sammlung in der 2000 Einwohner zählenden Stadt ein, was damals als „beredtes Zeugnis“ für „echten Bürgersinn“ und „große Opferwilligkeit“ nach der Zeit der französischen Herrschaft gewertet wurde.

Kein Abriss der „Hohen Pforte“

Ein Plan wurde jedoch nicht in die Tat umgesetzt: der Abriss der „Hohen Pforte“. Das letzte erhalten gebliebene Stadttor sollte ursprünglich die Steine für den Rathausneubau liefern. Das erwies sich als zu teuer und aufwendig.

200 Jahre nach dem Bau ist die Stadt Quakenbrück immer noch stolz auf ihr Verwaltungshaus – nicht zuletzt deshalb, weil es als das älteste als Rathaus errichtete Gebäude im Osnabrücker Land gilt.


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