Lieber Party als Pathos Bühne frei: 30 Jahre Theaterwerkstatt Quakenbrück

Von Bernard Middendorf

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Quakenbrück. Feierlich? Ja! Ernst? Mitnichten: Wenn eine – im besten Sinne des Wortes – „schillernde“ Einrichtung wie die Theaterwerkstatt einen runden Geburtstag feiert, darf man alles erwarten, nur keine trockenen Jubiläumsreden.

Und so gab es zwar durchaus Historisches, Bewegendes und auch „gebührenden“ Dank, aber über weite Strecken war Party angesagt. Die Ehrengäste taten das einzig Richtige: Sie fassten sich kurz – und feierten mit. Fantasiegestalten strichen durch die Gänge, luden Gäste zu Verkleidungen ein.

Bevor der heiß ersehnte Teil 2 mit dem Chorforum und dem rockigen Musikerforum Artland das Publikum in Ekstase versetzte, musste – logisch – der „offizielle“ Part über die Bühne gehen, aber der war keinesfalls Pflicht, sondern schon Kür. Meike Rump und Uwe Berning teilten sich vor vollen Rängen Mikro und Moderation: Der eine lustig, die andere locker, beide souverän. Applaus für ihr Statement, in dieser Region sei ein Format wie die Theaterwerkstatt etwas ganz Besonderes. Dank ging an die Eigentümerfamilie Niehoff und andere langjährige Unterstützer. Ehe jedoch der Flug durch drei Jahrzehnte sentimental zu werden drohte, erteilte Meike Rump den amüsierten Mitreisenden im Stil einer Stewardess „organisatorische Hinweise“ – und den Stadtoberhäuptern das Wort.

Im Zeitraffer durch eine wechselvolle Geschichte

Claus Peter Poppe durchstreifte mit Emma Weiß im Zeitraffer die Jahre ab 1988., lobte die „Urväter“ Stefan Heil und Arnold Beuke für ihre Vision. Er listete hartnäckige Mittäter wie Jürgen Zimmermann und Olli Borg auf, erinnerte daran, dass die Truppe anfangs ohne festes Domizil durch die Stadt tingelte. Sie habe in der Handelsschule und im alten AGQ-Gebäude gespielt, bis sie das ehemalige Bali-Kino entdeckt, mit großzügigen Zuschüssen restauriert und mit Bühne und Empore ausgestattet, das nun außer Schauspiel auch Tanz, Folk, Jazz, Rock- und Chormusik ermögliche.

Höhen und Tiefen einer solch wechselvollen Geschichte zu überstehen, könne nur funktionieren in einem ganz besonderen Freundeskreis. „Theaterverrückt“ sei die richtige Bezeichnung für denjenigen, der dafür unermüdlich und immer in leitender Position gearbeitet habe, sagte Poppe. Und dann kam doch noch Rührung auf: Der Beifall schwoll zum Orkan, als Stefan Heil auf der Bühne Urkunde, Präsent und Dankesworte entgegennehmen musste. Das war spürbar nicht sein Ding.

Eine lange Geburtstagsnacht nimmt ihren Lauf...

Das Moderatorenduo sprang ihm zur Seite, stellte fantasievolle Rätselfragen über verdienstvolle Teammitglieder wie Gundula von Sehlen, Ulrike Stratmann oder Oliver Franke, bis Lutz Penning und das Chorforum erste musikalische Highlihgts vertonten: „Tears in Heaven“ sangen sie, „Hit the Road, Jack“ von Ray Charles und natürlich den Ohrenschmaus „Ba- Ba- Banküberfall“, denn „Das Böse ist immer und überall“.

Die Rockgrößen des Musikerforums setzten noch eins drauf: Der Vorhang öffnete sich, im gleißenden Scheinwerferlicht bekannten Patrick, Ingo, Uwe, Wolfgang & Co. „I shot the Sheriff“, empfanden „Sympathy for the Devil“, flehten „Unchain my heart“ und „Wish you were here“. Klar, dass sie mit den Hits von Eric Clapton, den Stones, Joe Cocker und Pink Floyd im Laufe einer langen Geburtstagsnacht Begeisterung bei Besuchern auslösten, die teils schon seit dem Familiennachmittag ausharrten.


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