Tanzen als Therapie Tag der offenen Tür bei der Psychosomatik und Psychotherapie des Quakenbrücker Krankenhauses

10.09.2018, 17:55 Uhr
Tanz als Therapiekonzept: Franziska Hille (Vierte von links) ermutigte die Besucher, sich in der Bewegung als Teil des Ganzen zu erleben. Fotos: Bernard Middendorf

mi/pm Quakenbrück Verschiedenste Angebote zur Kreativtherapie waren Teil des Programms, das die Psychosomatik und Psychotherapie des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück (CKQ) am Tag der offenen Tür auf die Beine gestellt hatte. Nicht nur die Tanztherapie unter Leitung von Franziska Hille fand großen Zuspruch.

Ziel der Fachabteilung war ein Einblick in die Behandlungskonzepte und Räumlichkeiten am Christlichen Krankenhaus Quakenbrück. Ein Anliegen, bei dem neben Vorträgen und Führungen vor allem der Bereich Kreativtherapie auf lebhaftes Interesse stieß, war er doch – statt vom bloßen Zuhören – geprägt von Aktion und Interaktion.

In der Tanztherapie, erfuhren die Gäste, gehe es darum, über das Medium Tanz und Bewegung Veränderungsprozesse in Gang zu setzen. Schöpferische Kräfte würden geweckt, um Gesundung zu fördern. „Zwischen Himmel und Erde: Ich“ hieß es im getanzten Chinesischen Morgengruß. Dass man in der Bewegung – begleitet von Musik – Körper und Seele neu entdecken kann, erlebten die Teilnehmer unter einfühlsamer Anleitung von Franziska Hille. Die Tanztherapeutin vermittelte einen Einblick, wie man sich selbst als Teil des Ganzen erfährt. „Das hat mir viel gegeben“, bekannte ein Teilnehmer beim Verlassen des lichtdurchfluteten Raumes. Andere Therapieformen wie Kunst- oder Musiktherapie konnten Besucher ebenfalls aktiv miterleben.

Vielfältig war nicht nur das Programm, sondern auch das Publikum. Doch ob interessierte Laien oder Fachpublikum, Betroffene oder Ehemalige – Chefärztin Heike Weiss zog mit ihrem Einführungsvortrag alle Besucher in ihren Bann. Ausgehend von ihrem eigenen biografischen Hintergrund, der nach einem Studium der Geografie über das Studium der Humanmedizin und der Tätigkeit als Ärztin schließlich zur Psychosomatik führte, erläuterte sie die Besonderheiten der Psychosomatik. „Ich wurde als Ärztin immer mit dem Leid der Menschen konfrontiert, hatte aber während der Behandlung immer zu wenig Zeit, um eine Beziehung zum Patienten aufzubauen.“ In der Psychosomatik nehme man dagegen die Einzigartigkeit eines jeden Menschen und das Zusammenspiel von körperlichen und seelischen Komponenten in den Blick. Auch die soziale Komponente spiele eine große Rolle, wie Weiss am Beispiel der chronischen Schmerztherapie darlegte, die im CKQ interdisziplinär durchgeführt wird. „Der Schmerz steckt häufig in der Seele, dagegen helfen Medikamente oft nicht.“ Daher sei die Kenntnis der Lebensgeschichte Voraussetzung, um den Menschen zu therapieren. Weiss betonte auch, wie wichtig eine solide medizinische Ausbildung für die Tätigkeit in der Psychosomatik ist, um zu korrekten Diagnosen zu gelangen und die geeignete Therapie auszuwählen.

Dr. Eckhard Schiffer, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und bis 2009 Chefarzt der Psychosomatischen Medizin im CKQ, gab anschließend einen informativen und unterhaltsamen Einblick in die Geschichte der Psychosomatik im CKQ. So sei der Sommer 1978 sozusagen das „Zeugungsdatum“ der Psychosomatik gewesen. Damals hatte Schiffer die Leitung der Psychosomatik als verantwortlicher Arzt angenommen. Nach eineinhalb Jahren startete die Arbeit mit den Patienten in der Station 23 und der Ermächtigungsambulanz. Schiffer schilderte, wie dann die Abteilung nach und nach immer vielseitiger und einflussreicher wurde. Die Einrichtung einer Tagesklinik im Jahr 1992 sei übrigens in großem Maße dem Engagement einer ehemaligen Patientin zu verdanken, die sich bei den zuständigen Institutionen hierfür eingesetzt hatte, erklärte Schiffer.

„Bei meiner Arbeit sehe ich, dass Zeit und Bereitschaft zum Zuhören heute oft Mangelware ist. Dieses Privileg müssen wir uns erhalten, es ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Tätigkeit“, so Schiffer, der heute noch im MVZ Löningen tätig ist. Wesentlicher Teil der Therapie sei die schöpferische Entfaltung, die für die körperliche und psychosoziale Gesundheit unabdingbar sei. In Quakenbrück werde sie u. a. im sogenannten Zauberboden unter dem Dach der Psychosomatik mit Musik-, Kunst- und Tanzangeboten optimal umgesetzt. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausführungen galt der „Therapeutischen Gemeinschaft“ und dem besonderen Kommunikationsstil von Patient und behandelndem Team, der großen Einfluss auf die Genesung habe.

Die Eingliederung der Psychosomatik in ein Krankenhaus der Allgemeinmedizin wie in Quakenbrück habe den Vorteil der Entstigmatisierung der Patienten, führte Schiffer weiter aus. Große Vorteile lägen auch darin, dass die übrigen medizinischen Disziplinen mit den psychosomatischen Ansätzen der Therapie vertraut gemacht werden können. Im CKQ werde dies sehr erfolgreich in der interdisziplinären Schmerzkonferenz durchgeführt. Beim Blick in das Auditorium bemerkte Schiffer anerkennend, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beginn an im Team sind und dankte: „Diese Treue finde ich bemerkenswert.“

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