Buddha und deutsche Eichen Ehepaar Kano aus Japan seit 18 Jahren zu Gast im Artland

Von Miriam Heidemann

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Das Ehepaar Kano aus Nagano (Japan), hier mit Doris Meyer zu Devern, kommt seit 18 Jahren nach Badbergen. Foto: Miriam HeidemannDas Ehepaar Kano aus Nagano (Japan), hier mit Doris Meyer zu Devern, kommt seit 18 Jahren nach Badbergen. Foto: Miriam Heidemann

mihe Badbergen. Auf dem Hof Meyer zu Devern verbringen Jun und Yoshie Kano jedes Jahr die Sommermonate. Für das Paar aus dem japanischen Nagoya ist das Artland zu einer zweiten Heimat geworden. Nach einem Buch über das Artland gibt Künstler Jun Kano nun ein illustriertes Büchlein für deutsche Kinder heraus, das zum Japanisch lernen animiert.

Jun Kano und seine Ehefrau Yoshie verbringen auch in diesem Jahr ihren Sommer wieder im Artland. Seit 18 Jahren bewohnt das Paar für drei Monate eine Ferienwohnung auf dem Hof Meyer zu Devern in Badbergen. Von Mitte Juni bis Mitte September ist hier ihre zweite Heimat.

„Nature so beautiful“, schwärmt Jun Kano über die ländliche Atmosphäre auf dem Artländer Hof. Auf der Wiesenfläche vor Meyer zu Deverns Ferienwohnungen hat er sogar einen eigenen Garten angelegt, den er jeden Sommer akribisch instand hält. „Die Gartenarbeit macht ihm sichtlich Spaß und für uns ist es natürlich auch von Vorteil, denn er kümmert sich liebevoll um alles, mäht den Rasen und pflegt die Blumen“, erzählt Doris Meyer zu Devern über Kanos kleines Paradies auf ihrem Hof.

Deutsche Pflanzenpracht trifft japanische Gartenkunst

Der von Kano angelegte Garten ist eine Mischung aus deutscher Pflanzenpracht und der Ästhetik japanischer Gartenkunst. So ist die Rasenfläche mit verschiedenen rund-ovalen Beetflächen durchbrochen. Über mehrere Wege können so die Pflanzen und unterschiedlichen Ecken entdeckt werden. Hier lässt Kano seiner Inspiration freien Lauf: Stöcke, Baumrinde und feuergebrannte Hölzer formt er kunstvoll zu einem Beetkomplex. Auch ein Gemüsebeet findet sich, und überall sind kleine Buddha-Figuren aufgestellt. Der größte Buddha sitzt auf einem gefällten Baumstamm in einer kleinen Waldung. Der Garten sei sein Ort der Ruhe, erklärt der 78-Jährige, hier hole er sich Kraft und Inspiration für seine Malerei.

Das Malen ist Kanos großes Hobby, dem sich der einstige Physiklehrer verstärkt widmet. Ganz besonders faszinierten ihn schon früher die großen deutschen Bäume, die er häufig malte. In seiner Heimatstadt Nagoya nahm er an mehreren Ausstellungen teil und erhielt schon dreimal einen Preis für seine knorrigen, deutschen Bäume. Auch seine Erlebnisse im Artland hat Kano schon vor einigen Jahren in einem bebilderten Büchlein in Japan herausgebracht. Die eigenen Illustrationen mit Fachwerkhäusern und Artländer Landschaftseindrücken sind in japanischen Schriftzeichen erklärt.

Neues Buch: „Kennst du nippon Japan?“

Nun bringt er ein weiteres Büchlein heraus. „Kennst du nippon Japan?“, heißt es und ist ebenfalls von Künstler Kano selbst illustriert. Es richtet sich an deutsche Kinder und soll dazu animieren, japanisch zu lernen. Vorgestellt werden nicht nur japanische Begriffe und Schriftzeichen, auch die Eigenheiten der japanischen Kultur werden darin erläutert.

Es ist die weite Landschaft und die Nähe zur Natur, die Kano an seinem Artländer Sommer-Zuhause so gern habe. In seiner Heimat in Nagoya dagegen sei alles kleiner und sehr beengt. Zudem begeistern ihn die vielen Feste und norddeutschen Bräuche, die er den Sommer über mitbekomme. „Bei Feiern wie Geburtstagen und Schützenfest waren Kanos natürlich immer mit dabei. Und in Badbergen sind die beiden mittlerweile gut bekannt“, erzählt Meyer zu Devern lächelnd.

In Zukunft aus Altersgründen Kürzertreten

Der beste Weg, das deutsche Leben kennenzulernen, schließlich sei für längere Zeit bei Deutschen zu leben, weiß Kano. Wenn es um die zwei Kulturen geht, sieht der Japaner deutliche Unterschiede in der Lebensweise. „Germans enjoy life, Japan always working“, sagt Kano. Die Japaner arbeiteten immer viel, die Deutschen arbeiten auch, aber das sei für sie Arbeitszeit und dann gibt es Zeit, das Leben zu genießen, so Kanos Eindruck. „Das liegt vielleicht auch an den vielen Vereinen und sozialen Kontakten, die wir hier stärker pflegen“, gibt Meyer zu Devern aus deutscher Sicht zu bedenken.

Schon bald geht es für Jun und Yoshie Kano wieder zurück nach Japan. Es ist wohl das letzte Mal, das die beiden für drei Monate am Stück eine Ferienwohnung bei Meyer zu Devern mieten. Aus Altersgründen möchten sie in Zukunft kürzertreten, auch was die lange Reise nach Deutschland betrifft. Für Doris Meyer zu Devern ist die Zeit nach der Abreise ihrer japanischen Gäste immer mit einem merkwürdigen Gefühl verbunden, denn dann treffe sie das Paar nicht mehr jeden Tag hier im Garten. „Mit Asien hatten wir vorher nicht so viel zu tun“, gibt sie zu. „Aber da wächst man mit rein und das ist das Spannende daran: verschiedene Kulturen kennenzulernen.“


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