Woche der Diakonie Lebendiges Erzählcafé zum Thema „Stadt – Land – Schluss?“ in Badbergen

Von Bernard Middendorf

Meine Nachrichten

Um das Thema Samtgemeinde Artland Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Badbergen. Lebhaft, offen, humorvoll – all diese Attribute trafen zu beim Erzählcafé zum Thema „Stadt – Land – Schluss?“, zu dem die Badberger St.-Georg-Kirchengemeinde anlässlich der Woche der Diakonie ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus eingeladen hatte und sehr viele Besucher anlockte.

Natalia Gerdes, Leiterin des Diakonischen Werkes im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Bramsche, mit Pastor Jürgen Kuhlmann federführend für die Veranstaltung, freute sich über die Resonanz auf das Anliegen der Diakonie in Niedersachsen, die mit ihrem Jahresthema „Stadt – Land – Schluss?“ ergründen will: Wie leben die Menschen in der Stadt und auf dem Land? Welche Hilfen gibt es wo – und welche Standortvorteile ?

Dazu sollten typische Gegenstände mitgebracht werden. Die führten bald zu Erinnerungen, von Moderatorin Nora Ranft behutsam ans Tageslicht befördert. Sie sei in der Nachkriegszeit von Wuppertal nach Talge gezogen, schilderte die 91-jährige Charlotte Hermes. Vorteile der Stadt seien kurze Wege. Auf dem Land habe sie schnell alles gelernt, was man brauchte: „Es gab ja nichts.“

Stadttypischer Gegenstand sei für ihn eine Theaterkarte, fürs Land eine Mistgabel, fasste der pensionierte Lehrer Theo Kleiner sich kurz. Er habe in Ludwigshafen und Saarbrücken gewohnt, aber immer ländlich an der Peripherie: „Ich wollte beides!“ Kultur sei auch ein Dorffest. Das brachte ihm spontanen Beifall ein.

Den bekam auch Anita Gehrke, die mit ihren Schilderungen „op Platt“ Rückblicke und Gelächter erzeugte, bevor das Lied „Morning has broken“ möglicherweise eher Hoffnungen auf eine gute Zukunft hervorrief.

„Wo liegen Vor- oder Nachteile – und wo ist es schöner?“ fragte die Moderatorin. Antworten folgten prompt: Auf dem Land gebe es Tiere, jeder kenne jeden, und das verbinde. Land biete Heimat, sagte Kim, eine von vier jungen Leuten. Ihr Traumhaus hätte sie lieber auf dem Dorf, ihre Arbeitsstelle in der Stadt. Ein Jugendlicher aus Groß Mimmelage stellte klar, er fühle sich auf dem väterlichen Bauernhof wohl, aber auch die Großstadt biete Vorteile. Das sah eine Fachabiturientin – sicher mit Blick auf ein Studium – ähnlich. Ein gutes Straßennetz und „schnelles Internet“ lautete der Wunsch ihrer jungen Mitstreiterin.

Anlass und Ziel der Woche der Diakonie sind Fragestellungen wie: Was bewegt die Menschen auf dem Lande, was sind die Herausforderungen und Probleme? Ist diakonisches Handeln dort anders als in den Ballungszentren? Wer angesichts des Leitmotivs „Stadt – Land – Schluss?“ auch Klagen über soziale Schieflagen oder mangelnde Mobilität erwartet hatte, musste feststellen: Entweder ist auf dem Land die Welt noch in Ordnung – oder den am härtesten Betroffenen fällt es einfach zu schwer, in der Öffentlichkeit ihre Nöte und Existenzängste zu schildern. „Es ist sehr schwierig, diese Menschen zu erreichen. Manche anderen sozialen Dienste machen das schon gut, aber es gibt noch Lücken, die wir schließen möchten“, erklärte Natalia Gerdes. Ihr Dank galt allen Gästen, Helfern sowie Dieter Wrocklage, der am Klavier für den musikalischen Rahmen gesorgt hatte.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN