Besuch aus Israel Nachfahren der Familie Meyer auf Spurensuche in Badbergen

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Badbergen. Menschen, die mit einem Foto in der Hand ihre Blicke auf die Häuser rund um Marktplatz und St.-Georg-Kirche richten und etwas Bestimmtes zu suchen scheinen, trifft man in Badbergen nicht jeden Tag. Die Sprache, in der sie sich unterhalten, klingt für die Passanten fremd.

Doch fremd sind diese Menschen keineswegs: Es handelt sich um Raul Reinberg und seine Angehörigen, die extra aus Israel angereist sind, um das idyllische Dorf im Artland zu besuchen, in dem Carl Meyer, der Großvater von Raul, 1896 geboren wurde.

Emotionale Rede des Bürgermeisters

„Wir freuen uns, dass Nachkommen der jüdischen Familie Meyer, die hier in unserem Ort gewohnt hat, heute den Weg zu uns gefunden haben, und strecken Ihnen die Hand freundschaftlich entgegen mit dem Versprechen, dass unsere Generation alles tun wird, dass sich so etwas wie der Nationalsozialismus, der auch Ihrer Familie viel Leid zugefügt hat, nicht wiederholen wird“, hatte Badbergens Bürgermeister Tobias Dörfler die Gäste aus Israel zusammen mit Vertretern des Arbeitskreises Stolpersteine in einer sehr emotionalen Rede begrüßt.

Stolpersteine vor dem Heimathaus erinnern an die Familie Meyer

Zuvor hatten die Reinbergs, die in Begleitung des Bramscher Autors Dieter Przygode gekommen waren, der die Geschichte der Familie Meyer erforscht und in einem Buch niedergeschrieben hatte, die vor dem Heimathaus verlegten zehn Stolpersteine zur Erinnerung an die Familie Meyer mit ernster Miene betrachtet. „Wir sind sehr dankbar, dass wir die Gelegenheit haben, den Ort zu besuchen, an dem unsere Vorfahren gelebt haben“, erklärt Ronny Reinberg für seinen Vater auf Englisch. Als Geschenk überreichen sie eine Chamsa, eine schützende Hand, die vor bösen Einflüssen schützen soll. Die jüdische Familie Meyer wohnte seit Anfang des 20. Jahrhunderts an der Bahnhofstraße in Badbergen, die damals eine schmale Gasse zwischen dicht bebauten Fachwerkhäusern war, dort, wo sich heute der Parkplatz befindet. Anhand eines Bildes, das Raul Reinberg dabei- hatte, gelang es dem Bürgermeister und seinen Mitstreitern schließlich, den genauen Standort des Hauses Meyer zu lokalisieren, das 1934 abgebrannt war.

Totengebet auf dem Friedhof in Grothe gesprochen

Anschließend fuhr der Tross zum jüdischen Friedhof in Badbergen-Grothe. Am Grabstein von Sophie Meyer, die 1935 in Badbergen verstorben war, sprach Raul Reinberg das Kaddisch, das jüdische Totengebet. Er las dazu aus dem etwas zerfledderten Original-Gebetbuch seines Ur-Großvaters David Meyer. Zum Abschluss wartete auf die Israelis noch eine Überraschung: Hinter Efeuranken konnte der Doppelgrabstein von Benjamin Frank und seiner Frau Minna freigelegt werden, den Ur-Ur-Großeltern von Raul Reinberg. „Es war für mich eine sehr emotionale Begegnung, die ich noch lange in mir tragen werde“, fasste Bürgermeister Dörfler seine Eindrücke zusammen.


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