Artlanddorf mit „neuem Gesicht“ Badberger feiern auf runderneuerter Hauptstraße

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Badbergen. Straßen verbinden Menschen und Orte, sie verändern sie aber auch. Die Hauptstraße in Badbergen ist dafür ein gutes Beispiel: Binnen weniger Jahre wandelte sie sich von der viel befahrenen Bundesstraße zur beschaulichen Dorfallee. Sie gibt Badbergen ein neues Gesicht.

An diesem Sonntag ist es die Hauptstraße, die die Badberger auf die Straße treibt. Einige Hundert Besucher sind am Vormittag dabei, als die umgestaltete Verkehrsader offiziell ihrer Bestimmung übergeben wird.

Umgestaltung „Jahrhundertprojekt“, erstes Daerpfest „Meilenstein“

Nicht nur Bürgermeister Tobias Dörfler findet, dass das ein Grund zum Feiern ist. Der verkehrsberuhigte Ausbau der früheren Bundesstraße 68 ist für ihn ein „Jahrhundert-Projekt“, der gezeigte Gemeinsinn und der Zusammenhalt aller Vereine, Verbände, Nachbarschaften und Cliquen bei der Organisation des ersten Badberger Daerpfestes ein „Meilenstein“ und ein „denkwürdiger Tag“. „Hier rückt heute etwas zusammen, das habe ich so noch nicht erlebt“, ist der erste Bürger Badbergens hörbar stolz auf das Artlanddorf. „So geht Badbergen, so geht Landleben“, bringt er es auf den Punkt. Sein Wunsch für die Zukunft: „Wenn jeder nach seinen Möglichkeiten seinen Beitrag leistet, dann entsteht etwas Tolles.“

Ökumenische Andacht

Die kleine Feierstunde auf dem kleinen Kirchplatz hatte mit einer ökumenischen Andacht begonnen, die Pastor Jürgen Kuhlmann als Vertreter der St.-Georg-Gemeinde und Diakon Johannes Brinkmeyer für die St.-Marien-Gemeinde hielten. Jürgen Zimmermann und der Chor Mirliton sorgten für passende musikalische Zwischentöne. Der Refrain eines Liedes – „Das Neue ist das Hier und Jetzt, Himmel und Erde bekommen ein neues Gesicht“ – schien wie auf Badbergen gemünzt: Die neue Hauptstraße hat das Artlanddorf sichtbar verändert.

Planerin: Harmonische und konstruktive Anliegerversammlung

Dorfplanerin Stephanie Janning vom Planungsbüro IPW stellte fest: „Diese Straße erlaubt wieder ein soziales Leben.“ Das sei anders gewesen in den Jahrzehnten, als der überregionale Verkehr sich durch die schmale Dorfmitte quälte.

„Das kann ja heiter werden“, habe sie zunächst im Dezember 2015 gedacht, als ihr Büro mit der Planung beauftragt worden sei. Was sie meinte, waren die Debatten und Diskussionen im Gemeinderat über Gestaltung und Finanzierung des Projektes. Davon sei aber in den folgenden Jahren keine Rede mehr gewesen: „Ich habe selten eine so harmonische und konstruktive Anliegerversammlung erlebt“, sagte die Diplom-Ingenieurin. Sie dankte ausdrücklich allen Beteiligten, allen voran den unmittelbar betroffenen Anliegern für ihre Geduld und Ausdauer und der Firma Stegemann, die das Bauprojekt zwischen April 2017 und April 2018 routiniert umgesetzt habe. „Das war sportlich. Nun kann der Ort zu neuem Leben erwachen“, wünschte sich Stephanie Janning.

Landesbeauftragter: Das war eine wertvolle Förderung

Anerkennung zollte auch Franz-Josef Sickelmann den Badbergern. Der Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung in Weser-Ems erinnerte daran, dass die Bundesstraße die Ortsentwicklung viele Jahre behindert habe. Mit einem Zuschuss von rund einer Million Euro aus der Dorferneuerung gehöre die abgeschlossene Umgestaltung der Hauptstraße zu den größten Projekten des Amtes für regionale Landesentwicklung. „Das war eine wertvolle Förderung“, sagte er, denn das Dorferneuerungsprojekt habe auch viele private Initiativen ausgelöst. Dass es im Vorfeld durchaus Kontroversen und Diskussionen gebe, sei normal. „Sobald ein Vorhaben umgesetzt wird, stellt sich große Zufriedenheit ein.“ Überdies sei Badbergen ein gutes Beispiel, das zeige, wie wichtig die Förderung der Kommunen im ländlichen Raum auch in Zukunft sei. Diese stünden angesichts von Digitalisierung und Demografie vor großen Herausforderungen und bedürften weiter der Unterstützung .

Bürgermeister wünscht sich „erfolgreiche Zukunft für Badbergen“

Die Liste derer, denen Bürgermeister Tobias Dörfler dankte, war lang. Besonders hob er die Anwohner hervor. Es sei gelungen, dass das Projekt auch aus ihrer Sicht gut gelaufen sei – „dank Rücksicht, Fingerspitzengefühl und Kompromissbereitschaft auf allen Seiten“. Das „größte Dankeschön“ ging an die Kaufmannschaft, „die am meisten gelitten hat“, weil Geschäfte nur schwer erreichbar gewesen seien, was zu weniger Umsatz und „schlaflosen Nächten“ geführt habe. Zum Schluss wünschte sich Dörfler eine „erfolgreiche Zukunft für Badbergen“. Die könne erreicht werden, „wenn wir alle zusammenrücken“. Dann eröffnete er das erste Daerpfest auf der Hauptstraße. Deren Umgestaltung und der Bau der Ortsumgehung dienten zwar der Beruhigung des Dorfkerns, sie sollten aber auch für Leben im Ort sorgen.


Die Hauptstraße in Zahlen

Als Dorfplanerin hatte Stephanie Janning noch einige Zahlen parat: 25 Bäume stehen in der Hauptstraße, 100 Rosenbüsche wurden gepflanzt und 620 Bodendecker. Mehr als 1000 Narzissen bringen die Hauptstraße im kommenden Frühjahr zum Leuchten. 27 Straßenlaternen sind montiert und mehr als 100000 Klinkersteine – alte wie neue – verlegt worden. Es gab 50 Baubesprechungen, und alleine die Firma Stegemann habe rund 14500 Arbeitsstunden geleistet. Dazu kommen die Arbeitsstunden der Firmen, die die Gas-, Wasser- und Stromleitungen verlegten. cg

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