Freiwilligendienst in Afrika Nortruperin arbeitet ein Jahr lang in einer Kita in Pretoria

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Von Nortrup nach Pretoria: Am Mittwoch bricht Rica Kamper nach Südafrika auf. Dort wird sie ein Jahr lang leben und arbeiten. Foto: Rolf KamperVon Nortrup nach Pretoria: Am Mittwoch bricht Rica Kamper nach Südafrika auf. Dort wird sie ein Jahr lang leben und arbeiten. Foto: Rolf Kamper

Nortrup. Es ist die bisher weiteste Reise ihres Lebens: Am Mittwoch fliegt Rica Kamper für ein Jahr nach Südafrika. In Pretoria absolviert die 19-jährige Nortruperin ihren Freiwilligendienst in einer Kindertagesstätte.

Nach dem Abitur ein Jahr als Freiwillige nach Afrika – als Rica Kamper ihren Eltern von den Plänen für die Zeit nach der Schule berichtet, sind die erst einmal wenig begeistert. Afrika – das klingt nach Abenteuer, Exotik, aber eben auch nach Krisen, Krieg und Armut. „Gerade deswegen“, begründet die 19-Jährige ihre Wahl. „Wir wissen viel zu wenig über den Kontinent, anders als über die USA oder Australien, und da wollte ich nicht hin. Etwas Exotisches sollte es schon sein.“ Ein bisschen Abenteuerlust und viel Neugier sind also auch im Spiel.

Eltern mit guten Argumenten überzeugt

Eine Freundin, die es ebenfalls nach Afrika gezogen hatte, machte sie auf das Programm „Weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und den Verein Friends e.V. aufmerksam. Sie kehrt in diesen Tagen nach Nortrup zurück und hatte Rica Kamper regelmäßig über ihre Arbeit in einer Kindertagesstätte berichtet. Das stärkte deren Entschluss, sich zu bewerben, und mit guten Argumenten überzeugte sie letztlich auch ihre Eltern. „Sie hätten mir das ohnehin nicht ausreden können“, lächelt sie.

Ziel: Lebenswertes Umfeld für arme Bevölkerung schaffen

In Pretoria, der 740.000-Einwohner-Stadt 60 Kilometer nördlich von Johannesburg, betreut der Verein Friends mit einer Partnerorganisation vor Ort mehrere Projekte. „Inkululeko“ heißt eines, zu dem sich Kirchengemeinden zusammengeschlossen haben und das sich in einem Stadtteil Pretorias um die Betreuung von Kindern und Jugendlichen kümmert. Ziel ist es, ein lebenswertes Umfeld für die überwiegend arme Bevölkerung zu schaffen. Morgens werden Kinder in einer Kita betreut. Spiel und Spaß stehen für die Jüngsten im Vordergrund, während die Drei- bis Sechsjährigen auf die Schule vorbereitet werden. Nachmittags kümmern sich die Betreuer mit den Freiwilligen um die Sechs- bis Zwölfjährigen, organisieren Freizeitangebote und die Hausaufgabenbetreuung. Auf den Kontakt mit Menschen freut sich Rica Kamper besonders, auch auf das Land und die Kultur. „Ich glaube, ein Aufenthalt in Afrika erdet und befördert das Nachdenken über den Überfluss im eigenen Umfeld.“ Vor allem aber will sie zwölf Monaten herausfinden, ob sie einen sozialen Beruf ergreifen will.

Zusage im November 2017

Seit November weiß die Nortruperin, dass es am Mittwoch losgeht. An den Tag der Zusage erinnert sie sich genau. „Da konnte ich nicht mehr klar denken“, lächelt die 19-Jährige. Inzwischen liegen „viel Papierkram“ für das Visum, ein Besuch in der Botschaft Südafrikas in Berlin und einige Vorbereitungsseminare hinter ihr. Sie hat viel gelernt über Südafrika, über die politischen Verhältnisse, die Menschen und die Projekte. In Bad Honnef traf sie auch auf die anderen Bewerber, die mit ihr nach Pretoria fliegen und mit ihr in einer Wohngemeinschaft leben werden. Die sind zwischen 18 und 25 Jahre alt und kommen aus allen Teilen Deutschlands. Das Schöne: „Die Mentalität untereinander ist ähnlich, wir verstehen uns gut“, sagt Rica Kamper, die hofft, während ihres Aufenthalts auch das eine oder andere von Südafrika sehen zu können.

Im Notfall hilft die Sprach-App

Angst, sich nicht verständigen zu können und sprachlos zu bleiben, hat sie nicht trotz elf verschiedener Amtssprachen. „Englisch geht immer, und zur Not gibt es das Handy mit Sprach-App.“ Etwas Sorgen macht sie sich angesichts des begrenzten Gepäcks – 23 Kilogramm plus Handgepäck sind erlaubt. „Uns wurde gesagt, dass wir für einen dreiwöchigen Urlaub packen sollen.“ Auf alle Fälle legt sie die 20 Briefe ihrer Freunde in den Koffer. Sie haben ihr gute Wünsche mit auf den Weg gegeben – für Momente, in denen ihr Nortrup fehlt oder sie traurig ist. Von ihnen hat sich Rica Kamper vor einigen Tagen verabschiedet. „Das war schon ein komisches Gefühl, denn jetzt wird es ernst.“ Aber dank E-Mail und Whatsapp wird sie ihre Clique auf dem Laufenden halten. Das Smartphone hilft, die 10.000 Kilometer zwischen Nortrup und Pretoria zu überwinden, es macht die Welt zum Dorf.

In unserer Serie „E-Mail aus . . .“ wird Rica Kamper in den kommenden Monaten über ihre Arbeit berichten.

Informationen im Internet: www.friends-tlf.de


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