Supersommer fordert Badteam Quakenbrücker Schwimmmeister zieht es am liebsten in die Berge

Von Christian Geers und Gesa Hustede

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Seit die große Hitze vorbei ist, kann Quakenbrücks Schwimmmeister Andreas Weirich durchatmen. Der Stress der vergangenen Sommerwochen geht dem Ende entgegen. Bald beginnt die Saison im Hallenbad.Foto: Gesa HustedeSeit die große Hitze vorbei ist, kann Quakenbrücks Schwimmmeister Andreas Weirich durchatmen. Der Stress der vergangenen Sommerwochen geht dem Ende entgegen. Bald beginnt die Saison im Hallenbad.Foto: Gesa Hustede

gehu/cg Quakenbrück. Wenn Andreas Weirich im Quakenbrücker Hallen- und Freibad einen Hut trüge, würde er ihn ziehen – nach diesem Sommer, der die Menschen landauf landab wochenlang brutzelte und zur Abkühlung in die Bäder trieb. So voll war es in den Becken und auf den Liegewiesen schon lange nicht mehr. Den nicht vorhandenen Hut würde er ziehen vor der Leistung seiner 25 Kollegen in den Bädern Quakenbrück und Nortrup. „Die haben alle wunderbar mitgezogen.“ Oft war es eine Arbeit am Limit.

Volle Becken bedeuten viel Arbeit für diejenigen, die sich um Sicherheit und Aufsicht kümmern und für den ungetrübten Badegenuss der Gäste sorgen müssen. Die ihren Blick übers Wasser schweifen lassen und am besten schon im Voraus ahnen müssen, wo Hilfe benötigt wird. „Das ist schon eine hohe Verantwortung, die wir haben“, sagt Andreas Weirich. Der Quakenbrücker, der gebürtig aus Hannover stammt, aber seit mehr als 30 Jahren in der Region lebt, weiß, wovon er spricht. Er hat den Job von der Pike auf gelernt, begann einst als Schwimmmeistergehilfe – heute lautet die korrekte Bezeichnung Fachangestellter für Bäderbetriebe –, machte seinen Schwimmmeister und arbeitet seit 1995 in Quakenbrück. Heute ist er Betriebsleiter der Bäder in Quakenbrück und Nortrup, die von der Artland-Bäderbetriebsgesellschaft, einer Tochtergesellschaft der Samtgemeinde Artland, geführt werden.

Kontakt mit Menschen macht Reiz des Berufes aus

„Ich wollte immer mit Menschen zu tun haben“, begründet er seine Berufswahl. Viele Schwimmer kennt er in Quakenbrück inzwischen persönlich. Der Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen ist es, was für ihn noch heute den Beruf ausmacht – mit allen positiven wie negativen Erlebnissen. Manchmal wundert sich Weirich, wie nachlässig und sorglos sich Eltern während des Freibadbesuchs um ihren Nachwuchs kümmern. Immer wieder treffen er und sein Team auf unbeaufsichtigte kleine Kinder.

Eltern haben Handy im Auge statt ihre Kinder

Gerade an Tagen mit hohen Besucherzahlen ist es unmöglich, auf alle zu achten. „Die Eltern liegen meistens auf der Liegewiese und schauen auf ihr Handy, anstatt ihre Kinder im Auge zu behalten“, erzählt Weirich. Oftmals würde auch den älteren Geschwistern im Alter von elf oder zwölf Jahren die Verantwortung zum Aufpassen übertragen. „Die Eigenverantwortung der Eltern fehlt.“ Und manche Eltern glaubten offenbar, dass im Eintrittspreis auch die Betreuung der Kinder inklusive ist. Im Freibad sind immer eine Fachkraft und zwei Rettungsschwimmer vor Ort. „Wir können unsere Augen nicht überall haben. Die Eltern müssen auch auf ihre Kinder aufpassen.“ Trifft Andreas Weirich unbeaufsichtigte kleine Kinder an, geht er mit ihnen zu den Eltern und versucht, ihnen deutlich zu machen, dass es so nicht geht. Allerdings seien Eltern oft nicht einsichtig.

Hitze geht an die Substanz

Der Hitzesommer hat sich inzwischen verabschiedet und für Normalbetrieb in den Bädern gesorgt. An diesem Morgen ist das Bad fast leer, nur wenige kühlen sich im Wasser ab. Das dauerhaft heiße Wetter ging auch bei den Schwimmbad-Mitarbeitern an die Substanz. „Je voller es ist, desto schwieriger wird es auch, das unübersichtliche Freibad in Ruhe zu kontrollieren“, sagt Weirich. Neben der Aufsicht gehören auch die Kontrolle der Technik sowie Reinigungsarbeiten zu seinen Aufgaben. Über das tolle Wetter freuen er und seine Kollegen sich natürlich trotzdem. „So einen Sommer habe ich hier als Schwimmmeister noch nicht erlebt“, sagt er. Von rund 180 Badetagen im Freibad pro Jahr gebe es sonst meist nur 20 gute, „in diesem Jahr waren es höchstens 20 schlechte Tage, wenn überhaupt“.

Open-Air-Saison in Quakenbrück endet am 2. September

Die Open-Air-Saison in Quakenbrück endet am Sonntag, 2. September, in Nortrup erst eine Woche später. Solange können Neptuns Jünger sich dort erfrischen, während das Quakenbrücker Hallenbad vorbereitet wird für die kalte Jahreszeit. Ab Montag, 9. September, hat es regelmäßig geöffnet. Überstunden und Urlaub baut das Mitarbeiterteam vornehmlich in den Herbst und Wintermonaten ab. Bleibt am Schluss noch die Frage, wo ein Schwimmmeister am liebsten Urlaub macht? „Ans Wasser zieht es mich dann nicht. Eher in die Berge“, lächelt Andreas Weirich.


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