Gut für Vielfalt in der Feldflur Jägerschaft Bersenbrück wirbt für ihr Blühstreifen-Programm

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Es summt und brummt in diesem Blühstreifen am Rande eines Spargelfeldes in Badbergen, den Martin Meyer Lührmann, Klaus Overbeck und Thomas Lammerding (von links) in Badbergen besichtigten. Er gehört zu den 95 Hektar, die Landwirte im Altkreis Bersenbrück in diesem Jahr angelegt haben. Foto: Christian GeersEs summt und brummt in diesem Blühstreifen am Rande eines Spargelfeldes in Badbergen, den Martin Meyer Lührmann, Klaus Overbeck und Thomas Lammerding (von links) in Badbergen besichtigten. Er gehört zu den 95 Hektar, die Landwirte im Altkreis Bersenbrück in diesem Jahr angelegt haben. Foto: Christian Geers

Altkreis Bersenbrück. Es grünt und blüht an vielen Ackerrändern im Altkreis Bersenbrück. Gut 95 Hektar Blühstreifen haben Landwirte zusammen mit der Kreisjägerschaft Bersenbrück in diesem Jahr angelegt. Es könnten aber noch viel mehr sein, sagt Kreisjägermeister Martin Meyer Lührmann.

Die Sonnenblumen, die in einem mehrere Meter breiten Streifen am Rande des Spargelfeldes im Badberger Wohld stehen, haben die Hitze der vergangenen Wochen gut überstanden. Bienen und Hummeln sitzen auf den Blütenkelchen, es summt überall, und die bunten Blüten fallen sofort ins Auge. Für Kreisjägermeister Martin Meyer Lührmann, den Vorsitzenden der Kreisjägerschaft Bersenbrück Thomas Lammerding und Klaus Overbeck, Vorsitzender des Hegerings Badbergen-Quakenbrück, ist das ein passender Ort, um zu zeigen, dass Ökologie und Ökonomie in der Landwirtschaft einander nicht ausschließen. Dieser Blühstreifen gehört zu den gut 95 Hektar, die Landwirte mit Unterstützung der Kreisjägerschaft in diesem Jahr angelegt haben. Senf, Buchweizen, Klee und Sonnenblume wachsen und gedeihen hier und sind aus ökologischer Sicht sehr wertvoll, wie Meyer Lührmann erläutert. In den Grünstreifen kann sich Wild wie Fasan und Rebhuhn zurückziehen, gerade Bodenbrüter wie die Feldlerche können hier geschützt ihre Küken aufziehen. Viele Insekten wie die Biene finden hier den Sommer über ein auskömmliches Nahrungsangebot. „Und es dient der Vielfalt in der Feldflur. Das größte Artensterben findet derzeit in der Agrarlandschaft statt“, sagt er.

Region mit hoher Veredelungsdichte

2013 legte die Kreisjägerschaft Bersenbrück ein Programm auf, mit dem sie die Blühstreifen an Äckern seither finanziell fördert. Sie zahlt das Saatgut und Einsaatzuschüsse, um die Landwirte als Partner zu gewinnen. Die Jäger reagierten damit auf den zunehmenden Anbau von Mais in einer Region mit hoher Veredelungsdichte und einer Vielzahl von Biogasanlagen. Die Folgen: Monokulturen sind auf Dauer eine Gefahr für die Artenvielfalt, eine ausgeräumte und vermaiste Landschaft kaum attraktiv. Deshalb wird die Kreisjägerschaft nicht müde, für ihr Blühstreifenprogramm zu werben.

Kompliziertes Antragsverfahren

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass das nötig erscheint. 133,5 Hektar finanziell geförderte Blühstreifen gab es 2013, 2018 sind es exakt 95,3 Hektar. In den Jahren schwanken die Zahlen. Den Höchststand an Blühstreifen gab es 2014 (146,3 Hektar), die wenigsten Blühstreifen 2016 (81 Hektar). Die Bereitschaft der Landwirte, sich an diesem freiwilligen Naturschutzprojekt zu beteiligen, sei gesunken, wie der Kreisjägermeister bilanziert. Das habe aber vornehmlich an den komplizierter gewordenen Antragsverfahren gelegen. „Seit 2017 sind Blühstreifen als Jagdschneise am Mais ganz einfach zu beantragen, damit steigt auch wieder die Akzeptanz, so Meyer Lührmann. Allerdings: Kaum auf Interesse stießen bei Landwirten gerade in Westniedersachsen finanziell geförderte Blühflächen, weil dafür der Dungnachweis wegfalle. Im Altkreis Bersenbrück legen Landwirte den Zahlen zufolge Blühstreifen auch auf schlecht zu nutzenden Flächen an, zum Beispiel am Waldrand oder entlang eines Gewässers. „Die Mehrzahl entscheidet sich aber für die Jagdschneise am Maisacker. „Dadurch hat der Landwirt keine Einschränkungen in der GAK-Förderung und beim Dungnachweis“, sagt der Kreisjägermeister.

Meyer Lührmann: Auch Verpächter sind in der Pflicht

Zusammen mit Thomas Lammerding und Klaus Overbeck ist er sich einig, dass die Kreisjägerschaft weiterhin für ihr Naturschutzprojekt werben muss. Viele Landwirte zeigten Interesse und seien bereit, etwas für die Umwelt zu tun. Die Zusammenarbeit sei gut, es könne aber auch immer noch ein bisschen mehr sein. „Wenn jeder an der einen oder anderen Maisfläche einen schönen Randstreifen anlegen würde, wäre unsere Landschaft bunter und das Ansehen der Landwirte noch besser“, ist Martin Meyer Lührmann überzeugt. Er sieht aber auch die Verpächter landwirtschaftlicher Flächen in der Verantwortung, „die sich angesprochen fühlen sollten“. Sie könnten den Landwirten entgegenkommen und die Pacht auf Flächen mit Blühstreifen mindern. So könne die Preisspirale gestoppt werden, der sich landwirtschaftliche Betriebe neben stets steigenden Auflagen ausgesetzt sähen. „Hier sind alle Akteure gefragt.“

Wichtiger Lebensraum für Insekten

Dass Blühstreifen ein wichtiger Lebensraum für Insekten sind, darauf weisen die Jäger immer wieder hin. „Das Problem des Artensterbens der Feldfauna werden wir damit aber nicht lösen“, stellt der Kreisjägermeister klar. Die Flächen seien zwar ein Raum, in dem junge Rebhühner, Fasanen und Hasen ihre Nahrung fänden, „aber wir können den Bestandsrückgang, der seit 2007 eingesetzt hat, damit nicht aufhalten“. Dennoch werde sich die Kreisjägerschaft, wo immer es gehe, für die Vielfalt in der Feldflur einsetzen. „Es ist möglich, mit einfachen Mitteln unsere Landschaft ein bisschen bunter und vielfältiger zu machen“, sagt Martin Meyer Lührmann.


Blühstreifenprogramm

Die Kreisjägerschaft Bersenbrück setzt das 2013 begonnene Blühstreifenprogramm weiter fort. Sie trägt die Kosten für das Saatgut, die Hegeringe vor Ort kümmern sich, wenn gewünscht, um die Einsaat. Der Blühstreifenanteil an Maisfeldern (Mais mit Bejagungsschneise) darf nicht größer als 25 Prozent der Gesamtfläche sein. Der Blühstreifen sollte mindestens 2,5 Meter breit sein und vorrangig auf Flächen mit intensivem Maisanbau angelegt werden. Der ökologisch wertvollste Blühstreifen ist laut Kreisjägerschaft jedoch in der freien Feldmark. cg

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