Gäste sicher auf die Schiene bringen Unterwegs mit dem Quakenbrücker Draisinenbetreuer

Von Alexandra Lüders

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Jürgen Behrens weist Gäste aus Osnabrück in die Bedienung der Clubdraisine am Quakenbrücker Bahnhof ein. Foto: Alexandra LüdersJürgen Behrens weist Gäste aus Osnabrück in die Bedienung der Clubdraisine am Quakenbrücker Bahnhof ein. Foto: Alexandra Lüders

Quakenbrück. Seit 15 Jahren können Touristen auf der alten Bahnlinie zwischen Quakenbrück und Fürstenau kräftig in die Pedale treten. Draisinenfahrten sind beliebt. Fast genauso lange begleiten Jürgen Behrens und Jens Bußmann als Draisinenbetreuer die Ausflügler.

„Als ich im Winter 2005/2006 als Draisinenbahnhofs-Vorsteher diese Arbeit begonnen habe, hat niemand diese Entwicklung erwartet“, erinnert sich der gelernte Kfz-Mechaniker und Industriegeräte- und Feingerätetechniker Jürgen Behrens. Zunächst war der 56-Jährige nur in Teilzeit tätig, um die Strecke zu warten. „Heute sind rund 15.000 bis 18.000 Gäste pro Jahr mit den Draisinen unterwegs. Dieser Freizeitspaß lockt insbesondere Clubs und Familien an“, sagt der Quakenbrücker. Er betreut die Strecke von Quakenbrück nach Badbergen-Vehs.

Sein Kollege Jens Bußmann in Bippen ist Handwerksmeister und begleitet die Draisinenfahrer von Bippen aus in Richtung Nortrup und Fürstenau. Auch er hat vor zehn Jahren zunächst mit der technischen Wartung und Instandhaltung der Gefährte begonnen. Größere Defekte repariert er in seiner Werkstatt, wo er auch ein rollendes Zwischenstück für Rad- und Clubdraisinen gebaut hat. Viele Gäste kommen aus Holland, Nordrhein-Westfalen, aber auch aus dem nahen Umfeld wie dem Emsland, aus Osnabrück und dem Oldenburger Münsterland. Aber die beiden Bahnhofsvorsteher haben schon Gäste aus aller Welt betreut. Seit zehn Jahren begleitet Jens Bußmann die Besucher, die von Bippen nach Fürstenau auf der hügeligen Strecke mit neun Raddraisinen, drei Club- und einer Handhebeldraisine Richtung Nortrup vor allem in den deutschen Ferienzeiten unterwegs sind.

„Die Leute wollen bespaßt werden“

Ein externer Caterer liefert Kulinarisches zu den gewünschten Orten wie auf den Hof Specker in Nortrup. „Die Leute wollen bespaßt werden, am beliebtesten sind die Clubdraisinen mit vier Radplätzen“, berichtet Jürgen Behrens. „An Familientagen sind die Fahrraddraisinen gefragt. Wer sich sportlich betätigen will, nimmt gern die Handhebeldraisine.“ Die vier Kilometer lange Strecke führt von Quakenbrück nach Badbergen-Vehs, wo ein kleiner Fußmarsch zum Rastplatz beim Ahrenhorster Edelfisch endet. Bevor die Gruppe ihre Rückfahrt antritt, wird sie je nach Wunsch und Tageszeit von Behrens Frau Andrea mit Gegrilltem oder einer Brotzeit verwöhnt. Einige Gäste bringen ihre eigene Verpflegung mit.

„Die meisten reagieren positiv auf die kurze Streckenlänge, denn in den Pausen spielen sie noch Boule oder Wikingerschach und erkunden am Abend die Quakenbrücker Innenstadt. Manche kombinieren ihren Draisinenausflug auch mit einer Spaßräder-Tour zum Swingolf-Platz auf Gut Vehr“, verweist Behrens auf ein abwechslungsreiches Angebot der Hasetal-Touristik. Seit drei Jahren verleiht Behrens an der Hasetaler Radfahrstation im ehemaligen Getränkehandel neben der Firma Bölo auch sechs Spaßräder.

Klärende Worte bei Junggesellenabschieden

In diesem Jahr sei der Saisonstart wetterbedingt schon früher als sonst gewesen. Selbst wenn er die Temperaturen dieses Sommers eher grenzwertig findet, sei die Resonanz bei den Gästen sehr hoch. Denn die Fahrten können ähnlich wie die E-Bikes elektronisch unterstützt werden. Auch die Bahnhofsnähe seiner Draisinenstation habe sich als Vorteil erwiesen, weil die Gäste gern mit der Nordwestbahn oder mit Bussen anreisten.

In zwölf Jahren hat Behrens gelernt, selbst schwierige Situationen professionell zu meistern. An manchen Tagen würden zeitgleich mehrere Fahrten mit den drei Club-, der Handhebel- oder den fünf Raddraisinen gebucht, sodass es zu Konflikten auf der Strecke oder am Pausenplatz kommen könne. „Speziell bei Junggesellenabschieden muss ich schon mal ein klärendes Wort sprechen. Im Prinzip macht die Gästebetreuung aber viel Spaß. Auch die geforderte Eigenständigkeit und die Flexibilität sind für mich immer wieder eine reizvolle Herausforderung“, lacht Jürgen Behrens und stürzt sich in die nächste „Schlacht“. Denn für ihn und seinen Kollegen Bußmann ist die Arbeit als Bahnhofsvorsteher mehr als nur ein Job, der neben der Routine auch für Überraschungen auf den Schienen sorgt. Wie beispielsweise umgefallene Bäume und ein Auto, das die Feuerwehr bei einer Nachtübung dort geparkt hatte.


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