Serie „Die Kunden und ich“ Autoverkäufer über Rabatte, esoterische Kunden und einen Todesfall

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Andreas Ripke verkauft seit 20 Jahren Autos – mittlerweile ist er beim Quakenbrücker Autohändler „Auto Böcker“ beschäftigt.  Foto: BöckerAndreas Ripke verkauft seit 20 Jahren Autos – mittlerweile ist er beim Quakenbrücker Autohändler „Auto Böcker“ beschäftigt. Foto: Böcker

Quakenbrück. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 17: ein Autoverkäufer.

Andreas Ripke verkauft seit 20 Jahren Autos – mittlerweile ist er beim Quakenbrücker Händler „Auto Böcker“ beschäftigt. Im Interview spricht der 52-Jährige über unentschlossene Kunden, Streit zwischen Ehepartnern beim Autokauf und einen tragischen Todesfall.

Herr Ripke, haben Frauen tatsächlich weniger Ahnung von Autos?

Das nicht unbedingt, aber Frauen fragen nach anderen Sachen und haben einen anderen Fokus. Ihnen sind vor allem Farbe und Innenausstattung wichtig. Sitzheizung und Rückfahrkamera müssen schon dabei sein. (Weiterlesen: Quakenbrücker DJ über Helene Fischer, betrunkene Gäste und coole Küsse)

Und worauf achten Männer besonders?

Ihnen sind zum Beispiel 18- oder 19-Zoll-Felgen wichtig. Felgen sind Männern ganz, ganz wichtig. Männer achten sehr auf Leistung und Getriebe. Frauen fragen dagegen eher selten danach.

Wie schnell hat der schnellste Kunde hier ein Auto gekauft?

Vor drei Wochen kam ein Kunde um 18.05 Uhr in den Laden mit einem Ausdruck von mobile.de. Ein Kollege hat ihm das Auto gezeigt, anschließend wollte er die Akte zu dem Wagen holen. Als er zurück kam, hatte der Kunde ihm schon 30.000 Euro auf den Tisch gelegt. Um 18.15 Uhr ist er mit dem Auto vom Hof gefahren.

Der Kunde wollte das Auto noch nicht einmal Probe fahren?

Nein, noch nicht einmal das. Er hat sich das Auto nur kurz angeschaut und hat gemeint, das alles passen würde. Der Kollege war dann schon etwas verblüfft. Normalerweise ist das Geschäft mühseliger (lacht). (Weiterlesen: Quiz: Wie gut kennen Sie Fürstenau?)

Welche Kunden finden Sie sehr anstrengend?

Das Schlimmste sind unentschlossene Kunden, die keine konkrete Vorstellung haben und einzeln kommen. Zuerst kommt der Mann vorbei und schaut sich ein paar Autos an, irgendwann stößt dann die Frau dazu und will etwas komplett anderes. Sie sind sehr unentschlossen und wollen zig Autos Probe fahren. Teilweise wollen sie dann 17 Autos testen. Da muss man ihnen ab einem gewissen Punkt schon sagen, dass sie jetzt mal eine Entscheidung treffen müssen.

Irgendwann reißt bei Ihnen dann also schon der Geduldsfaden...

Ja, schon. Besonders nervig ist es, wenn man den Kunden 17 Autos zeigt – und man sie dann ein paar Tage später mit dem Auto eines anderen Händlers rumfahren sieht, der den Wagen vielleicht für 100 Euro weniger abgegeben hat. Natürlich zieht sich ein Autokauf meist etwas hin. In der Regel hat man schon über einen Zeitraum von einer Woche an jedem Tag Kontakt mit dem Kunden. Fünf Autos gucken sich die Kunden schon an, ehe sie sich für eines entscheiden. Das ist aber auch verständlich. Eine Küche kauft man ja auch nicht innerhalb von zwei Minuten. (Weiterlesen: Quakenbrücker Juwelierin über Reiseklobürsten und dreistes Feilschen)

Gibt es häufig Streit zwischen Partnern beim Autokauf?

Der wird eher zu Hause ausgetragen (lacht). Aber es ist schon mal vorgekommen, dass ein Mann hier ein tiefergelegtes Coupé gekauft hat und mit dem Auto nach Hause fuhr. Am nächsten Tag hat er angerufen und gemeint, dass er das Fahrzeug wieder abgeben müsse, wenn er mit seiner Frau weiterhin verheiratet sein möchte. Die wollte nämlich lieber ihren SUV behalten, den er bei uns in Zahlung gegeben hatte. Da das Coupé dann schon zugelassen war, musste er 5000 Euro für den Autotausch wegen der nicht mehr ausweisbaren Mehrwertsteuer und der zusätzlichen Eintragung im Kfz-Brief zahlen. Das war der härteste Fall. Hat er aber anstandslos gemacht. Die Ehe hält bis heute (lacht).

Versuchen die Kunden häufig, zu feilschen?

Vor zehn Jahren war das noch gang und gäbe. Aber durch den Internethandel haben wir eine absolute Preistransparenz. Das wissen wir und das wissen die Kunden. Dadurch haben wir keinen großen Verhandlungsspielraum mehr. Früher hat man meistens 500 Mark auf den Preis draufgeschlagen, weil man wusste, dass man den Kunden die Summe als Rabatt geben kann. Heute geht das nicht mehr. Wenn wir das Auto jetzt 500 Euro teurer machen würden, würde das Fahrzeug auf Verkaufsplattformen wie mobile.de auch schlechter auffindbar sein, weil es teurer als andere vergleichbare Modelle ist. Mittlerweile können wir kaum noch 200 Euro als Rabatt geben, weil wir schon am Limit sind. (Weiterlesen: Ankumer Fahrlehrer über Handys, Nervosität und das Chaos in Osnabrück)

Einen gewissen Verhandlungsspielraum gibt es aber doch noch, oder?

Wir reden hier vielleicht über 100 Euro, ein paar Fußmatten oder eine Tankfüllung. 1000 Euro gehen aber nicht mehr. Diese Zeiten sind vorbei.

Können Sie sich an besonders dreiste Kunden erinnern?

Es kommt vor, dass Kunden sich realitätsferne Preise in den Kopf setzen. Häufig wollen sie auch noch 3000 Euro mehr für ihr altes Auto, als es eigentlich noch wert ist. Wenn wir dann sagen, welcher Preis realistisch ist, werden solche Kunden schon recht ausfällig. Schlimm ist es, wenn sie uns deshalb auf Online-Portalen schlecht bewerten und uns dadurch erpressen wollen.

Wie sehr hat das Internet den Autokauf verändert?

Massiv. Wir könnten in der Größe nicht bestehen, wenn wir das Internet nicht hätten. Vor 15 Jahren sind die Leute zu den Autohändlern im Umkreis von 50, 60 Kilometern gefahren und haben die Fahrzeuge genommen, die dort auf dem Hof standen. Heutzutage schaut jeder bei den einschlägigen Internetseiten nach und sucht sich das Auto aus, was er haben will. Die Kunden kommen daher teilweise sogar aus dem Allgäu oder aus dem Ausland zu uns. Inzwischen schicken wir den Kunden auch Fotos oder Videos zu. Das war früher nicht möglich. Die Preistransparenz führt zudem dazu, dass wir mit den Kunden weniger verhandeln. Das kann nämlich manchmal ziemlich unangenehm sein. Aber durch das Internet können wir den Kunden direkt zeigen, dass unsere Preise fair und marktgerecht sind. (Weiterlesen: Fürstenauer Florist über Valentinstage und verzweifelte Männer)

Wie häufig beschweren sich Kunden nach dem Autokauf noch, weil ihnen doch etwas nicht passt?

Das ist Tagesgeschäft. Wir stecken nicht in den Autos drin. Klar kann es mal vorkommen, dass sie im Betrieb dann Macken aufweisen, die bei uns vorher nicht aufgetreten sind. Dafür gibt es aber Garantien. Wenn der Kunde allerdings die Scheibe von innen mit einem Diamantring sauber macht und dadurch die ganze Frontscheibe verkratzt, können wir diese nicht mehr ersetzen (lacht).

Das ist tatsächlich vorgekommen?

Ja, ist es. Als wir der Kundin dann sagten, dass Diamant härter als Glas ist, war das Thema vom Tisch. Das war aber schon eine sehr kuriose Situation. (Weiterlesen: Quakenbrücker Friseurin über den Vokuhila, nervöse Bräute und Hygiene)

Gibt es noch weitere Geschichten, an die Sie sich wohl noch in 30 Jahren erinnern werden?

Einmal ist ein Kunde auf unserem Parkplatz in den Armen meines Kollegen gestorben. Das war eine ganz tragische Geschichte. Der Kollege hat dann eine Stunde lang geweint und war fix und fertig. Der Mann hatte einfach einen Herzinfarkt erlitten. Ich kann mich aber auch an eine nicht so traurige Geschichte erinnern, die ich wohl nie vergessen werde.

Erzählen Sie...

Es war mal eine Kundin hier, die sehr esoterisch angehaucht war. Sie hat jeden Gebrauchtwagen ausgependelt – innen und außen. Wir haben die Wagen in einer Reihe aufgestellt und die Frau dann etwas in Ruhe gelassen. Mit dem Pendel hat sie sich dann für ein Auto entschieden. Das war schon sehr lustig.


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