150 Jahre Schützenverein In Menslage wird Jubelschützenfest gefeiert

Von Lena Kolde


Menslage. Vor mittlerweile 150 Jahren wurde in Menslage der Schützenverein gegründet. Das traditionelle Fest wird dieses Wochenende auf dem Schützenplatz am Rüskenbrink gefeiert. Zeit, einmal zurückzublicken.

Im Jahr 1868 entschlossen sich auch die Menslager, einen Schützenverein zu gründen, nachdem es diesen schon in anderen Ortschaften des Kirchspiels, beispielsweise in Klein Mimmelage und Hahlen, gab. Die Hoffnung von Vereinen, Gruppen und Verbänden lag in diesen Jahren vor allem auf dem Ziel einer nationalen Einheit. Nachdem im Jahr 1866 das Land Hannover eine preußische Provinz wurde, schien diese Hoffnung immer realistischer.

Wunsch nach Lebensfreude

Außerdem führte der Wunsch nach Lebensfreude und einem geselligen Leben zur Gründung der Schützenvereine, heißt es in der Festschrift von 1968. Die Schilder der Königskette weisen darauf hin, dass die Gründungsmitglieder des Vereins aus allen Ortschaften des Kirchspiels kamen, diese Verteilung der Mitglieder hat sich bis heute erhalten. Zunächst waren die Vereine jedoch vor allem als Männergesellschaften gedacht, zu denen nur gelegentlich die Frauen hinzukamen. Das veranstaltete Fest mit Tanz im August zählte aber schon damals zum Höhepunkt des Jahres.

Auch Damen erwünscht

Auf dem Schützenball waren aber auch die Damen erwünscht. Spätere Anregungen führten außerdem dazu, dass jeder König auch eine Königin wählen sollte, damit das Interesse der Frauen am Fest nochmals steigt. Der Schützenball wurde zunächst in den zwei ortsbekannten Gaststätten gefeiert: im Saal König und im Saal Bodemann. Erst nach der Neugründung des Vereins 1950 feierte man in einem Zelt in Meyers Holz. Laut Protokoll hatten die Schützen schon 1898 beschlossen, dass die Möglichkeit zur Einrichtung einer Kegelbahn überprüft werden soll, die dann ebenfalls zur Unterhaltung während des Festes diene. Das daraufhin erbaute „Hexenhäuschen“ mit Kegelmöglichkeit ist bis zum Jahr 1992 im Meyerholze und bis heute auf dem Schützenplatz am Rüskenbrink erhalten geblieben.

Strenge Regeln

1913 einigte sich der Vorstand schließlich darauf, dass das Schützenfest an zwei Tagen gefeiert werden sollte, damit die Proklamation des neuen Königs am zweiten Tag stattfinden konnte. Damals allerdings noch mit dem Hintergrund, dass der König, wenn er am zweiten Festtag nicht mehr erschien, den Anspruch auf die Königswürde verlor. Allgemein gab es im Vergleich zu heute strengere Regelungen, so findet sich 1901 im Protokoll das Strafgeld für das Fehlen beim Antreten, das 25 Pfennig betrug.

Nach dem Einschnitt durch den 1. Weltkrieg feierte der Verein das 50-jährige Jubelschützenfest 1922. Der Bericht über diese Feier ließe sich schon als Ankündigung für dieses Wochenende verstehen. So gab es auch vor fast 100 Jahren schon einen Marsch mit den Nachbarvereinen durch das mit Eichengrün geschmückte Dorf, so wie es zum 150. Jubiläum auch wieder geplant ist.

Seit 1924 auf den Adler

Wurden bisher die Schützenkönige nach den besten Schießergebnissen auf der Scheibe ermittelt, so schoss man ab 1924 auf den noch heute bekannten Adler, der als Symbol für Kraft und Entschlossenheit gilt. Ab 1931 führte der damalige Vorstand die Schützenjoppe mit Hut ein. Nach der folgenden Gleichschaltung in der Nazi-Zeit und dem 2. Weltkrieg entschloss man sich 1949 für die Neugründung des Schützenvereins. Erst neun Jahre später stand der Entschluss fest, dass nun auch die Königin am Schützenfesttag mit der Kutsche abgeholt werden soll.

Neuer Platz zum Jubiläum

Passend zum 125-jährigen Jubiläum 1993 wurde schließlich der neue Schützenplatz „Auf dem Rüskenbrink“ eingeweiht. Zu dieser Zeit hingen an der Königskette bereits 106 Schilder, die ein Gewicht von 3,5 Kilogramm aufbrachten. Mittlerweile dürften es somit um die 130 Schilder sein. Bedeutende Ereignisse sind in Teilen der Kette eingraviert, so wie beispielsweise 1954/55 die Einweihung des wieder errichteten Kirchturms und der Wiederaufbau des Schießstandes. Zum damaligen Jubelschützenfest wurde das Adlerschießen schließlich auch nicht mehr mit dem Luftgewehr, sondern mit einer Armbrust veranstaltet. Höhepunkt war hier ebenfalls der Festumzug vom Sportplatz ausgehend mit zehn Musikvereinen. Wolfgang Peglow schoss schließlich den Rumpf ab und wurde somit Jubiläumskönig 1993.

Königsschuss für Frauen

Der Königsschuss war den Frauen „aus Gründen der Traditionspflege“ lange verwehrt, 2014 wurde dieser Passus schließlich gestrichen und somit erlang noch im selben Jahr Susanne Recknagel als erste Frau die Königswürde durch das aktive Mitschießen.

Kurze Zeit später, im Jahr 2016, führte der Verein schließlich auch das Jugendkönigschießen ein. Hier ernannte Michael Behling, Präsident des Schützenvereins, Rieke Imping zur ersten Jugendkönigin von Menslage.

Sternmarsch zum Sportplatz

Für das 150-jährige Jubiläum ist ebenfalls wieder ein Jugendkönigsschießen am Samstagnachmittag geplant. Auch der Nachfolger des großen Königs Friedel Kernkamp mit Königin Andrea Kernkamp wird an diesem Tag ermittelt. Der Kinderkönig, den es im Verein seit 1921 gibt, wird am Sonntagnachmittag ausgeschossen.

Zunächst treffen sich aber am späten Freitagnachmittag 24 Gastvereine und drei Blaskapellen zum Festmarsch durch das geschmückte Dorf, um schließlich auf dem Schützenplatz die 150 Jahre alte Tradition zu feiern.


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