Manche mögen‘s dunkel Neue Fledermausbeauftragte plant Führungen im Nordkreis

Von Alexandra Lüders


Quakenbrück/Altkreis Bersenbrück. Fledermäuse gibt es seit 50 Millionen Jahren. Doch in den vergangenen 50 Jahren wären die Nachtschwärmer fast ausgerottet worden, wenn nicht Naturschützer wie die neue Nabu-Fledermausbeauftragte des Artlandes Pia Oswald sich für ihr Überleben einsetzen würden.

Nach fünf Schulungen in Oldenburg, Meppen und Bremerhaven ist die Quakenbrückerin zur Fledermausbeauftragten avanciert. Die Biologin will in dieser ehrenamtlichen Funktion Führungen zum Thema anbieten, denn im Osnabrücker Nordkreis leben mehrere verschiedene Fledermausarten.

„Bei meinem Gelbbauchunkenprojekt bin ich auch ins Gespräch über Fledermäuse gekommen und habe mich dann für eine Teilnahme an speziellen Schulungen des Naturschutzbundes entschlossen“, berichtet Pia Oswald, die zurzeit an der Uni Bielefeld über den Feuersalamander promoviert. Neben ihren Studien hat sie außerdem viel über die Biologie der Fledermäuse, deren Artenschutz, Rechtsaspekte und die Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema gelernt.

Biologin Pia Oswald lädt ein zur „Fledermauspirsch“

Das möchte Pia Oswald gern in Führungen weitergeben, wenn ihre Doktorarbeit es zeitlich erlaubt. „Ich werde bei den Führungen Infomaterial verteilen und spezielle Geräte wie den Fledermausdetektor ausleihen, um die Rufe für die Teilnehmer hörbar zu machen“, freut sich Pia Oswald schon auf diese Aufgabe. Sie will auch spezifische Flugmuster der Fledermäuse zeigen, um einzelne Arten voneinander unterscheiden zu können. „Auch ihr Vorkommen an verschiedenen Orten und ihre Quartiere helfen bei der Artenbestimmung“, verweist die Biologin auf enge Zwischenräume, kleinste Ritzen in Holzverschalungen, frostfreie Keller, Bunkeranlagen, Dachböden sowie leer stehende Häuser und Kirchen. Andere Arten würden dagegen Quartiere in Baumhöhlen bevorzugen.

Die Führungen in Quakenbrück plant sie am Deichsee beim Artland-Gymnasium Quakenbrück und an der Haseallee Richtung Schützenhof, wo sie Wasserfledermäuse vermutet. Erste Erfahrungen will Oswald zunächst mit Testgruppen sammeln, die sie in der Dämmerung auf der „Fledermauspirsch“ begleiten.

Gerhard Mäscher: 16 verschiedene Arten im Landkreis

Aber gibt es in unserer Region überhaupt noch genug der nachtaktiven, nützlichen Säugetiere, um sie erforschen und beobachten zu können? „Der Nordkreis ist in Bezug auf das breite Fledermausspektrum echt spannend“, erklärt Gerhard Mäscher zu diesem Thema. Der Fledermaus-Regionalbetreuer des Landes Niedersachsen für Stadt und Land Osnabrück hat in 30 Jahren eine Arbeitsgemeinschaft für Fledermäuse aufgebaut und kennt sehr viele Winter- und Sommerquartiere (Wochenstuben) sowie Jagdbiotope der Tiere im Landkreis Osnabrück. „Unsere Fledermausarten werden alle drei bis sechs Jahre gezählt, Telemetrie genannt“, so Gerhard Mäscher. Die Europäische Union wolle so den Erhaltungszustand dieser Tiere überwachen. Fledermäuse würden als Indikatoren für die Ausstattung von geeigneten Lebensräumen gelten. Die Anzahl und Vielfalt der Fledermäuse sage sehr viel über ein Gebiet aus.

Von den 16 Fledermausarten im Landkreis Osnabrück – 25 gibt es in Deutschland insgesamt – seien auch mehrere Arten im Nordkreis beheimatet, berichtet Gerhard Mäscher. Beispielsweise lebten im Gewölbegang der Fürstenauer Schlossinsel das Braune Langohr und Wasserfledermäuse. Weiterhin fänden die standorttreuen, besonders schutzbedürftigen Bechsteinfledermäuse in der Maiburg in Bippen ein ideales Terrain, um zu überleben. Die sehr wendigen Flugkünstler jagten Insekten übrigens erst, wenn es im Wald stockfinster geworden ist. Feuchte Eichen-Buchenwälder seien ein ideales Jagdrevier für die seltenen, im Verborgenen lebenden Nachtschwärmer.

Appell des Fledermaus-Regionalbeauftragter: Mehr Totholz stehenlassen

Wie Gerhard Mäscher weiter berichtet, bewohnen der große Abendsegler – eine südeuropäische, baumbewohnende Fledermausart – und die Bechsteinfledermaus mit Vorliebe große Baumhöhlen des Schwarzspechtes, wie sie unter anderem auch in Berge zu finden sind. Im Gemäuer und im Kreuzgang des Stiftes Börstel haben überdies Fransen- und Zwergfledermäuse seit Jahrhunderten ihr zu Hause.

Begeisternd erzählt Gerhard Mäscher von einer Fledermausnacht im Kreuzgang des Stiftes, die das Artland-Gymnasium organisiert hat. Sein größter Wunsch: „Die Landesforsten sollten als Vorbild dienen und in Flora-Fauna-Habitat-Gebieten mehr Totholz stehen lassen. Das wäre zudem gut für den Hirschkäfer.“


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