Natürlicher Nachwuchs statt Besatz Sportfischer legen Laichzonen in Quakenbrück an

Von Bernard Middendorf


Quakenbrück. Baggerarbeiten und Lkw-Fahrten sind ab sofort am Feriensee zu beobachten – ein Eingriff auf Zeit, der langfristig der Natur auf die Sprünge helfen soll: Der Fischereiverein Quakenbrück lässt zwei große Laichzonen am nördlichen Seeufer in der Nähe der Dinklager Straße anlegen.

„Wir hoffen, dass sie von den Tieren schnell angenommen werden“, sagt Wolfgang Rötker. 2100 Kubikmeter Erde müssen bewegt werden, um die Pläne zu realisieren. Sie kommen dem Bürgerradweg in Badbergen zugute.

Symbolischer Spatenstich

Rötker ist nicht nur Gewässerentwicklungsplaner, sondern auch 1. Gewässerwart des Sportfischereivereins Quakenbrück (SFVQ). Er steht mit Leib und Seele hinter dem Projekt, genau wie der 1. Vorsitzende Michael Abeln und sein Vorstandsteam, für die sich ein Traum erfüllt . Bürgermeister Matthias Brüggemann und Mitglieder des Rates waren geladen, als Unternehmer Franz-Josef Otte die Baggerarbeiten startete. Ein feierlicher Moment – auch ohne symbolischen ersten Spatenstich.

Dem Beschluss des Rates im Frühjahr 2017, am Nordufer des Sees zwei je 800 qm große Flachwasserlaichzonen zu genehmigen, ließ der Verein wenige Monate später ein Anschreiben an den Fachdienst Umwelt des Landkreises Osnabrück sowie einen Antrag folgen, der das Vorhaben detailliert beschrieb: Der Feriensee habe zwar derzeit noch gute Fischbestände, die Vermehrung der einzelnen Arten sei jedoch durch morphologischer Defizite eingeschränkt. Es fehlten Flachwasserzonen mit üppiger Ufer- und Unterwasservegetation, die sich schnell erwärmen.

Wechselfeuchte Uferzonen fehlen

Der Grund: Die Stauhaltung des Feriensees. Konstante Wasserhaltung und Wellenschläge verhinderten die Entwicklung. Stark schwankende Wasserstände und grundwassergeprägte Abbaugewässer mit wechselfeuchten Uferzonen fehlten vollständig. Der See werde permanent mit relativ kühlem Hasewasser versorgt und die insgesamt noch großen Wassertiefen wirkten aufgrund der bestehenden Zirkulation einer Entwicklung sommerwarmer Flachwasserzonen entgegen.

Voraussetzungen, die eine natürliche Vermehrung bisher sehr erschweren. Künstlicher Besatz als „Gegenmittel“ ist nicht das Mittel der Wahl, denn die Jungtiere überleben nur teilweise. „Zucht ist immer riskant. Besätze werden schnell dezimiert, zum Beispiel durch eingeschleppte Krankheiten, die nie ganz zu verhindern sind“ erklärt Wolfgang Rötker. „Wir hoffen, dass die Laichzonen wie andernorts schnell von Fischen und Amphibien angenommen werden“ ist auch der Wunsch von Michael Abeln.

Naherholungsgebiet erhalten

Bürgermeister Brüggemann wies zu Beginn der Arbeiten auf die Funktion des Feriensees als Naherholungsgebiet hin, die auf jeden Fall erhalten bleiben soll. Die werde nur temporär ein wenig eingeschränkt, verspricht der Verein. Über einen neu verrohrten Grabenabschnitt an der Ostseite und einen befestigten Weg wird die Erde abtransportiert,, die sogar einem „gemeinnützigen“ Anliegen dient: Der Sand wird beim Bürgerradweg in Wehdel verarbeitet. „Eine gute Sache für die Natur“ nannte Ratsmitglied Andreas Henemann das Projekt: „Das Engagement des Sportfischereivereins kann man nur würdigen.“

Spaziergänger können weiter den See umwandern, wenn – wie geplant – Mitte nächsten Jahres die ersten Jungfische die Laichzonen bevölkern.


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