Lkw erfasste Rentner im Mai 2017 Prozessauftakt nach tödlichem Unfall in Quakenbrück

Von Holger Schulze

Vor dem Amtsgericht Bersenbrück hat der Prozess gegen einen 62-jährigen Berufskraftfahrer begonnen. Er muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Symbolfoto: dpa/Matthias HiekelVor dem Amtsgericht Bersenbrück hat der Prozess gegen einen 62-jährigen Berufskraftfahrer begonnen. Er muss sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Symbolfoto: dpa/Matthias Hiekel

Bersenbrück/Quakenbrück. Vor dem Amtsgericht Bersenbrück muss sich ein 62-jähriger Berufskraftfahrer wegen fahrlässiger Tötung verantworten. Er hatte im Mai 2017 in Quakenbrück einen 79-jährigen Radler erfasst und tödlich verletzt. Das Gericht hat auch einen Ortstermin anberaumt, weil es keine direkten Augenzeugen gibt.

Ein tödlicher Zusammenstoß zwischen einem Lkw und einem Radfahrer beschäftigt die Strafrichterin am Amtsgericht Bersenbrück. Am 27. Mai 2017 erfasste ein 62-jähriger Berufskraftfahrer in der St.-Annen-Straße in Quakenbrück im Bereich der Unterführung einen damals 79-jährigen Radfahrer beim Abbiegen mit seinem Sattelzug. Trotz sofortiger professioneller Erstversorgung erlag der Radfahrer im Krankenhaus wenig später seinen Verletzungen. Fahrlässige Tötung lautete der Anklagevorwurf.

Angeklagter: Die Kreuzung war frei, ich habe nichts gesehen

„Die Kreuzung war frei, ich habe nichts gesehen. Nur ein einziger Pkw war auf der gesamten Fahrbahn zu sehen“, ließ sich der Angeklagte am ersten Verhandlungstag zur Sache ein. Erst aufgrund eines Geräusches war er auf den Vorfall aufmerksam gemacht worden und sah dann im Rückspiegel ein Fahrrad auf der Straße liegen. Abgelenkt sei er nicht gewesen, er habe sich auch ganz auf das Verkehrsgeschehen konzentriert. Auf dem parallel verlaufenden Fahrradweg sei auch niemand gewesen. Er habe niemanden gesehen und wisse auch nicht, wo der Radfahrer hergekommen sei, schilderte der Angeklagte die Situation mit dem tragischen Ende. Auch auf Fragen des Staatsanwaltes, ob er ausschließen könne, den Radfahrer übersehen zu haben, blieb er bei seiner Einlassung, niemanden gesehen zu haben.

Radler lag schwer verletzt hinter dem Lastwagen

Der zuerst als Zeuge angehörte Polizeibeamten fand den Radfahrer sehr schwer verletzt, hinter dem Lastwagen liegend, vor. Direkte Augenzeugen seien nicht vorhanden gewesen, so der Polizist. Seine Kollegin gab im Wesentlichen die Schilderungen ihres Kollegen wieder. Ihr Eindruck war der, dass der Angeklagte „super“ hinsichtlich der Erstversorgung gehandelt habe.

Woher kam der Radfahrer?

Von einem Sachverständigen erhofften sich die Prozessbeteiligten Aufklärung darüber, ob der Radfahrer sich im Sichtfeld des Angeklagten befunden haben könnte, bevor er vom Lkw erfasst wurde. Anhand zahlreicher Berechnungen kam das Gutachten zu dem Schluss, dass man zwar nicht sicher sagen könne, woher der Radfahrer gekommen sei. Bei beiden verbleibenden Varianten befand sich der Radfahrer jedoch im unverdeckten Sichtbereich des Lkw-Fahrers durch die Windschutzscheibe, und das Unfallgeschehen sei auch im Übrigen vermeidbar gewesen, so das Ergebnis des Gutachters.

Gutachter der Verteidigung meldet Zweifel an

Hiergegen meldete der Verteidiger, der sich bei der weiteren Befragung des Gutachters durch einen zum Prozess mitgebrachten Sachverständigen unterstützen ließ, ganz erhebliche Bedenken an. Hatte doch der Anwalt selbst am nächsten Tag nach dem Unfall mit einem baugleichen Lkw seines Bruders mehrere Konstellationen feststellen können, bei denen ein Radfahrer vom Führerhaus aus gesehen durch die A-Säule sowie einen Spiegel verdeckt gewesen war.

Gericht verschafft sich selbst einen Eindruck

Zu diesen Einwänden wird jetzt am Mittwoch, 8. August, ab 10 Uhr an der Unfallstelle während eines Ortstermins Beweis erhoben.


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