Ratsbeschluss umgesetzt Stadt Quakenbrück baut öffentliches WC auf Neuem Markt ab

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Quakenbrück. Das stille Örtchen in der hintersten Ecke des Neuen Marktes ist abgebaut. Damit hat die Verwaltung einen Beschluss des Stadtrats ausgeführt. Der hatte sich mehrheitlich gegen einen Neubau und für einen Abriss ausgesprochen.

Eine etwa zwei mal vier Meter große Lücke klafft am Rande des Neuen Marktes, aus dem Betonfundament ragen nur noch Abflussrohre, Wasserleitung und ein Stromkabel – das ist übrig geblieben von der öffentlichen Toilettenanlage. Bereits zu Beginn der vergangenen Woche hatten Mitarbeiter des Bauhofes der Samtgemeinde Artland alle Leitungen der WC-Anlage gekappt, am Samstagmorgen schließlich nahmen Mitarbeiter des Bauhofes und Quakenbrücker Firmen die Fertigbauteile an den Haken, wie Karl-Heinz Wellinghorst, Leiter des Bauhofes der Samtgemeinde Artland, berichtete.

Die Verwaltung führte damit einen Beschluss des Rates aus, sagte Frank Wuller, stellvertretender Stadtdirektor, auf Anfrage unserer Redaktion. Mit der Verabschiedung des Haushaltsplanes 2018 im Dezember hatte der Rat auch das Ende der öffentlichen Toilettenanlage besiegelt und sich gegen einen Neubau ausgesprochen. Diesen aber hatte die Verwaltung vorgeschlagen und deshalb eine Summe von 200.000 Euro in den Etatentwurf „eingepreist“. Als Grund hatte das Gebäudemanagement auf den dringenden Sanierungsbedarf der WC-Anlage mit den beiden Unisex-Toiletten und dem Pissoir hingewiesen.

Sanitäres Schmuckstück wurde 1999 aufgestellt

1999 hatte die Stadtverwaltung das öffentliche WC aufgestellt. Die Toilette war damals ein sanitäres Schmuckstück, 220.000 D-Mark kostete das Konstrukt, das damals ein echter Hightech-Lokus war, zählte Frank Wuller im Frühjahr 2017 die einstigen Vorzüge der Toilette auf. „Es handelte sich um eines der ersten Modelle von sich selbst reinigenden Toilettenanlagen europaweit.“ Die Technik hatten sich französische Ingenieure ausgedacht, die damals offenbar konkurrenzlos war, selbst deutsche Klosett-Tüftelei reichte nicht an die der Franzosen heran.

Doch nach fast zwei Jahrzehnten im Dauerbetrieb hat auch die Technik der „Grande Nation“ ihre maximale Lebensdauer überschritten. Wuller legte Wert auf die Feststellung, dass die Toiletten funktionstüchtig gewesen seien und sich „in einem gepflegten Zustand“ befunden hätten, „natürlich mit Abnutzungserscheinungen, die dem Alter entsprechen“. Mechanik und Elektronik aber machten in der jüngsten Vergangenheit immer wieder Zicken, deren Reparatur immer schwieriger wurde, weil es die passenden Ersatzteile nicht mehr gab. Doch den Mitarbeitern des Bauhofes sei es immer wieder gelungen, „die Anlage gängig zu machen“, lobte Wuller. Der stellvertretende Verwaltungschef rechnete aber schon im Frühjahr 2017 mit dem Schlimmsten, nämlich dem endgültigen Ausfall des „stillen Örtchens“.

Neubau würde 200.000 Euro kosten

Still wird es in der hinteren Ecke des Marktplatzes nahe dem Friedhof der St.-Marien-Gemeinde wohl auch werden. Einen neuen Hightech-Lokus wird es erst einmal nicht geben. Die Kosten von 200.000 Euro waren dem Stadtrat zu teuer – 40 Quadratmeter Nutzfläche stünden in keinem Verhältnis zu den Anschaffungskosten in sechsstelliger Höhe, hieß es. Stattdessen hatten die Fraktionen die Aktion „Nette Toilette“ als Alternative ins Spiel gebracht. Dabei erklären Gastronomen und Einzelhändler sich vertraglich bereit, ihre Toilette während der Öffnungszeiten zur Verfügung zu stellen. Für diesen Service erhalten sie einen Zuschuss zu den Reinigungskosten .

Eine solche Vereinbarung gibt es in Quakenbrück bisher nicht. Doch eine Lösung für ein allzu menschliches Bedürfnis hat die Stadt vor allem für Touristen bereits gefunden. Gruppen, die mit einem Stadtführer unterwegs sind, können das WC im Franziskushaus am Marktplatz nutzen. Die Stadtführer haben einen Schlüssel. Außerdem stehen das Rathaus und auch das Stadtmuseum zur Verfügung, wenn einem WC in dringenden Momenten höchste Aufmerksamkeit zuteilwird.


„Nette Toilette“

Die Aktion „Nette Toilette“ soll auf eine Idee der Stadt Ahlen aus dem Jahr 2000 zurückgehen. Das Prinzip funktioniert so: Gastronomen und Händler erklären sich vertraglich bereit, ihre Toiletten während der Öffnungszeiten der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Sie ergänzen oder ersetzen damit das bestehende Angebot an öffentliche WCs in der Stadt. Betriebe, die sich an der Aktion beteiligen, sind an einem roten Aufkleber zu erkennen: Auf diesem ist ein stilisiertes Gesicht, dessen Augen zwei Nullen darstellen, zu sehen. Die Vorteile für die Kommune: Sie spart Geld für die Anschaffung neuer WC-Anlagen und unterstützt die Gastronomen bei der Pflege ihrer Toiletten. Außerdem könnten sie mit neuen Gästen rechnen. Touristen und Besucher hätten die Gewähr, dass sie bis spätabends saubere und gepflegte Toiletten aufsuchen könnten. cg

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