Gemeinwesenprojekt gestartet Im Bauwagen auf Tour durch die Quakenbrücker Neustadt

Von Christian Geers


Quakenbrück. Das Projekt „Wir für die Neustadt“ soll alle Bewohner im Stadtteil ins Gespräch bringen, das Miteinander stärken und so bei der Lösung bestehender Konflikte und Probleme mitwirken. Es geht um die Hilfe zur Selbsthilfe. Ein umgebauter Bauwagen dient als mobiles Stadtteilbüro.

„Wir für die Neustadt“ ist ein Gemeinwesenprojekt, das – im besten Soziologen-Deutsch formuliert – den Blick „ganzheitlich auf die Lebenszusammenhänge von Menschen richtet“. Einfach gesagt, es hat alle Menschen in der Neustadt im Blick, gleich welcher Herkunft und Nationalität, es will mehr erfahren über ihre Bedürfnisse, Anregungen und Wünsche. Die Gemeinwesenarbeit zeichnet sich dadurch aus, dass es Kümmerer gibt, die zwar gleichermaßen mithelfen, Projekte zu initiieren und Probleme zu identifizieren, aber bei der Umsetzung und Lösung auf die Mithilfe der Bewohner im Quartier setzen. „Selbsthilfekräfte“ und „bürgerschaftliches Engagement“ nennen das Fachleute. Und daran, so der Befund, mangelt es in der Neustadt.

Shirin Pethig übernimmt Aufgabe der Kümmererin

Die Aufgabe der Kümmererin fällt Shirin Pethig zu, seit Oktober Mitarbeiterin mit einer 30-Stunden-Stelle im Gemeinwesenprojekt „Wir für die Neustadt“ . Die Badbergerin ist studierte Turkologin und sucht in einem ersten Schritt den Kontakt mit den Bewohnern in der Neustadt. Sprechstunden hält sie im Stadtteilbüro im Mehrgenerationenhaus an der Friedrichstraße 37a ab, seit Mitte Juni besitzt Pethig auch ein mobiles Stadtteilbüro. Mit einem bemalten Bauwagen will sie durch die Neustadt ziehen. Noch bis Ende dieser Woche steht dieser auf dem Parkplatz vor dem früheren Geschäft Penzin und Mieck an der Bremerkamp straße 3. Dann zieht er für vier Wochen um an einen anderen Standort. Angedacht ist Friedrichsplatz an der Hasestraße. „Bis zum Herbst soll das so weitergehen“, erläutert Mareike Schmidt, seit 2016 zuständig für das Quartiersmanagement Quakenbrück-Neustadt.

Kontakte knüpfen

Fest steht bereits: Der Bauwagen mit Quakenbrücker Motiven wecke die Neugier, sagt Shirin Pethig, die an vier Tagen in der Woche in ihrem mobilen Büro anzutreffen ist. Im Bauwagen gibt es einen Schreibtisch und Stühle, sogar an eine Malecke für Kinder ist gedacht. In den ersten Wochen hat Pethig schon viele Gespräche mit Einwohnern geführt, die den Treffpunkt besucht haben. Dabei kommen ihr ihre bulgarischen, russischen und türkischen Sprachkenntnisse zugute. „Ich stelle mich und meine Arbeit vor, höre zu und frage nach, was die Menschen beschäftigt“, so beschreibt sie ihre Arbeit. Sehr schnell drehten sich manche Gespräche auch alltägliche Probleme und Privates. „Hier stelle ich den Kontakt zu bestehenden Hilfsangeboten her“, sagt Pethig. So entstehe langsam ein Vertrauensverhältnis, das eine wesentliche Grundlage des Gemeinwesenprojektes sei. Der Wunsch: Durch solche Gespräche werden Menschen und Vereine zu Multiplikatoren, die die Arbeit und das Angebot weitertragen. „Dafür sind aber viel Zeit und Geduld erforderlich“, ergänzt Mareike Schmidt.

Ziel: Menschen bewegen, sich aktiv einzubringen

Im Mittelpunkt der Gespräche steht die aktivierende Befragung. „Wir wollen herauskitzeln, wie Wünsche und Anregung für das Zusammenleben in der Neustadt von den Bewohnern selbst in die Hand genommen werden kann“, erläutern Schmidt und Pethig. Beratung und Hilfe stünden zwar im Vordergrund, „wir sind aber kein Dienstleistungs- und Versorgungsangebot“. Ein Beispiel: Der Wunsch von Frauen, eine eigene Sportgruppe zu gründen, griff Shirin Pethig auf. Ihr Motto: Fördern und fordern. Sie half bei der Suche nach Übungsorten, nahm die Gruppe aber in die Pflicht, selbst die Organisation in die Hand zu nehmen. „Es geht darum, feste Strukturen zu schaffen und Menschen zu bewegen, sich aktiv einzubringen“, sagt Mareike Schmidt.

Noch bis Freitag, 20. Juli, steht der Bauwagen an der Bremerkampstraße 3. Shirin Pethig ist montags und dienstags von 10 bis 12 Uhr sowie mittwochs und donnerstags von 12.30 bis 14.30 Uhr dort anzutreffen; Kontakt: Telefon 01 76/32 41 04 21.


Das Projekt „Wir für die Neustadt“

Das Gemeinwesenprojekt „Wir für die Neustadt“ hat der Quakenbrücker Stadtrat im Juni 2017 mehrheitlich beschlossen. Projektbeginn war am 1. Juli 2017, es läuft bis Ende Juni 2022. Gefördert wird es vom Niedersächsischen Sozialministerium und dem Praxisnetzwerk für soziale Stadtentwicklung der Landesarbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte Niedersachsen. Der Anteil, den die Stadt zu tragen hat, beträgt im ersten Jahr zehn Prozent der Kosten. Dieser erhöht sich auf 40 Prozent im letzten Jahr. Spätestens ab dem fünften Jahr soll eine Co-Finanzierung über Drittmittel erfolgen, so dass die Sozialarbeiterstelle auf Dauer ohne einen Zuschuss der Stadt finanziert werden kann. cg

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN