Warnstreik für Haustarifvertrag Mitarbeiter an Tönnies-Standort Badbergen legen Arbeit nieder

Von Christian Geers


Badbergen. Etwa 180 Beschäftigte der Firma Food Service Badbergen GmbH haben am frühen Mittwochmorgen vorübergehend die Arbeit niedergelegt. Zu diesem Warnstreik hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufgerufen. Grund sind die bisher gescheiterten Verhandlungen über einen Haustarifvertrag.

Mit dem Warnstreik will die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten nach Angaben ihres Geschäftsführers Uwe Hildebrand den Druck auf die Tönnies-Gruppe erhöhen. Der Fleisch-Gigant aus Rheda-Wiedenbrück ist seit August 2017 Eigentümer der früheren Artland Convenience GmbH, die als Teil der Lutz-Gruppe im Frühjahr 2017 Insolvenz angemeldet hatte. Seit einem Vierteljahr werde über den Abschluss eines Haustarifvertrages am Standort Badbergen verhandelt, „bisher hat es noch kein Ergebnis gegeben“, sagte Hildebrand. Die Gewerkschaft fordert 6,25 Prozent mehr Lohn und Gehalt, alternativ steht auch eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 42 auf 40 Stunden bei vollem Lohnausgleich zur Diskussion. „In anderen Betrieben sind 37 oder 38 Stunden Normalität.“ Hildebrandt begründete die Gewerkschaftsforderung auch damit, dass die Beschäftigten seit 2005 und nach zwei Insolvenzen endlich eine angemessene Lohnsteigerung verdient hätten. „Wir liegen hier unter dem Ost-Niveau, es gibt weder eine betriebliche Altersversorgung noch Urlaubs- oder Weihnachtsgeld“, so der für die Region Osnabrück zuständige NGG-Geschäftsführer.

Auch Werkvertragsarbeiter beteiligen sich

Als „beeindruckendes Signal“ wertet Hildebrand die Beteiligung der Beschäftigten an dem Warnstreik. Nach Gewerkschaftsangaben sind etwa 400 in Badbergen beschäftigt, etwa die Hälfte davon sind Werksvertragsarbeiter. Bereits um 2.30 Uhr am Mittwochmorgen hätten sich die ersten Mitarbeiter vor dem Haupteingang versammelt. „Erfreulich ist, dass sich auch viele Werksvertragsarbeiter beteiligt haben. Das ist eine sehr starke solidarische Geste“, sagte er auf Anfrage unserer Redaktion. Zusammen mit NGG-Gewerkschaftssekretär Sebastian Zöppel klärte er sie über die Hintergründe auf. Uwe Hildebrand hofft, mit dem Warnstreik, der bis 8 Uhr andauern sollte, die Arbeitgeberseite wieder an den Verhandlungstisch zurückzuholen. „Wir wollen ein Gespräch mit einem vernünftigen Angebot.“ Der Gewerkschaftsvertreter mochte allerdings weitere Aktionen nicht ausschließen, zum Beispiel die, dass der Betriebsrat von der Firmenleitung geforderte Mehrarbeit untersage.

Etwa 100 Beschäftigte protestieren in der Bahnhofstraße

Gegen 5 Uhr am Mittwochmorgen hatten sich an die 180 Mitarbeiter – 70 Tönnies-Beschäftige und 110 Werksvertragsarbeiter – entlang der Straße eingefunden, die mit Fahnen und Westen „Wir streiken“ während einer Kundgebung auf ihre Forderungen nach einem Haustarifvertrag aufmerksam machten. Hin und wieder gellten Trillerpfeifen, als einige wenige Mitarbeiter im Firmengebäude verschwanden. Unter den Streikenden war auch Giesela Brandes-Steggewentz, Vorsitzende der Links-Fraktion im Osnabrücker Stadtrat und ehemals tätig für die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). Sie lobte die „breite, internationale Solidarität“ und freute sich, dass auch rumänische Werksvertragsarbeiter die Arbeit niedergelegt hätten. Auch Norbert Brauer, seit April Vorsitzender des Betriebsrates der Food Service Badbergen GmbH, ist mit der gezeigten Geschlossenheit zufrieden. Er arbeit seit fast 40 Jahren in dem Unternehmen und hat in dieser Zeit mehrere Insolvenzen und Übernahmen des Schlacht- und Zerlegebetriebes erlebt. Er hält die Forderung nach einer Lohnerhöhung für gerechtfertigt. „Hier wird von allen gute Arbeit geleistet“, sagte er.

(Weiterlesen: Tönnies-Konzern kritisiert Warnstreik in Badbergen.)


Food Service Badbergen

Nach der Insolvenz der Lutz-Gruppe mit Sitz in Landsberg Ende April 2017, zu der auch die Firma Artland Convenience in Badbergen gehörte, übernahm die Tönnies-Gruppe aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück das Unternehmen. Die Pläne für den Standort Badbergen hatte Firmenchef Clemens Tönnies im April 2018 so beschrieben: „Das ist der Rinderstandort der Zukunft für Tönnies.“ Mindestens 80 Millionen Euro wollen die neuen Inhaber mittelfristig investieren – etwa in neue Kühlkapazitäten, um die Schlachtzahlen zu erhöhen. Bislang werden in Badbergen 2700 Rinder pro Woche verarbeitet, bei wachsendem Kühlraum sind laut Tönnies bis zu 5000 Tiere möglich und damit etwa doppelt so viel wie an den anderen Standorten in Wilhelmshaven und Kempten.