Interview mit Moritz Jacobsen Quakenbrück will als Radstadt das Besondere bieten

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Moritz Jacobsen, Projektmanager der Initiative Quakenbrück. Foto: Initiative QuakenbrückMoritz Jacobsen, Projektmanager der Initiative Quakenbrück. Foto: Initiative Quakenbrück

Quakenbrück. Seit November 2016 kümmert sich Moritz Jacobsen als Projektmanager der Initiative Quakenbrück (IQ) um das Stadtmarketingprojekt „Radstadt des Nordens“. Das solle der ganzen Stadt zugutekommen und nicht nur Einzelinteressen dienen, stellt er im Interview klar.

Herr Jacobsen, Sie sind seit gut eineinhalb Jahren Projektmanager der Initiative Quakenbrück und damit noch relativ neu im Amt. Was genau machen Sie?

Ich habe eine Vollzeitstelle in der Agentur Blueprint, die Hälfte meiner Arbeitszeit macht aber die Arbeit am Projekt „Radstadt des Nordens“ der Initiative Quakenbrück aus. Ich kümmere mich aber auch um die Geschäfte der Initiative – und um alle Themen, die Werbegemeinschaften auch in anderen Städten beschäftigen.

Zum Beispiel?

Dazu gehört die zunehmende Abkehr der Kunden vom stationären Handel hin zum Internetshop. Die Initiative Quakenbrück will sich in diesem Bereich weiter professionalisieren. Festzustellen ist, dass nicht nur Werbegemeinschaften, sondern auch ihre Mitglieder heutzutage wenig Zeit haben, sich nebenbei um Projekte oder die Organisation eines Stadtfestes zu kümmern. Mit meiner halben Stelle wurden diese Aufgaben aus dem Ehrenamt herausgeholt.

Sie sind also auch so etwas wie ein Citymanager für Quakenbrück?

Ja, das kann man sagen. Dass überhaupt so eine Stelle geschaffen wurde, halte ich für eine kleine Sensation. Es war möglich dank des gemeinsamen Engagements einer öffentlich-privaten Partnerschaft zwischen Initiative Quakenbrück, ihren Mitgliedsbetrieben und der Stadt, in der alle einen finanziellen Beitrag leisten.

Als Sie zum ersten Mal vom Projekt „Radstadt des Nordens“ gehört haben, was dachten Sie da?

Ich war begeistert über den großen Rückhalt und das große Interesse in Rat, Verwaltung und Bürgerschaft. Es ist etwas Besonderes, wenn sich eine Stadt von der Größe Quakenbrücks aufmacht, sich als Fahrradstadt profilieren zu wollen. Das hat – im gut gemeinten Sinn des Wortes – etwas von sympathischem Größenwahnsinn, sich gleich selbstbewusst als „Radstadt des Nordens“ zu bezeichnen und sich von anderen Mitbewerbern abheben zu wollen, wenn man weiß, dass bundesweit jede kleine Gemeinde oder Stadt etwas in Sachen Fahrradtourismus bietet und damit auf einen Megatrend reagiert. Quakenbrück springt aber nicht einfach auf den Zug auf, sondern hat den Ehrgeiz, etwas Besonderes zu bieten.

Die Stadt will ja durch ein fahrradfreundliches Image nicht nur Touristen und Besucher anlocken, sondern sich auch als Wohn- und Wirtschaftsstandort profilieren, oder?

Ja. Mit dem Projekt „Radstadt des Nordens“ folgen wir nicht nur einem allgemeinen Megatrend Radfahren. Ein lebendiger und attraktiver Ortskern mit hoher Aufenthaltsqualität ist von zentraler Bedeutung für einen Lebens- und Wirtschaftsstandort. Das ist für Unternehmen heute viel wichtiger, um Fachkräfte zu gewinnen und an sich zu binden. Unter dem Strich profitieren alle Quakenbrücker davon und nicht nur die, die mit dem Rad unterwegs sind. Es geht mit dem Projekt „Radstadt des Nordens“ also nicht um Einzelinteressen, sondern wir haben alle Einwohner der Stadt im Blick.

Wie kommen Sie dem Ziel „Radstadt des Nordens“ näher?

Mit vielen kleinen Schritten. Ich versuche, Kooperationspartner für Projekte zu suchen, die gemeinsam Ideen und Vorschläge umsetzen. Es geht mir darum, Diskussionen anzustoßen. Wichtig ist, dass sich die Stadt auf den Weg gemacht hat, fahrradfreundlicher zu werden, damit sich noch mehr Menschen für ihre Wege vermehrt aufs Rad setzen, als sie es jetzt schon tun. Das wollen wir mit guten Argumenten erreichen.

Dazu gehört auch der „Radtag“ am Sonntag, sozusagen als „Feiertag“...

Ja, wir möchten diese Veranstaltung unbedingt weiterführen. Sie soll jedes Jahr vor den Sommerferien stattfinden. Der Radtag passt gut in den Veranstaltungskalender und füllt die Lücke zwischen Maimarkt und Burgmannsfest.

Und welche Ideen gibt es für die Zukunft?

Angedacht sind die Teilnahme an der bundesweiten Aktion „Stadtradeln“ des Klimabündnisses oder aber die Zertifizierung Quakenbrücks als „Fahrradfreundliche Kommune“. Da sind wir aber auf die Unterstützung aus Rat und Verwaltung angewiesen. Zudem wollen wir gezielt neue touristische Angebote für Rennradfahrer schaffen. Die Bedingungen vor Ort sind ideal, die Landschaft geeignet, auch wenn sie überwiegend flach ist und kaum Steigungen bietet. Das aber könnte für manche Rennradsportler gerade interessant sein. Wir würden den Anstoß dazu geben, andere Kooperationspartner wie Hasetal-Touristik oder Tourismus-Information Artland dann die Produkte ausarbeiten. Wichtig, finde ich, ist auch, an die Geschichte der Firma Kynast – einst Europas größter Fahrradproduzent – zu erinnern. Der Niedergang war sicher schmerzlich, ist aber ein Teil der Stadtgeschichte. Der Erfindergeist, der das Unternehmen groß machte, lebt ja in den neuen Fahrradfirmen fort.


Zur Person

Moritz Jacobsen (32) hat in Marburg studiert und ist Politik- und Kulturwissenschaftler. Der Osnabrücker ist seit November 2016 hauptamtlicher Projektmanager für die Initiative Quakenbrück. cg

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