Gesamtkosten jetzt bei 780.000 Euro Kita-Erweiterung kommt Samtgemeinde Artland teurer als gedacht

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Sieben Gruppen sind unter dem Dach der Kindertagesstätte St. Sylvester an der Pfaffenstraße vereint. Nun soll eine weitere Krippengruppe mit 15 Plätzen angebaut werden. Foto: Christian GeersSieben Gruppen sind unter dem Dach der Kindertagesstätte St. Sylvester an der Pfaffenstraße vereint. Nun soll eine weitere Krippengruppe mit 15 Plätzen angebaut werden. Foto: Christian Geers

Quakenbrück. Die Erweiterung der Kindertagesstätte St. Sylvester wird deutlich teurer. Das Kirchenamt Osnabrück rechnet mit Kosten von 780.000 Euro, rund 230.500 Euro mehr als ursprünglich kalkuliert. Ein Ausstieg kommt für die Samtgemeinde Artland nicht infrage: Die Plätze werden gebraucht.

Die Nachricht, dass die neue Krippengruppe für 15 Kinder unter drei Jahren samt dazugehöriger Funktionsräume die bisherige Kostenschätzung buchstäblich sprengen wird, traf den Ausschuss für Bildung, Familie und Vereine am Mittwochabend nicht unvorbereitet. Die neuen Zahlen hatten sich herumgesprochen, denn am Montagabend hatten Vertreter des Kirchenkreises Bramsche den Mitgliedern des Arbeitskreises Kindertagesstätten die Gründe für die Mehrkosten erläutert. Sarah Harris, beim Kirchenamt Osnabrück zuständig für die betriebswirtschaftlichen Belange der Kindertagesstätten, und Diplom-Ingenieur Florian Gösling vom Amt für Bau und Kunstpflege der Evangelischen Landeskirche Hannovers in Osnabrück standen dem Fachausschuss Rede und Antwort.

Neubau einer Krippengruppe

Das Vorhaben: Grundlage der Planung sei gewesen, die Kita St. Sylvester um eine Krippe zu erweitern. Gleichzeitig sollten im Altbau einige Veränderungen vorgenommen werden. Dort fehlen ein bedarfsgerechter Personalraum und ein Ruheraum für die Kinder. Im Juli 2017 hatte das Kirchenamt die Kosten für Neubau der Krippengruppe und den Umbau auf rund 549.000 Euro geschätzt. 70.000 Euro hatte der Kirchenkreis Bramsche als Zuschuss für Einrichtung und Außengelände zugesagt, außerdem die Übernahme der Architektenleistungen. Die Samtgemeinde Artland rechnete auf dieser Grundlage mit einer Investition von rund 479.000 Euro.

Neue Zahlen im April

Der Stand der Dinge: Im April legte das Kirchenkreisamt neue Zahlen vor, dieses mal allerdings anstelle einer Schätzung eine genaue Kostenberechnung des geplanten Vorhabens. Danach steigen die Baukosten auf rund 780.000 Euro, das macht ein Plus von 231.000 Euro. Der Umbau des Kindergartens schlägt mit 117.700 Euro zu Buche, die Krippe mit 661.600 Euro. Die eigentlichen Mehrkosten für Krippenbau und Umbau in der Kita beliefen sich auf insgesamt 80.000 Euro, erläuterte Gösling. Diese Mehrausgaben entstehen beim Kitabau wegen der ungünstigen Bodenbeschaffenheit und einer anderen Heiztechnik. Im Altbau muss die Trinkwasserinstallation ausgetauscht werden, es gibt Mängel im Brandschutz, und es fehlt ein Blitzschutz. Das habe erst später eine Bestandsaufnahme ergeben. Diese Ausgaben hätten mit dem ursprünglich geplanten Vorhaben nichts zu tun, seien aber eingerechnet worden, so Harris. Sie könnten auch später ausgeführt werden. Die übrigen 150.000 Euro Mehrkosten seien schlicht der boomenden Baukonjunktur geschuldet. „Die Unternehmen sind ausgebucht und können verlangen, was sie wollen“, so Gösling. Er gab zu, von „falschen Annahmen“ ausgegangen zu sein, „nicht alles berücksichtigt“ und auch mit „zu geringen Kostenkennzahlen“ gerechnet zu haben. Der Kirchenkreis Bramsche habe beschlossen, so Harris, sich mit weiteren 50.000 Euro an den Baukosten zu beteiligen sowie die ebenfalls gestiegenen Architektenkosten zu übernehmen. Der Anteil der Samtgemeinde beliefe sich damit auf rund 660.000 Euro, im Etat 2018 stehen jedoch nur 480.000 Euro bereit, bleiben also 180.000 Euro, die finanziert werden müssen.

Ausschuss setzt bei Mehrkosten Obergrenze fest

Die Diskussion: Andreas Henemann (Bündnis 90/Die Grünen) äußerte seine Verwunderung über die vom Kirchenamt vorgelegten Zahlen. Im Mai 2017 hätten deren Vertreter selbst einen Kostenrahmen von 600.000 bis 750.000 Euro genannt, im Juli seien die Baukosten nur noch auf 550.000 Euro geschätzt worden, nun seien es 780.000 Euro. „Der Baugrund hat sich seit Juli nicht geändert, und 150.000 Euro der guten Baukonjunktur zuzuschreiben ist als Begründung mehr als dürftig und nicht nachvollziehbar“, kritisierte er. Der Grünen-Ratsherr forderte eine noch stärkere Beteiligung des Kirchenkreises Bramsche an den Mehrkosten ein.

„Wir sind sehr, sehr enttäuscht von dieser Entwicklung“, sagte Tobias Dörfler (CDU). Die im vergangenen Jahr geäußerte Befürchtung seiner Fraktion sei eingetreten, weil der Rat eine Entscheidung unter großem Zeitdruck habe treffen müssen. „Ein Ausstieg kommt aber nicht infrage, weil wir die Betreuungsplätze brauchen“, stellte er klar. Allerdings: Die Mehrkosten werde der Rat „nicht einfach durchwinken“. Seine Forderung: Bis zur Sitzung des Samtgemeindeausschusses am 7. Juni sollten Kirchenkreisamt und Verwaltung die Kosten noch einmal überprüfen und hinterfragen. Akzeptabel sei ein Betrag von maximal 150.000 Euro. Eine Obergrenze beim Budget zu setzen habe sich beim Bau der Oberschule Artland bewährt, führte er aus. „Gefragt ist jetzt eine ordentliche Portion Flexibilität, um das Dilemma zu beseitigen“, sagte Dörfler in Richtung Kirchenkreis.

Kostenberechnung soll erneut überprüft werden

Gerd Beckmann (SPD) gestand mit Blick auf die zunächst genannten Kosten von 550.000 Euro ein, „dass wir da etwas blauäugig an die Sache herangegangen sind“. Er sprach sich ebenfalls für eine erneute Überprüfung der Zahlen aus und stimmte dem Vorschlag der CDU zu, Mehrkosten von maximal 150.000 Euro zu akzeptieren – „ohne am räumlichen und pädagogischen Konzept Einsparungen vorzunehmen“. Wichtig sei, das Bauvorhaben schnell zu starten.

Der Beschluss: Bei einer Enthaltung beschloss der Ausschuss, die Mehrkosten auf maximal 150.000 Euro zu begrenzen. Samtgemeinde und Kirchenkreis sind gefordert, die Ausgaben noch einmal kritisch zu hinterfragen. Eine endgültige Entscheidung soll dann in der Sitzung des Samtgemeinderates am Donnerstag, 14. Juni, fallen.


Ausstieg aus Bauprojekt brächte neue Probleme mit sich

Ein Ausstieg aus dem Bauvorhaben ist nach Ansicht der Artländer Samtgemeindeverwaltung theoretisch zwar möglich, führt aber in der Praxis zu weiteren Problemen. Die Betriebserlaubnis für die 15 Plätze der Übergangsgruppe, die im Brockhaus untergebracht ist, sei an den Bau einer Krippengruppe an der Kindertagesstätte St. Sylvester gebunden, erläuterte Daniel Thäsler, stellvertretender Fachbereichsleiter der Samtgemeinde Artland, in der Sitzung. Es sei nicht möglich, kurzfristig an einem anderen Kita-Standort eine Übergangslösung zu schaffen, an der auch eine Verstetigung, also der Anbau einer Krippengruppe, erwogen werden könne. cg

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