Erstes Gutachten vorgestellt Nahwärme in Quakenbrücker Wohngebiet würde sich rechnen

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Ein Dreh am Thermostat, und das Zimmer im Haus wird warm. Im künftigen Quakenbrücker Baugebiet „Hartlage-Ost“ wäre es möglich, den Wärmebedarf durch ein Nahwärmenetz zu decken. Das hat ein erstes Gutachten ergeben. Symbolfoto: dpaEin Dreh am Thermostat, und das Zimmer im Haus wird warm. Im künftigen Quakenbrücker Baugebiet „Hartlage-Ost“ wäre es möglich, den Wärmebedarf durch ein Nahwärmenetz zu decken. Das hat ein erstes Gutachten ergeben. Symbolfoto: dpa

Quakenbrück. Für ihr künftiges Wohngebiet „Hartlage-Ost“ lässt die Stadt Quakenbrück derzeit einen Bebauungsplan entwickeln. Eine erste Frage ist schon beantwortet: Eine zentrale Wärmeversorgung aller Wohnhäuser wäre wirtschaftlich machbar und würde sich rechnen.

Die Quakenbrücker Stadtverwaltung hat mit finanzieller Unterstützung des Landkreises Osnabrück mit Blick auf den Klimaschutz eine Machbarkeitsstudie und eine Wirtschaftlichkeitsanalyse für eine zentrale Wärmeversorgung im k ünftigen Wohngebiet „Hartlage-Ost“ in Auftrag gegeben. Das in Bad Iburg ansässige Planungsbüro Ingenieur Netzwerk Energie eG (Ineg) hat hat nun erste Antworten auf technische und wirtschaftliche Fragen. Bastian Hoffmann, Mitarbeiter des nach eigenen Angaben genossenschaftlich organisierten und unabhängigen Unternehmens, präsentierte den Mitgliedern des Ausschusses für Planen und Bauen die Ergebnisse.

54 Baugrundstücke möglich

Die Ausgangslage: In dem rund fünf Hektar großen Gebiet am nördlichen Stadtrand, das an das ebenfalls geplante Baugebiet „Hartlage“ grenzt, könnten nach Darstellung der Stadtverwaltung neben 39 Einfamilien- auch 15 Mehrfamilienhäuser entstehen.

Der Wärmebedarf: Pro Einfamilienhaus ist laut Hoffmann von einem jährlichen Wärmebedarf von 10.000 Kilowattstunden (kWh) auszugehen, bei Mehrfamilienhäusern liegt er bei 25.000 Kilowattstunden. Das macht pro Jahr eine Wärmeabnahme von 765 Megawatt (MW), hinzuzurechnen sind noch Verluste, die durch die Übertragung entstehen.

Die Erschließung: Am westlichen Rand des Baugebietes entsteht auf einem Grundstück eine Heizzentrale, von dort wird das heiße Wasser durch Rohrleitungen durch zu den Verbrauchern geleitet. Die Hauptrohrleitung soll während der Erschließung des Gebietes gleich mitverlegt werden, sie hat eine Länge von 1000 Metern. Weitere 830 Meter machen die abzweigenden Hausanschlussleitungen aus.

Die Varianten: In Modell 1 wird ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Erdgas betrieben. Der erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist, die Wärme wird über einen Pufferspeicher (Fassungsvermögen 20 Kubikmeter) schließlich über das Netz in die Haushalte geleitet. Um den Bedarf in Spitzenzeiten – also im Winter, wenn der Wärmebedarf besonders hoch ist –, steht ein ebenfalls mit Erdgas befeuerter Kessel bereit. „Somit ist eine 100-prozentige Versorgungssicherheit gewährleistet“, erläuterte der Ineg-Mitarbeiter. In Modell 2 hat das Ingenieurbüro anstelle eines BHKW mit einem Holzhackschnitzelkessel gerechnet, der wegen des zu lagernden Brennmaterials ein etwas größeres Grundstück benötigt. Modell 3 gleicht Modell 1, hier kommen zu den 54 Bauplätzen im Baugebiet „Hartlage-Ost“ weitere 17 Grundstücke im Gebiet „Hartlage“ dazu. Das würde für eine noch bessere Auslastung der Anlage sorgen.

Investitionskosten liegen bei rund einer Million Euro

Die Kosten: Der Anschlusspreis pro Haushalt mit einer Übergabestation liegt bei einmalig 8000 Euro. Die Heizkosten setzen sich laut Rechenbeispiel aus dem Grundpreis (500 Euro pro Jahr) und einem Arbeitspreis (5,9 Cent pro Kilowattstunde) zusammen, beides zuzüglich Mehrwertsteuer. Darin sind die Kosten für Wartung und Instandhaltung bereits enthalten. Die tatsächlich abgenommene Wärme wird über geeichte Zähler gemessen.

Die Investition: Die geschätzten Investitionskosten liegen bei 993.000 Euro (Modell 1) und 982.000 Euro (Modell 2), 1,2 Millionen Euro würden bei Modell 3 benötigt wegen einer höheren Zahl von Hausanschlüssen. Während bei den Modellen 1 und 3 während des Betriebs mit jährlichen Überschüssen zu rechnen ist, bei Modell 2 ein leicht negatives Jahresergebnis.

Der Vergleich: Nach den Berechnungen des Ingenieur Netzwerks Energie rechnet sich ein Nahwärmeanschluss für den Kunden im Vergleich zu anderen Heizarten. Die Kosten für Nähewärme liegen gegenüber Gasbrennwertkessel und Solarthermie um etwa 20 Prozent niedriger, im Vergleich zur Pelletheizung sind es 53 Prozent. Immerhin noch sechs Prozent günstiger sei ein Nahwärmeanschluss im Vergleich zur Luft-Wasser-Wärmepumpe.

Das Ergebnis: Ein Nahwärmenetz für das Baugebiet „Hartlage-Ost“ sei wirtschaftlich darstellbar, sagte Bastian Hoffmann. Die Anschlussnehmer profitieren von günstigen Anschlusskosten, vor allem aber helfe ein Nahwärmenetz den Hausbesitzern, die Anforderungen der geltenden Energieeinsparverordnung und des Erneuerbare Energie-Wärme-Gesetzes zu erfüllen. Letzteres schreibe einen Mindestanteil von 15 Prozent an Erneuerbaren Energien bei der Versorgung von Gebäuden vor. Außerdem seien die Wärmekosten langfristig konstant. Ein weiterer Vorzug sei, dass die Bewohner des Quartiers das Nahwärmenetz als Genossenschaft selbst betreiben könnten. „Sie wären nicht nur Anschlussnehmer, sondern auch Mitglieder der Genossenschaft“, erläuterte Hoffmann. Allerdings: Das Ganze rechne sich nur dann, „wenn die Anschlussquote sehr hoch ist“.

Grüne plädieren für „dezentrale Energieversorgung“

Die Diskussion: Ausschussvorsitzender Ludger Greten sprach sich dafür aus, das vorgelegte Gutachten in den Fraktionen weiter zu vertiefen. „Wir haben da andere Vorstellungen“, sagte Andreas Henemann (Bündnis 90/Die Grünen). Seine Fraktion halte eine dezentrale Energieversorgung im Wohngebiet für die bessere Entscheidung. Das sei durch den Bau von sogenannten Plusenergiehäusern zu erreichen, mit denen sich mehr Energie produzieren lasse, als sie letztlich verbrauchten.


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