Vom Schützenwesen begeistert Quakenbrücker sägt Königsadler aus Eschenholz

Von Alexandra Lüders


Quakenbrück. Schon seit Jugendtagen interessiert sich Hans-Joachim Sieveke für das Schützenwesen. Durch diese Leidenschaft ist der Handwerker zu einem weiteren Hobby gekommen: Er sägt Holzadler für die traditionellen Schießwettbewerbe.

Ende April ist im Altkreis Bersenbrück die Schützenfestsaison angebrochen. Die Veranstaltungen, bei denen mit der Armbrust auf Holzadler geschossen wird, haben in der Region eine lange Tradition. Doch wie und wo entstehen diese gefragten Trophäen eigentlich? Hans-Joachim Sieveke weiß es, denn er gehört zu den kreativen Adlerbauern – eine echte Rarität!

„Dass Holz ein wunderbarer Werkstoff ist, durfte ich als Kind und Jugendlicher schon früh erfahren. In der Tischlerei meiner Pflegeeltern in Molbergen erlernte ich schließlich dieses Handwerk. In meinem gesamten Arbeitsleben hatte ich es überwiegend mit diesem Material zu tun“, erzählt Jochen Sieveke, warum er von Kindesbeinen an ein Faible für Holzarbeiten hat. In seiner Freizeit widmet sich der 70-Jährige seit seinem 15. Lebensjahr dem Schützenwesen und ist schließlich zum Schießmeister des Schützenvereins Hengelage-Brokstreek avanciert. Nach 30 Jahren wurde Sieveke 2006 zum Ehrenschießmeister vom Königs-Adler ernannt. Zahlreiche Pokale und Ehrenmedaillen erinnern an seine aktive Zeit als erfolgreicher Schütze, als er selbst mit der Armbrust den Holzadler vom fünf Meter hohen Mast holte.

„Das hat mich immer fasziniert“

„Mit der Armbrust die großen Holzvögel von der Stange zu schießen, das hat mich immer fasziniert. Eines Tages kam ich auf die Idee, diese Adler selbst zu bauen. Das kam auch meiner Leidenschaft für das kreative Arbeiten mit Holz entgegen“, schildert Sieveke, wie er vor 20 Jahren begann, sich eine kleine Hobbywerkstatt aufzubauen. Seine Schützenbrüder freuten sich, denn es gibt immer weniger Adlerbauer, verrät er. „Zur Herstellung gehört auch das Anfertigen von Schablonen, das Zusägen der verschiedenen Teile und das Beschnitzen, Schleifen, Beizen und Bemalen der Modelle. Jeder Adler ist ein Unikat und mit verschiedenen Symbolen wie dem Zepter, dem Reichsapfel und der Krone ausgestattet“, verweist der Quakenbrücker auf die einzelnen Arbeitsgänge. Seine Schablonen verwendet er dem Anlass entsprechend in verschiedenen Größen: Für den großen Königs-, den Kinder- oder Jungschützenadler sowie den Gästekönigsadler. Da im Schützenverein Hengelage auch der Kalberkönig, die Poggenkönigin und der Geflügelkönig ausgeschossen werden, hat Sieveke sein Repertoire an Schablonen erweitert.

Beim Schießen in 80 Teile zerlegt

Sein ganzer Stolz sind aber die von ihm kreierten Jubeladler aus Mahagoni, Buche oder Eiche. Wahre Prachtexemplare entstanden beispielsweise für das Jubelschützenfest des Schützenvereins Old Quokenbrügge (2000), für das Stadtjubiläum (775 Jahre Quakenbrück) und das Stadtkönigschießen (2015) „Ich schwärme eigentlich für Esche, die ist aber schwer zu bekommen. Die Pfeile werden aus diesem Holz gefertigt. Sie fliegen mit 90 Stundenkilometern zwölf Meter durch die Lüfte. Das knallt richtig, wenn die in den Adler reinhauen. Beim Adlerschießen gehen bis zu 20 Pfeile kaputt“, weiß er aus langer Erfahrung. Natürlich werden auch die Adler während des Schießens in nahezu 80 Teile zerlegt. Damit die Aufgabe trotzdem eine Herausforderung bleibt, muss Jochen Sieveke Bleche an der Rückseite des ein Meter breiten Holzadlers befestigen. „Die Verschraubung eines Adlers ist das A und O, denn er besteht aus elf Teilstücken“, schildert der Adlerbauer diese selten gewordene Kunstfertigkeit. Die möchte Sieveke noch so lange ausüben, wie es seine Gesundheit zulässt.