Ergebnisse aus der Wissenschaft Wie familienfreundlich sind Artländer Unternehmen?

Samtgemeindebürgermeister Claus Peter Poppe (Mitte) und Katharina Vater (Vierte von links) von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung der Samtgemeinde Artland hießen die Referenten des Artländer Unternehmensforums willkommen. Foto: Samtgemeinde ArtlandSamtgemeindebürgermeister Claus Peter Poppe (Mitte) und Katharina Vater (Vierte von links) von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung der Samtgemeinde Artland hießen die Referenten des Artländer Unternehmensforums willkommen. Foto: Samtgemeinde Artland

Quakenbrück. Familienbewusste Unternehmen haben motiviertere Arbeitnehmer und ein angenehmeres Arbeitsklima. Darum ging es beim Artländer Unternehmensforum.

Den Spagat zwischen Familie und Beruf kennen nahezu alle Berufstätigen. Dass man sich als Unternehmen mit dem Thema Familienbewusstsein profilieren kann, das machte Dr. Irene Gerlach aus Münster bei dem Artländer Unternehmensforum klar. Viele Unternehmen sowie Vertreter aus der Umgebung kamen nach Angaben der Stabsstelle Wirtschaftsförderung der Samtgemeinde Artland an diesem Abend zusammen, um am Netzwerkabend im Gesundheitsstudio DreiFit teilzunehmen.

Fundierte Beweise

Irene Gerlach, Professorin für Politikwissenschaft und Sozialpolitik an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum sowie Privatdozentin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, brachte den Unternehmern des Artlandes wissenschaftlich fundierte Beweise, die aufzeigen, dass Mitarbeiter aus familienbewussten Unternehmen unter anderem motivierter bei der Arbeit seien, weniger krankheitsbedingt fehlten und sich insgesamt das Arbeitsklima deutlich verbessere. Diese und zahlreiche weitere positive Effekte führten wiederum zu geringeren Personalkosten. Mitarbeitendengespräche, Arbeitszeitkonten oder auch Betriebsfeste mit Familienmitgliedern kosteten oft nichts oder seien nur mit geringen Investitionen verbunden, könnten aber viel bewirken, so die Wissenschaftlerin in ihrem Vortrag.

Kommunikation wichtig

Familienbewusstsein sei mehr als das reine Maßnahmenangebot zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Vieles beginne mit einer offenen und wertschätzenden Unternehmenskultur, die vor allem von Führungskräften unterstützt werden könne. Daneben spiele auch die betriebliche Kommunikation eine wichtige Rolle: „Die besten familienbewussten Angebote nützen nichts, wenn die Mitarbeitenden sie nicht kennen oder sich nicht trauen, sie in Anspruch zu nehmen“, führte Irene Gerlach aus. Während Betriebsklima und Unternehmenskommunikation vollkommen betriebsgrößenunabhängig seien, eigneten sich einige Maßnahmen erst ab einer bestimmten Größenklasse. Hier helfe es, Netzwerke zu bilden und Kooperationen einzugehen, so der Tipp der Expertin für betriebliches Familienbewusstsein. Gleichzeitig könnten auch kleinere Unternehmen, wie Handwerksbetriebe, die Kinderbetreuung ohne eigene Betriebskita unterstützen, indem sie entsprechende Zuschüsse in voller Höhe als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen könnten.

Blick in die Praxis

Neben dem Thema Elternschaft wird nach den Worten der Wissenschaftlerin mit Blick auf den demografischen Wandel auch die Unterstützung von Beschäftigten mit Pflegeverantwortung künftig zunehmend wichtiger. Den Blick in die Praxis lieferte ein Podiumsgespräch zu der Frage, wie Familienbewusstsein konkret gelebt werden kann. Stefanie Ludwig, Inhaberin einer Kostümwerkstatt mit fünf Beschäftigten, setzt dabei vor allem auf einen regelmäßigen Austausch und Kreativität bei der Lösungssuche. Für Anke Markus von der Diakonischen Stiftung Bethanien-Lötzen in Quakenbrück ist eine vertrauensbasierte Unternehmenskultur von besonderer Bedeutung.

Sich auf den Weg machen

Wie Unternehmen ihr Engagement auch nach außen tragen und damit wichtige Fachkräfte anwerben können, erläuterte Andreas Merse vom Fachdienst Jugend des Landkreises Osnabrück, der dort unter anderem für die Zertifizierung „Familienbewusste Arbeitgeber“ zuständig ist. Familienbewusstsein beginnt schon im Kleinen – darüber waren sich alle Podiumsteilnehmende am Ende des Gespräches einig. Die Unternehmen müssten sich lediglich auf den Weg machen, lautete das Fazit.