Stets bissig, aber nie unfair Bilder von Fritz Wolf im Stadtmuseum Quakenbrück

Von Bernard Middendorf


Quakenbrück. Ob er ein kauziger Karikaturist war, wie manche meinen, sei dahingestellt, ein brillanter war er ganz bestimmt: „Fritz Wolf und die Musik“ heißt die neue Ausstellung des Stadtmuseums.

Wer sich nach dem mit viel Humor und Anekdoten gespickten Vortrag von Hermann Queckenstedt die Schöpfungen des Osnabrücker Künstlers zu Gemüte führte, kam aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus. Bei manchem Betrachter war der „Aha-Effekt“ buchstäblich vom Gesicht abzulesen, wenn der Groschen gefallen war. „Sie haben ein großes Wissen um das Werk von Fritz Wolf. Wir hoffen, dass wir einen kleinen Zipfel davon erwischen“, begrüßte Schatzmeister Jürgen Wielage den Redner sowie Marcus Wolf junior und Sebastian Scholtysek (Fritz-Wolf-Gesellschaft). Zum 100. Geburtstag des Künstlers am 7. Mai gebe es Ausstellungen in 18 Museen der Region, in Quakenbrück mit dem Schwerpunktthema Musik. Den Dankesworten an Bob Giddens als Förderer und an Organisator Detlef Bülow schloss sich Emma Weiss an. Im Namen der Stadt lobte die stellvertretende Bürgermeisterin den ehrenamtlichen Einsatz der 37 Mitarbeiter: „Machen Sie bitte weiter so !“

„Ungeheuer produktiv und kreativ“

Einen Trommelwirbel für Fritz Wolf hatte sich Wielage gewünscht – ein Feuerwerk von Hermann Queckenstedt war die Antwort. Ungeheuer produktiv und kreativ sei der Zeichner schon in jungen Jahren gewesen, als er „zum Vergnügen der Mitschüler und zum Missfallen der Pauker“ dieselben treffend karikierte. Geburt in Mülheim/Ruhr, Berufsausbildung zum Chemiegraphen, Arbeitsdienst und Wehrmacht, Fronteinsatz als Bataillonszeichner – außergewöhnlich wie sein Talent war auch sein Lebenslauf. Der ersten Begegnung in Russland mit Achilles Markowsky, später Herausgeber der Osnabrücker „Neuen Tagespost“, folgte 1945 die Gefangenschaft im Elsass. In Essen absolvierte Wolf ein Studium mit Schwerpunkt Gebrauchsgrafik. „Viele von uns ‚Ü40ern‘ und ‚Ü50ern‘ kennen Fritz Wolf als pointierten politischen Karikaturisten, aber seine Karriere begann er mit Illustrationen“, klärte Queckenstedt auf. Achilles Makoswsky holte Wolf nach Osnabrück. Dort zeichnete er zunächst für Firmen, Freunde, Verlage und Jugendzeitschriften.

Eng verbunden mit den Menschen der Region

Nicht nur andere, sondern auch sich selbst auf die Schüppe nehmen zu können, habe ihn ausgezeichnet. „Chefredaktion – den Rühe kann ich noch nicht, Stoltenberg war mir lieber!“, war zum Ministerwechsel 1992 sein Stoßseufzer auf einer Karikatur, die ihn ratlos vor etlichen Strichmännchen zeigte. Bei einem Zahnarztbesuch habe er sich grün angelaufen skizziert, umgeben von Attributen wie Kneifzange, gezogenen Zähnen, Blutbehälter und – als Clou – einem griffbereitem „Testament“. „Fritz Wolf war hier verwurzelt, karikierte oft sportliche Ereignisse wie im Osnabrücker Fußball. Er hatte eine besondere Art und Weise, mit Menschen umzugehen. Dazu gehörte auch die enge Verbundenheit mit Menschen der Region, die er subtil darstellte. Sogar Einladungen hat er illustriert“, hob Queckenstedt hervor. Als Gitarrist und Liebhaber der Klassik bezog Wolf häufig das Thema Musik ein – mit gekonntem Wortwitz: Schon 1977 verulkte er Franz-Josef Strauß als „Stimmenfänger in Niedersachsen“ mit Schalmei, viele Jahre später einen anderen Finanzminister: „Waigel bläst auf dem letzten Loch“.

Auch Lieblingskarikatur ausgestellt

Eine seiner Lieblingskarikaturen – ausgestellt auch im Stadtmuseum – zeige Kohl, Strauß und Genscher musizierend beim DDR-Mauerfall, im Hintergrund Rockmusiker Udo Lindenberg als populären Friedensbotschafter, dazu den trotzigen Spruch: „Wir dürfen uns schließlich nicht von Udo die Show stehlen lassen!“ Das „Aufspießen kleiner menschlicher Schwächen in der Provinz“ habe Fritz Wolf ebenso gern in Angriff genommen wie die Weltpolitik – stets bissig, aber nie unfair.