„Markttreyben“ am Heimathaus In Nortrup wird das Mittelalter zum Spektakel

Von Georg Geers


Nortrup. Der Geruch von Honig und Kräuter, Steynbrodt und Medkeksen sowie etlichen kleinen Lagerfeuern waberte am Wochenende über das Gelände am Heimathaus. Mehr als 40 Aussteller und Mitwirkenden hatten ihre Stände aufgebaut und ihre Zelte aufgeschlagen, um Leben und Arbeiten im 14. und 15. Jahrhundert zu demonstrieren. Gaukler, Wahrsager und Bettler trugen zur Echtheit der zweitägigen Veranstaltung bei.

War der Besuch der Veranstaltung am Samstagnachmittag erst zögerlich angelaufen, änderte sich das am Sonntag. Viele hundert Schaulustige zog es in die Artlandgemeinde, um zu sehen, was Schützenverein und Heimatverein in Zusammenarbeit mit der Gemeinde auf die Beine gestellt hatten. Sie wurden nicht enttäuscht, waren doch viele Aussteller, die die Bohmter Agentur Varus Marktschmiede nach Nortrup gelockt hatte, sehr authentisch.

Glückswürfel aus Speckstein

Warum auf das Glück warten, wenn man es selber beeinflussen kann, so Pribyslav von Ravensburg. Der gelernte Museumspädagoge aus Bad Eilsen, der seine Berufsbezeichnung „Bundschmied“ selber erfunden hatte, fertigte Glückswürfel aus Speckstein und bot sie zum Kauf an. Der Clou dabei: Seine Würfel haben auf jeder Seite sechs Augen. Stets von Kindern umringt, war Karl-Heinz Fißmer alias Fridolin Fadentüdel. Mit mehreren Dutzend selbst geschaffener Marionetten zog der Spieler aus Reinhardshagen nicht nur die Jüngsten in seinen Bann. Nur ein Auge, Warzen und eiternde Wunden – schon recht furchteinflößend war das Outfit des Bettlers Kuprian, der an beiden Tagen über das Marktgelände streunte. Auf zwei Dutzend Mittelaltermärkten, so der Schauspieler aus Neuss, sei er jährlich anzutreffen. Sich so „unschön“ zurechtzumachen, dafür gingen jedes mal zwei Stunden ins Land.

Gute Laune mit „Des Wahnsinns fette Beute“

Spaß und gute Laune verbreiteten die Musikerinnen und Musiker der Formation „Des Wahnsinns fette Beute“. Mit Flöten, Gitarre und Trommel beschrieben sie in ihren Liedern das Leben, die Liebe, aber auch die lästige Arbeit im Mittelalter. Ob bei Micha, dem Pfeifenschnitzer oder dem Riemenschneider Axel Palsbröcker, der als gelernter Elektroinstallateur in den 1990er-Jahren von dem Mittelaltervirus infiziert wurde – eines einte das besondere Völkchen der Marktbeschicker: Sie alle identifizieren sich mit dem Leben in der Mitte des vergangenen Jahrtausends. „Wenn ich freitags Feierabend habe“, so der Abteilungsleiter des Rheiner Bundeswehr-Versorgungsbataillons, Ernst-Rudolf John, „dann tauche ich ein in eine andere Welt, schlafe unter Fellen in meinem Zelt und freue mich, mit Gleichgesinnten schöne Markttage verleben zu können“. John fertigte an seinem Stand aus Naturmaterialien Schmuck.

Von Wüstenbussarden, Eulen und Pferden im Feuer

Eule, Uhu und Bussard einmal ganz aus der Nähe betrachten, dazu bot die Falknerei Eulenhof Gelegenheit. Falkner Stefan Kosfeld, der seine gefiederten Schützlinge den Besuchern vorstellte, vermittelte dabei interessante Informationen über Leben und Gewohnheiten der Greifvögel. Pferde und Feuer, das ist eigentlich wie Wasser und Feuer. Bei Einbruch der Dunkelheit zeigte am Samstagabend ein Stuntteam, dass es dabei auch Ausnahmen gibt. Mit brennenden Speeren gingen die Hobbyritter in der Show aufeinander los, galoppierten mit loderndem Gewand durch die Arena oder ließen vom Pferdedrücken aus mit Benzin gefüllte Luftballons explodieren. Höhepunkte der abenteuerlichen Vorstellung, die hunderte Besucher mit Spannung verfolgten, war ein Ritt durch ein brennendes Tor und eine Galoppade durch ein loderndes Strohfeuer. Die Zuschauer quittierten die Darbietungen mit lang anhaltendem Applaus.