Heinrich Titzmann zieht Bilanz Quakenbrücker Krankenhaus schreibt schwarze Zahlen

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Quakenbrück. Nach gut 24 Jahren geht Heinrich Titzmann, Geschäftsführer des Christlichen Krankenhauses Quakenbrück, Ende Mai 2018 in den Ruhestand. Seine Nachfolge wird Matthias Bitter am 1. Juni antreten.

Über die Entwicklung im Krankenhauswesen am Standort Quakenbrück gab der noch amtierende Geschäftsführer, der auch gesundheitspolitischer Vertreter des Landkreises Osnabrück in der Metropolregion Nordwest ist, im Gespräch mit der Redaktion einen kleinen Rückblick.

Herr Titzmann, die Krankenhäuser auf dem Lande sind wieder in aller Munde. 628 der 1748 Allgemeinkrankenhäuser in Deutschland sollen in Zukunft keinerlei Sondervergütung der Krankenkassen mehr für die Behandlung von Notfallpatienten erhalten. Ist Quakenbrück auch davon betroffen?

In Zukunft gibt es für die Notaufnahme einer Klinik nur dann zusätzliches Geld, wenn sie mindestens über die Fachabteilungen Chirurgie/Unfallchirurgie und innere Medizin verfügt. Darüber hinaus muss gewährleistet sein, dass in der Notaufnahme innerhalb von maximal 30 Minuten ein Facharzt verfügbar ist. Diese Voraussetzungen sind bei uns im Hause auf alle Fälle erfüllt (Stufe 1 Basisnotfallversorgung). Darüber hinaus erfüllt das CKQ auch die Kriterien der Stufe 2 (erweiterte Notfallversorgung) und Stufe 3 (umfassende Notfallversorgung), zu der unter anderem die Vorhaltung eines Hubschrauberlandeplatzes und weiterer zehn Fachabteilungen gefordert sind. Die Erweiterung und Zusammenlegung der Intensivstation mit der Stroke Unit und Intermediate Care Einheit und die Fertigstellung der Räume für die Notfallversorgung waren dafür wichtige Bausteine.

Sie übergeben ihrem Nachfolger ein medizinisch und wirtschaftlich erfolgreiches Haus. Das sah vor 24 Jahren, als sie hier anfingen, bestimmt anders aus?

Ich bin damals, wie man so schön sagt, über einen Headhunter nach Quakenbrück gekommen. Alle Problembereiche waren mir da nicht bekannt. Nach 14 Tagen habe ich sogar überlegt, ob ich hier weitermache oder nicht. Dann habe ich mich aber entschieden, die Herausforderung anzunehmen. Es wurde dann Liebe.

In den Folgejahren haben sie sich als ein Mann erwiesen, der „aktives Handeln“ als Prämisse ausgegeben hat und so für viele Veränderungen am Krankenhaus gesorgt hat. Das CKQ gehört seit etlichen Jahren zu rund einem Drittel der deutschen Kliniken, die schwarze Zahlen schreiben. Wie ist das gelungen?

Zahlreiche Investitionen waren notwendig, um die Klinik für die medizinischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft langfristig zu stärken. Dazu gehörten unter anderem der Bau der Rettungswache, der Bau des ersten MRTs in der Region 1995, einem innovativen Schritt in Zusammenarbeit mit der integrierten Radiologischen Praxis, die Übernahme und der Bau der Diätfachschule und der Physiotherapieschule und die Sanierung und Teilerweiterung der Psychiatrie und Psychosomatik. Der Neubau der Tageskliniken im Jahr 2015 und die im Prozess befindliche Sanierung der Patientenzimmer sind Folgen der Innovationsschmiede im Hause.

Die Strategie der Differenzierung und Spezialisierung von einem Allgemeinkrankenhaus hin zu einem Schwerpunktkrankenhaus mit überregionalem Einzugsgebiet hat sich als richtig erwiesen. Das ging aber nicht immer ohne Nebengeräusche über die Bühne?

Die Diskussion über die Schließung der Gynäkologie zum Beispiel ist nicht ohne persönliche Verletzungen verlaufen. Ich kämpfe gern für das von mir als richtig erachtete Ziel mit der notwendigen Konsequenz. Das ist jedes Jahr härteste Arbeit. Man kann noch so viele Pläne haben, aber wenn man nicht die richtigen Leute hat, dann läuft es nicht.

Harte Arbeit ist ein gutes Stichwort. Die ist für die Übernahme des in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Löninger Krankenhauses vor mehr als fünf Jahren gewiss auch nötig gewesen.

Das war ein mutiger Schritt, manch einer hat nicht geglaubt, dass wir das stemmen. Auf die Schnelle musste ein neues medizinisches Konzept her. Die Übernahme des Löninger Krankenhauses war eine große Chance für beide Häuser und die Menschen in der Region. Insgesamt ist die für Löningen entwickelte Strategie aufgegangen.

Auch auf die Zusammenarbeit mit anderen Kliniken haben Sie in den vergangenen Jahren ihr Augenmerk gerichtet, auch als Geschäftsführer des Corantis Verbundes.

Es ging in erster Linie darum, das Quakenbrücker Krankenhaus aus seiner regionalen Begrenztheit und Isolation zu führen. Bereits Anfang dieses Jahrhunderts habe ich eine stärkere Zusammenarbeit mit den Häusern in Cloppenburg und Vechta angedacht, der Weihbischof von Vechta hat den Kreis dann um mehrere kleine Krankenhäuser erweitert. Einzelne Krankenhäuser haben kaum die Chance, bei Förderprogrammen berücksichtigt zu werden. Nur im Verbund haben die Krankenhäuser der Region die Möglichkeit, maßgeblich beteiligt zu werden. Auch mit dem Ankumer Krankenhaus sind wir ständig im Gespräch.

Nachwuchsförderung wird am CKQ großgeschrieben. Aber nicht nur für den dualen Studiengang interessieren sich anscheinend Jugendliche, wie der Future Day gezeigt hat.

Als wichtiges Standbein der Nachwuchsförderung in den Gesundheitsberufen wurde das CKQ-Schulzentrum mit den Schwerpunkten Gesundheits- und Krankenpflege, Physiotherapie, Podologie und Diätetik ausgebaut. Seit 2011 wird hier der duale Studiengang „Bachelor of Science in Pflege“ in Kooperation mit der Hochschule Osnabrück angeboten. Das Christliche Krankenhaus ist aufgrund seiner hochspezialisierten Fachbereiche langjähriger Partner in der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses, so zunächst als Akademisches Lehrkrankenhaus der Medizinischen Hochschule Hannover und seit 2017 als Akademisches Lehrkrankenhaus der Carl von Ossietzky-Universität und der European Medical School Oldenburg-Groningen.

Und wie sehen die Planungen für den Ruhestand aus. Jetzt müssen Sie als ehemaliger Wasserballer ja nicht mehr unbedingt mit den Frühschwimmern ins Bad.

Das werde ich oft gefragt, so genau kann ich das aber nicht sagen. Die Familie ist in der Vergangenheit etwas zu kurz gekommen. Wir wollen weiter in Quakenbrück leben, denn für die Kinder ist das hier die Heimat. Wir haben hier auf alle Fälle Wurzeln geschlagen.


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